Hingeschaut

«Die Faisal-Kawusi-Show»: Braucht die Welt ein deftige(re)s «LUKE!»?

von   |  1 Kommentar

Nach einem etwas hölzernen Beginn steigerte sich Faisals erste eigene Sat.1-Show mit zunehmendem Aktionsradius deutlich. Er verpasste es aber, sich von seinem Kollegen Luke Mockridge abzuheben - und stellt damit die Existenzberechtigung seines Formats gleich von Beginn an in Frage.

Eines sollte gleich mal vorab betont werden, um es auch angemessen zu würdigen: Dass Sat.1 seit einiger Zeit wieder merklich in seinen Freitagabend investiert und dabei sogar in die Breite geht - heißt: auch nach 22 Uhr oft noch mit neuen Inhalten aufwartet -, kann man als Freund der linearen TV-Unterhaltung nur begrüßen. Insofern ist man geneigt, der «Faisal-Kawusi-Show» schon von vornherein die Daumen zu drücken, denn besser, ambitionierter und den Einschalimpuls stimulierender als die 35. Wiederholung irgendwelcher alter Sketch-Comedys ist dieses Angebot allemal. Und wirklich schlecht machte der zunächst vor allem aus «TV total» sowie Luke-Mockridge-Formaten bekannte, zuletzt aber sowohl in Sat.1 als auch bei der Konkurrenz von RTL zunehmend präsente Komiker mit afghanischen Wurzeln seine Sache auch nicht - vergaß dabei über weite Strecken, seinem Projekt ein eigenständiges und unverwechselbares Profil zu verpassen.

Das könnte schnell zu einem Problem werden, zumal die Rahmenbedingungen schon dazu führen, dass Erinnerungen zu «LUKE!» aufkommen: Beide Formate stammen von Brainpool, beide Comedians sind gewissermaßen die jungen, wilden Aushängeschilder des Unternehmens, das es bekanntlich nach dem Raabschied nicht gerade leicht hatte, sich auf dem Fernsehmarkt weiter zu behaupten, die Kurve aber recht gut bekommen hat. Faisal startet wie einst auch Luke am späteren Freitagabend - wobei Letzterer erst dann wirkliche Erfolge generieren konnte, als er vornehmlich sonntags nach «The Voice» ran durfte. Und die beiden bestücken nun auch noch den Freitagabend gemeinsam, denn zur Primetime startete an diesem Freitag die zweite Staffel von «LUKE! Die Schule und ich».


Vergleich mit Luke: Gemeinsamkeiten überwiegen, Unterschiede eher im Detail


Ganz schön viele Gemeinsamkeiten also, die sicherlich nicht alle bloßer Zufall sind, sondern der Strategie eines möglichst guten Audience Flows folgen dürften: Wer Mockridge kennt und schätzt, bleibt eher auch für Kawusi dran und entgeht vielleicht der Anziehungskraft der «heute-show» eher. Dennoch entbindet das Faisal und die Produzenten nicht von der Verantwortung dafür, der Sendung einen USP zu verpassen, um sie mittelfristig überlebensfähig zu machen. In dieser Hinsicht hat sich zumindest mal die Auftaktfolge allerdings sehr schwer getan und ist strukturell eher den Mustern des Vorbilds gefolgt: Zunächst ein Stand-Up, danach ein paar Einspieler, die den Moderator in aktionsreichen, gerne auch peinlichen Situationen zeigen, wenige Schreibtisch-Elemente und hintenraus ein Studio-Gast (die gut aufgelegte Vanessa Mai), der nicht nur reden, sondern mit Faisal auch auf der Bühne performen soll.

Was die Differenzen zu «LUKE!» angeht, sind diese eher im Detail zu finden: Faisal Kawusi ist im Gegensatz zu seinem Freund und Kupferstecher nun nicht gerade ein begnadeter Musiker, wie er zu Anfang in einem tonal doch eher schwierig anmutenden Rap zum Beat des Klassikers "Jump Around" eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dafür tanzt er eingedenk seiner Statur überraschend gut und dynamisch, weshalb der Fokus deutlich stärker auf dieses Element gerückt wird: In einem Einspieler mit den Chippendales und hintenraus gemeinsam mit Mai in einem ganz netten und unterhaltsamen Studio-Spielchen.

