Die Kritiker

«Lifelines»

von   |  5 Kommentare

Dr. Alex Rode operiert auf RTL mit unkonventionellen Methoden. Die Arztserie orientiert sich stilistisch an US-Vorbildern, hat jedoch ein Problem: Die vermeintlich streitbare Hauptfigur ist kaum streitbar.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Jan Hartmann als Dr. Alex Rode
Susan Hoecke als Dr. Laura Seifert
Marc Oliver Schulze als Richard Kirchhoff
Tina Amon Amonsen als Annika Baumgartner
Jytte-Merle Böhrnsen als Dr. Carolin Diehl
Oliver Bröckner als Elias Wadowski
Aydin Isik als MRTA Tarik Coskun
Ben Blaskovic als Tobias Rode

Hinter der Kamera:
Headautorin: Annica Heine
Regie: Heinz Dietz, Michael Wenning, Kai Meyer-Ricks, Britta Keils
Produzentin: Astrid Quentell
Produktion: Sony Pictures Film und Fernseh Produktions GmbH
Arztserien? Funktionieren meistens beim deutschen TV-Zuschauer. Liebesgeschichten? Sowieso. Kein Wunder also, dass RTL nun diesen bewährten Mix in Neuauflage bestellt hat. Statt US-Ware gibt es für den Zuschauer also eine deutsche Produktion für die Dienstags-Primetime aus dem Hause Sony Pictures. Ebenso wie der ausstrahlende Sender, verortet sich auch das Setting der neuen Arztserie in der Domstadt. Dort ist ab sofort ein neuer TV-Arzt zu Hause:

Dr. Alex Rode (Jan Hartmann) ist ein Arzt, an dem sich die Geister scheiden. Er spricht aus, was andere kaum zu denken wagen und folgt im und außerhalb des OPs ausschließlich seinem Gefühl. Auch wenn er dafür gegen Konventionen verstößt oder Grenzen überschreitet. Denn wenn es sein muss, setzt Alex mal einen Fausthieb statt Betäubungsmittel oder ein Basketballspiel statt EKG ein.

Gut, dass es da noch Dr. Laura Seifert (Susan Hoecke) gibt. Die intelligente und ehrgeizige Oberärztin ist ebenfalls eine erstklassige Chirurgin und Alex‘ Chefin. Der Haken: Mit ihr hatte Alex vor 15 Jahren eine heiße Affäre – diese Konstellation birgt jede Menge Zündstoff. Durch seinen Entschluss, der Bundeswehr nach 17 Jahren den Rücken zu kehren und im Hubertus Krankenhaus anzufangen, setzt Alex alles auf eine Karte.

Die erste Folge startet mit Alex' Rückkehr aus einem Auslandseinsatz der Bundeswehr. Ein Mann wie aus einer Cola-Light-Werbung zieht sich die coole Fliegerbrille ab. Kurz darauf lässt er einen Patienten per Bundeswehr-Hubschrauber ins Krankenhaus bringen. Die ersten Minuten wird also richtig dick aufgetragen, das damit verbundene Hauptziel, nämlich Interesse zu wecken, aber spielend erreicht. Und ganz so spektakulär geht es ab da auch glücklicherweise nicht mehr zu. Trotzdem wird bei der Einführung des Protagonisten keine Gelegenheit ausgelassen, zu zeigen, dass es sich hier um einen Typen handelt, der stets unkonventionell seinen eigenen Weg geht. Diese Erkenntnis bekommt der Zuschauer also regelrecht eingebläut.

Allerdings stört da etwas an der Hauptfigur: Es fehlen die Ecken und Kanten. Paradoxerweise, schließlich wird der Charakter als streitbar beschrieben. So wird Alex zwar als selbstverliebt gezeichnet, allerdings wirkt er selbst bei Sprüchen, die vor Arroganz nur so strotzen, noch charmant. Er ist das klassische Alphatier, „Ein echter Kerl“, gleichzeitig jedoch immer um seine Mitmenschen besorgt, einfühlsam und charismatisch. Unsympathisch ist die Figur, mit Leben gefüllt von Jan Hartmann, somit allenfalls auf der Metaebene, da sie einfach zu perfekt scheint. Im Gegensatz zu anderen vermeintlich streitbaren Charakteren bekannter Arztserien fehlt die Angriffsfläche, der wunde Punkt, das was die Genies menschlich werden lässt. Die angedeutete Unfähigkeit, sich zu binden, reicht da nicht aus. Vielleicht entwickelt sich die Figur dahingehend aber im Laufe der Serie noch. Fachlich ist Alex sowieso über jeden Zweifel erhaben. Hexenschüsse kuriert er im Vorbeigehen, überall erntet er Anerkennung für seine Fähigkeiten.

