Die Kritiker: «Die harte Schule der 50er Jahre»

Nach dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei der PISA-Studie, stellten sich immer mehr Eltern die Frage, ob die Schule früher doch besser war. Haben die Schüler früher etwa mehr gelernt, weil es mehr Disziplin und weniger Ablenkung gab? Das ZDF ging diesen Fragen auf die Spur und präsentiert dem Publikum ab Donnerstag ganz im Stil der ARD-Reihen «Schwarzwaldhaus 1902» und «Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus» die neue vierteilige Dokusoap «Die harte Schule der 50er Jahre».

Inhalt
24 Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 und 17 Jahren stellen sich den Pflichten der 50er Jahre und entscheiden sich statt der Schulferien für eine Reise in die Zeit ihrer Großeltern und Eltern. Dabei wird ihnen schnell bewusst, dass das Schülerleben zur damaligen Zeit nicht einfach war: Der Großteil der Teilnehmer scheint bereits zu ahnen, was in den kommenden vier Wochen auf ihn zukommen wird. Auf Handy, MP3 Player und Wimperntusche muss verzichtet werden. Nur einen persönlichen Gegenstand dürfen die Jugendlichen behalten, alle anderen Dinge werden konfisziert - auch wenn es den einen oder anderen Mogelversuch der Schüler gibt.

Schlimm wird es für die Teenager, als sie ihre künftige Schuluniform das erste Mal sehen: Regencape und Feinrippunterhosen sind nicht im Sinne der jungen Frauen. Und auch die Jungs haben mit den Trends der 50er Jahre ihre Probleme: Statt gestylten Haaren müssen sich die Jugendlichen an einen Kurzhaarschnitt gewöhnen. Die Mädchen haben mit ihren Zöpfen zu kämpfen.

Entsetzen macht sich breit, als die erste Erdkunde-Stunde auf dem Plan steht. Schwere Zeiten für selbstbewusste Teenies mit Piercings und trendigen Klamotten, von denen so mancher die Elbe für einen Nebenfluss des Rheins hält, oder Afrika für den größten Kontinent. Und dann auch noch diese Lehrkörper! Sechs Damen und Herren, auch im wahren Leben von Beruf Lehrer, die die 50er Jahre selbst erlebt haben und noch immer zu leben scheinen! Disziplin, Ordnung und Pünktlichkeit haben höchste Priorität, was die Jugendlichen schnell feststellen müssen. Nicht umsonst gelten die 50er Jahre als das letzte Jahrzehnt, in dem an deutschen Schulen noch Zucht und Ordnung herrschten. Ungehorsam und Stören wurden mit harten Strafen geahndet, die Entscheidungen der Lehrer waren ungeschriebene Gesetze.

Kritik
Keine Frage, «Die harte Schule der 50er Jahre» ähnelt den bereits vor einiger Zeit ausgestrahlten Doku-Reihen der ARD, doch die ZDF-Dokusoap hat ihren eigenen Charme. Kurze Rückblicke verdeutlichen immer wieder das Schulleben der 50er Jahre. Der Zuschauer erhält dadurch einen noch größeren Bezug zur damaligen Zeit. Interessant wird die Serie vor allem durch die Tatsache, dass in der 24-köpfigen Schülergruppe alle typischen Charaktere einer durchschnittlichen Schulklasse vertreten sind.

Die Lehrer der „harten Schule“ wirken hingegen unecht. Vor allem zu Beginn zeigt sich immer wieder, dass die „Ordnungshüter“ - trotz ihrer Kenntnis vom Unterricht der 50er – Probleme haben, die Schüler in ihre Schranken zu weisen. Generell wirkt der Umgang zwischen diesen beiden Gruppen für den Zuschauer auf den ersten Blick ungewohnt, was im Nachhinein betrachtet allerdings nur allzu verständlich ist.

Gerade diese Fremde macht «Die harte Schule der 50er Jahre» allerdings wiederum zu einem kleinen Fernseherlebnis, auch wenn man den Eindruck nicht los wird, dass das ZDF mit aller Macht vor allem bei den jungen Zuschauern erfolgreich sein will.

«Die harte Schule der 50er Jahre» - Teil 1 am Donnerstag um 19:25 Uhr im ZDF
17.05.2005 17:53 Uhr  •  Alexander Krei Kurz-URL: qmde.de/9834