Zudem ist Faisal Kawusi dick - und offensichtlichst gewillt, diese Tatsache auch jedem Zuschauer so lange unter die Nase zu reiben, bis auch der über plumpe Äußerlichkeiten hinwegzusehen Gewillteste bereit ist, ihn auf den lustigen, schwitzenden Dicken zu reduzieren. Das sind die gewöhnlicheren und ermüdenderen Passagen der Show, wenn er zum wiederholten Male mit seinem Schwabbelbauch-Klischee spielen muss. Und er hat ähnlich wie Luke ausländische Wurzeln - doch im Gegensatz zu Luke eben keine westlichen, sondern afghanische, die das Publikum wohl mehrheitlich mit einer gewissen Rückständigkeit attribuiert. Oder mit Terror, Krieg und Flucht, man muss es so klar auf den Punkt bringen. Und hier gelingt Faisal die Emanzipation von seinem Kollegen zumindest im Ansatz auch am besten: Die Idee, Ausschnitte aus dem afghanischen Fernsehen darzubieten, ist schon ganz hübsch, dürfte künftig aber gerne etwas besser aufbereitet werden. Die Straßenumfrage für "Kabul TV" in Berlin-Spandau gelingt schon im ersten Anlauf sehr gut - vor allem in dem Moment, als Kawusi und sein Team auf einen Besorgtbürger treffen, welcher sich über deren bloße Anwesenheit lautstark echauffiert. In diese Richtung gerne weitermachen.


Faisal und Luke - das Joko und Klaas von Sat.1?


Eine weitere Auffälligkeit im Rahmen der Auftaktfolge ist die deutlich nach oben zeigende Formkurve im Verlauf der 45-minütigen Aufzeichnung: Zu Beginn agiert der neue Latenight-Comedian noch einigermaßen hölzern und betet zwar bemüht, aber wenig unterhaltsam vorgefertigte Witzchen vor, die nun wirklich eher humoristische Tiefflieger sind und keinen Drive entfachen. Beispiel neben etlichen Dickenwitzen gefällig? "Normale Menschen haben für ihre Bankgeschäfte eine IBAN, Islamisten eine Taliban". Ja. Besser gelungen sind da schon die Einspielfilmchen, doch so recht in Fahrt kommen Moderator und Studio-Publikum erst mit Mais Auftritt, der übrigens nicht nur einen Talk sowie besagtes Tanz-Spiel umfasst, sondern auch noch ein Tattoo-Quiz. Alles nett und leicht unterhaltend und damit wohl auch das, was die Verantwortlichen des Senders gerne am Freitagabend geliefert bekommen möchten.

Denn in letzter Instanz bieten sowohl Kawusi als auch Mockridge im Rahmen ihrer wöchentlichen Einstünder leichte Mainstream-Comedy-Kost mit Witzen an, die gerne mal etwas fieser ausfallen dürfen, unterm Strich aber nicht allzu sehr anecken sollen. Kawusi ist der etwas Derbere der beiden, vielleicht auch das etwas weniger vielseitige und weniger stark veranlagte Talent, das entsprechend mehr Zeit mit seinen Eigenheiten schinden muss - oder anders gesagt: der Joko neben einem Klaas, der mehr Lachanfälle und Kotzattacken bekommen muss, weil das Portfolio an Fähigkeiten etwas eingeschränkter ist.

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Dennoch ist es insbesondere auch in Ermangelung an charismatischen Sender-Gesichtern durchaus vorstellbar, dass beide Jungspunde dauerhaft ihren Platz im Sat.1-Aufgebot finden werden - wobei es eigentlich seltsam anmutet, dass so junge Männer mit einem so jungen Zielpublikum bei diesem Sender ihre Bühne bekommen, der für Privatsender-Verhältnisse ein vergleichsweise eher älteres Publikum anspricht. Wünschenswert wäre für die Zukunft aber, dass Faisal und Brainpool zumindest ein wenig mehr ins Risiko gehen und weniger ein zweites «Die Woche und ich» hinlegen - so verlockend es auch immer sein mag, sich an bestehenden Erfolgen zu orientieren, die großen und vor allem konsistenten Erfolgsgeschichten schreibt man damit nur selten. Joko und Klaas ist dies zuletzt mit ihren Solo-Formaten ganz gut gelungen, Faisal Kawusi scheint dagegen eher noch in der Selbstfindungsphase zu stecken. Er möge gerne fündig werden.

Sat.1 zeigt insgesamt jeweils sechs Folgen von «LUKE! Die Schule und ich» sowie «Die Faisal-Kawusi-Show» immer freitags um 20:15 Uhr bzw. gegen 22:30 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/100304
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
mike.däppen
14.04.2018 16:59 Uhr 1
Es spielt doch keine Rolle wie ähnlich sich die Show sind. Wie oft kommt den Luke die Woche und ich pro Jahr. 10mal oder so? Und jetzt diese 6x, da sehe ich nund wirklich keine Gefahr der Übersättigung.

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