«Fear the Walking Dead»: Zombies? Weiterhin Nebensache!

Im September sind auf Amazon Prime die Zombies wieder los, wenn die dritte Staffel von «Fear the Walking Dead» am 11. September direkt nach US-Ausstrahlung fortgeführt wird. Die neuen Folgen schließen dabei nahtlos an das Mid-Season-Finale an.

Der große Hit blieb aus

RTL II zeigte bislang nur die erste Staffel der Serie. Im Frühjahr aber blieb der große Quotenerfolg aus. Selbst zu späterer Sendezeit kamen vereinzelte Folgen nicht über die 5-Prozent-Marke hinaus, wie wir unter anderem hier berichtet haben.
Fast jede Serie, die etwas auf sich hält und bei den Zuschauern beliebt ist, wurde mit einem Spin-Off angereichert- so auch AMCs Quotenerfolg «The Walking Dead». Ob es eine weitere Serie des Universums wirklich gebraucht hätte, steht auf einem anderen Blatt. Fakt ist: 2015 ging mit «Fear the Walking Dead» ein Ableger an den Start, dessen Handlung einige Wochen vor der Mutterserie einsetzt und den Ausbruch des Zombievirus in Los Angeles zeigt. Im Fokus steht dabei eine Patchwork-Familie, bestehend aus der Vertrauenslehrerin Madison Clark, ihrem drogensüchtigen Sohn Nick, Tochter Alica und ihrem neuen Partner Travis, der einen Sohn aus früherer Ehe mit in die Beziehung bringt. Im Gegensatz zur Hauptserie rückt «Fear the Walking Dead» die familiären Probleme vor dem Hintergrund der sich langsam ausbreitenden Zombie-Seuche in den Vordergrund und versucht aufzuzeigen, wie sich die einzelnen Familienmitglieder verändern, um zu überleben. Kürzlich gab es hierzulande die erste Hälfte der dritten Staffel bei Amazon Prime zu sehen, die mit einer Menge Spannung, aktuellen Problemen, wie Wassermangel und Rassismus, interessanten neuen Figuren und einer düsteren Atmosphäre überzeugen konnte und damit die Mutterserie mittlerweile qualitativ überholt hat.

Doch das war nicht immer so. Denn zu Beginn fand die Horrorserie vor allem bei Zuschauern Anklang, die mit «The Walking Dead» bisher eher weniger anfangen konnten. Bei alteingesessenen Fans punktete das Spin-Off hingegen nicht, weshalb diese ihrem Ärger über die langweiligen Plots, die nervigen Figuren und fehlende Zombies in den Sozialen Netzwerken Luft machten. Auch seitens einiger Filmexperten hagelte es Kritik. Der Konsens: auf solch einem schlechten, langweiligen Niveau bewege sich nicht einmal «The Walking Dead», obwohl sich auch hier die lange Laufzeit langsam bemerkbar machen würde. Es fehlte «Fear the Walking Dead» im Verlauf der ersten eineinhalb Staffeln nicht nur an frischen Ideen und Zombies (!), sondern auch an Figuren, denen es gelang, die Sympathien der Zuschauer zu gewinnen. Es herrschte ein Mangel an ausdrucksstarken, charismatischen Figuren, wie man sie in der Mutterserie mit Daryl oder Michonne finden kann, mit denen die Fans wirklich mit fiebern.

Die aktuellen AMC-Shows im Zuschauerranking

  1. «The Walking Dead» (Staffel 7): 11,35 Mio.
  2. «Fear the Walking Dead» (Staffel 3): 2,57 Mio.
  3. «Into the Badlands» (Staffel 2): 1,99 Mio.
  4. «Hell on Wheels» (Staffel 5): 1,70 Mio.
  5. «Better Call Saul» (Staffel 3): 1,64 Mio.
  6. «The Son» (Staffel 1): 1,39 Mio.
  7. «Preacher» (Staffel 2): 1,38 Mio.
Zuschauer ab 2 / Live
Bei «Fear the Walking Dead» überzeugten die Figuren nur mit einem: ihrem Nervfaktor und nicht nachvollziehbaren Entscheidungen. Baustellen, die dem Format sicherlich einige Zuschauer kosteten, denn während den Piloten im Mutterland insgesamt 10,13 Millionen Menschen verfolgten, schalteten zum zweiten Staffelauftakt schon nur noch 6,67 Millionen Interessierte ein. Zum Start der dritten Staffel halbierte sich die Reichweite dann noch einmal auf 3,11 Millionen Zuschauer. Im Moment besteht zwar noch kein Grund zur Sorge, denn trotz stark sinkender Reichweiten ist «Fear the Walking Dead» weiterhin ein absoluter Erfolg für AMC - und durfte sich deshalb schon frühzeitig über eine Verlängerung freuen.

«Fear the Walking Dead»: Ein Rückblick auf Staffel 3A:


Und in der aktuellen dritten Staffel scheint es, als habe man sich die Kritik der Fans auch zu Herzen genommen. Schon im Verlauf der zweiten Staffel trennten sich die Produzenten Robert Krikman und Dave Erickson von unpopulären Charakteren und machten auch in der aktuellen Staffel mit einigen Figuren kurzen Prozess. Endlich ist die Bedrohung durch die Zombie-Apokalypse wirklich spürbar, die Handlungen realistisch und spannend und einige neue, facettenreiche und spannende Figuren im Cast, die sich alle in einem Graubereich zwischen Gut und Böse bewegen, wissen zu überzeugen. Mittlerweile sprechen einige Kritiker sogar schon davon, dass die Serie besser als das Original sei. In nur kurzer Zeit ist «Fear the Walking Dead» an «The Walking Dead» vorbei gezogen. Eine Aussage, die ich ebenfalls bestätigen kann, auch wenn ich mit Madison in dieser Staffel weiterhin nicht warm wurde. Madison handelt weiterhin unglaubwürdig und nicht nachvollziehbar. Aber vor allem der aktuelle Bezug durch Themen wie Rassismus und Wassermangel weiß zu überzeugen.