Die Vermutung liegt also nahe, dass der Doktor nicht nur seinen Arzt-Kollegen in der Serie, sondern aufgrund seiner Präsenz auch den Schauspiel-Kollegen die Show stiehlt. Das ist allerdings nicht der Fall. Susan Hoecke weiß als sympathische Ex-Freundin und Neu-Chefin zu überzeugen und Marc Oliver Schulze weiß sich als Lauras Neuer, Richard, durchaus zu wehren und verbal zurückzuschießen. Das ist durchaus sinnvoll, begegnen sich dadurch doch zwei Kontrahenten auf Augenhöhe. Auch der Nebencast bietet durchaus Potenzial. Vor allem die schüchterne Dr. Carolin Diehl (Jytte-Merle Böhrnsen), der Alex als Mentor zur Seite steht, könnte einen interessanten Werdegang nehmen. Ben Blaskovic lässt als Versager-Bruder Tobi Alex noch besser dastehen als ohnehin schon und stellt gewissermaßen die Antithese zum Gewinner-Typ Alex dar.

Dramaturgisch und technisch orientiert sich «Lifelines» stark an den Arztserien aus den USA und wirkt deshalb vertraut. Zwar liegt der Fokus auf dem Zwischenmenschlichen, allerdings ist der übliche Ablauf der Episode bekannt: Patient wird eingeliefert, Komplikationen treten auf, Arzt löst sowohl medizinische als auch menschliche Probleme auf unkonventionelle Weise. Kommt es zu Notsituationen, wird ebenfalls auf Altbewährtes vertraut. Viele Close-Ups zeigen den Stress im OP, es kommen sowohl Zeitlupen, als auch Zeitraffer zum Einsatz, passend zur dramatischen Handlung. Zudem wird die gehetzte Atmosphäre mit treibender Musik untermalt. Der restliche Soundtrack klingt nach dem, was Radiostationen gerne als „Das Beste aus den Charts“ anpreisen, und ist wie so oft Geschmackssache. Allerdings passt der musikalische Mainstream recht gut in die Serie.

In den meist recht gelungenen Dialogen werden auffällig viele Sprüche geklopft. Diese treffen zwar nicht immer ins Schwarze, sind jedoch durchaus unterhaltsam. Trotzdem kommen auch die Drama-Elemente nicht zu kurz. Die Verbindung zwischen Alex und Laura ist zwar spürbar, ob es jedoch reicht, als zentrales Element die Serie zu tragen bleibt noch offen. Die großen Emotionen kommen hingegen vorerst nicht auf. Aber auch hier sollte man der Serie noch etwas Zeit geben.

RTL zeigt «Lifelines» immer dienstags in Doppelfolgen, ab 8. Mai, jeweils um 20.15 Uhr.

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Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
07.05.2018 18:03 Uhr 1
RTL scheint momentan Sitcoms/Comedy's wie am Fließband zu produzieren....nur weg vom Hollywood - Serien Kram....
Kingsdale
07.05.2018 18:11 Uhr 2
Das Problem das deutsche Kopien, von US-Serien, haben ist, das sie sich mit zuvielen Nebensächlickeiten wie z. B. Familienproblemen usw beschäftigen. Es gab da mal einen deutsche Kopie von CSI die sich mehr um private Handlungen beschäftigten als um die eigentlichen Fälle. US-Serien sind da mehr auf den eigentlichen Handlungsstrang bezogen (mal abgesehen von Greys Anatomy vielleicht). Sowas funktioniert nicht und wird bald Langweilig. Da nutzt es auch nichts, wenn man einer deutschen Serie, einen englischen Titel gibt. Ich kann jetzt schon vorher sahen, das es in ein paar wenigen Wochen wieder so aussieht wie immer. Flop. Erste Folge wird man aus Neugier mal schauen und dann gehts bergab. Sorry, aber solche Beispiele gibs schon wie Sand am Meer!
Familie Tschiep
07.05.2018 23:56 Uhr 3
Problem ist, dass die deutschen Serien nicht so stark in Sachen Recherche sind, das sieht man schon, wie gering der Drehbuchanteil an den Produktionskosten ist. Sie übernehmen den Style, aber nicht den Geist.
Sentinel2003
08.05.2018 00:41 Uhr 4
Die deutsche Kopie von CSI auf sat 1?? Die war aber sehr gut!
Kingsdale
08.05.2018 08:46 Uhr 5
Ja, Sentinel, das sah man wie lange sie lief...
Also Bitte, das war fast schon eine Beleidigung!

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