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«Was Deutschland bewegt»: Die ARD legt den Finger in die Wunde - und kaum einer schaut zu

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Von #metoo über soziale Ungleichheit bis hin zum Pflegenotstand beschäftigt sich Das Erste am Montagabend derzeit mit höchst brisanten Themen. Blöd nur, dass nicht allzu viele Menschen einschalten…

Kein gesellschaftspolitisches Thema ist in den letzten drei Jahren so intensiv besprochen worden wie die Frage nach Zuwanderung, Migration und Flüchtlingen. In Talkshows wurden damit verbundene Problematiken oft kontrovers diskutiert, häufig auf einer emotionalen und weniger auf einer rationalen Ebene. Erst am vorletzten Sonntag vergaloppierte sich AfD-Chef Alexander Gauland (den Frank Plasberg nicht mehr in seiner Sendung haben möchte) bei «Anne Will», als er von 600.000 Flüchtlinge in Deutschland sprach, die ausreisepflichtig seien - eine Zahl, die so nicht korrekt ist.

Die Dokumentation «Das Mädchen und der Flüchtling», die Das Erste am gestrigen Montagabend im Rahmen von «Was Deutschland bewegt» zeigte, ist da eine ganze Ecke unaufgeregter. Sie legt ihren Fokus auf Fälle in Kandel und Darmstadt, in denen Flüchtlinge zu Straftätern wurden. „Sind die Fälle mehr als nur Einzeltaten? Sind sie Argumente gegen die Flüchtlingspolitik?“, fragt die Stimme zu Beginn des Films aus dem Off. In den weiteren 40 Minuten versucht man sich der Antwort auf die Frage zu nähern, zu Wort kommen etwa Leute von vor Ort.

Gewiss: Ob die Fälle nun ein Argument gegen die Flüchtlingspolitik sind oder nicht, lässt sich am Ende des Films schwer beantworten. Er fördert keine politischen Lösungen zutage (was allerdings auch vermessen wäre zu erwarten). Aber er legt den Finger in die Wunder. Macht objektiv aufmerksam auf ein brisantes Thema, dem man sich mit anhand von Fakten nähern sollte.

Was Deutschland bewegt - Folgenübersicht

  1. Folge (30.04.18): Die Schattenseiten des Booms
  2. Folge (07.05.18): Ungleichland - Wie aus Reichtum Macht wird
  3. Folge (14.05.18): Wenn Eltern ihre Kinder misshandeln
  4. Folge (28.05.18): Vergewaltigt. Wir zeigen an!
  5. Folge (04.06.18): Das Mädchen und der Flüchtling
  6. Folge (11.06.18): Pflege - Hilft denn keiner?
Jeweiliges Datum der Erstausstrahlung
Ähnlich fielen in den vergangenen Wochen auch die anderen Reportagen der Reihe aus (Übersicht in der nebenstehenden Infobox). Vor allem aber sind die Themen, um die es in «Was Deutschland bewegt» geht, tatsächlich höchst aktuell. Der Film «Das Mädchen und der Flüchtling» erzählt Ereignisse, die gerade mal ein halbes Jahr alt sind. Dass die Flüchtlingsthematik weiterhin salient ist, beweist dieser Tage nicht zuletzt der Bamf-Skandal. Der demographische Wandel und insbesondere der Pflegenotstand, um den es in der nächsten Woche gehen wird, dürften eines der deutschen Zukunftsthemen der nächsten Jahre sein. Und ein gewaltiges Problem.

Und so macht Das Erste seine Sache im Bereich relevanter Dokumentation und Reportagen dieser Tage sehr viel besser als das ZDF, das am Dienstagabend zuletzt lieber seichte Stoffe versendete. Von «Nelson Müllers Essenscheck» über «Harry & Meghan» bis hin zu «Obi, Hornbach und Co» gab es hier in den vergangenen Wochen eine bunte, vor allem aber mäßig relevante Themenpalette. Einen Preis für qualitativ hochwertiges Fernsehen haben sich die Mainzer damit nicht verdient. Und trotzdem gibt es an «Was Deutschland bewegt» ein kleines Problem. Obwohl die behandelten Themen Deutschland durchaus bewegen sollten, tun oder taten sie es in den vergangenen Wochen nur bedingt. Die Quoten fielen häufig schwach aus, in der Regel schalteten die Filme am Montagabend weniger als zwei Millionen Menschen ein.

Auf Nachfrage von Quotenmeter.de verweist man bei der ARD auf die Tatsache, dass die Ausstrahlung einer Reportage am kommenden Montag noch aussteht. "Wir werden uns am Ende der Reihe, wenn die letzte Folge von «Was Deutschland bewegt» im Ersten ausgestrahlt wurde, mit der Resonanz beschäftigen“, sagt ARD-Chefredakteur Rainald Becker (Bild links). Und weiter: „Bis dato lässt sich nur sagen, dass wir uns sehr über den publizistischen Erfolg freuen und uns doch etwas mehr Zuschauer gewünscht hätten."

Bitter dürfte für die Verantwortlichen dabei insbesondere ein Blick auf den Quotenverlauf der ersten Folge sein. Lag die Quote am Abend gegen 20.15 Uhr - zum Ende der «Tagesschau» - bei noch knapp 20 Prozent, fiel sie mit Beginn der Dokumentation deutlich ab auf rund die Hälfte. „Verlaufskurve gestern - Was Zuschauer bewegt“, schrieb Programmdirektor Volker Herres bei Twitter und postete das entsprechende Diagramm. Deutlich über der Quotenkurve der ARD-Dokumentation lagen an besagtem Abend übrigens der Krimi «Schwarzach 23» im ZDF und «Wer wird Millionär?» bei RTL.



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