Ebenfalls bei den Fans punkten konnte der Otto-Clan, denn sowohl Jeremiah als auch seine Söhne Troy und Jake überzeugen mit einer interessanten Hintergrundgeschichte, ihrer unklaren Agenda und intensiven Momenten, in denen man fast schon Sympathien für Jeremiah und Troy aufbrachte. Dabei stellt sich Troy Otto schon zu Beginn der dritten Staffel als Soziopath heraus, der seinem Vater in nichts nachsteht. Denn um das Zombie-Virus zu verstehen, schreckt er auch vor menschlichen Experimenten nicht zurück. In seinen Fängen finden sich die Clarks wieder, schaffen es aber die von Troy befähigten Soldaten zu überwältigen und so auf die Ranch der Ottos zu gelangen, wo sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft werden und auf Troys Vater Jeremiah treffen. Dieser hatte das Land und dessen Bewohner auf den bevorstehenden Untergang der Demokratie vorbereitet, weshalb die Bewohner sich komplett selbst versorgen. Anspruch auf das Besitztum der Ottos erheben jedoch auch die indianischen Ureinwohner, denen sich auch Daniels Tochter Ofelia angeschlossen hat, die versuchen die Anwohner mit Gewalt zu vertreiben, nachdem etliche Gerichts- und Friedensverhandlungen gescheitert sind. Bevor der Krieg jedoch eskaliert, ist es Madison, die ihnen den Kopf von Jeremiah Otto liefert, um so einen Krieg zu verhindern.

Strand sucht unterdessen Hilfe bei einem ehemaligen Geschäftspartner namens Dante, der aufgrund der Kontrolle des Wassers auch die Herrschaft über die mexikanische Grenze inne hat und über das Auftauchen seines Freundes nicht begeistert ist. Am Ende ist es Daniel, dessen Überleben dem Zuschauer in einem überraschenden Twist in der vierten Folge der dritten Staffel offenbart wurde, der Strand zur Hilfe eilt. Gemeinsam begeben sie sich zumindest kurzzeitig auf die Suche nach Ofelia, bis Daniel Victor in der Wüste nach einem Streit zurücklässt.

Staffel 3B: Ein vielversprechender Staffelauftakt bei dem die Zombies zur Nebensache werden


Der Auftakt zur zweiten Staffelhälfte schließt nun fast unmittelbar an die Ereignisse des Mid-Season-Finales an. Die ersten zwei Episoden zeigen sich dabei als vielversprechender Auftakt, bei dem der Zuschauer gleich mitten im Geschehen ist, aber auch die Probleme der ersten Hälfte erneut aufgegriffen und vertieft werden. Aber auch neue, spannende Handlungsstränge werden gesät. Das Motto der Staffel lautet jedoch immer noch: „Wer das Wasser hat, hat die Macht“ und das zeigt sich in Folge neun und zehn auf äußerst brutale Weise, denn den Produzenten gelingt es perfekt, die Verzweiflung und Ängste der Menschen einzufangen die unter akutem Wassermangel leiden und bereit sind für das wertvolle Gut alles zu tun. Mit der Ankunft von Walkers Gruppe führen Kirkman und Erikson hingegen den Rassismus-Handlungsstrang fort, womit sie ein sehr aktuelles Thema in den Mittelpunkt der ersten beiden Folgen rückt, die sich zu großen Teilen auf der Ranch der Ottos abspielen.

Den Zuschauern wird ein äußerst fragiler Frieden präsentiert, denn das Zusammenleben der beiden Völker wird nicht nur durch eskalierende Konflikte, sondern auch Ängste und fehlendes Vertrauen auf die Probe gestellt. Wie sich das weitere Zusammenleben in den kommenden Folgen gestaltet, wer wem misstraut oder in den Rücken fällt, dürfte dabei eine äußerst interessante Angelegenheit werden. Zumal sich auch Walker als harter Anführer erweist, bei dem Mitleid fehl am Platz ist. Genauso wie die Ottos und Clarkes ist er bereit alles für sein Volk zu tun – ohne Rücksicht auf Verluste. Das sorgt für eine angespannte Atmosphäre, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. Man spürt, dass es unter der Oberfläche brodelt und an jeder Ecke alte und neue Konflikte lauern – ein Pulverfass das in jeder Minute zu explodieren droht.

Doch auch was die Figuren anbelangt, hat sich einiges getan. Madison Clarke erweist sich zwar immer noch als der nervigste Charakter der Serie, aber zumindest bei Nick und Alicia lässt sich eine Charakterentwicklung erkennen, die mit veränderten Positionen ihrer Figuren auf der Ranch einhergeht. Dies lässt nicht nur ihre Figuren wachsen, sondern gibt Alicia Debnam-Carey und Frank Dillane auch die Möglichkeit, als Darsteller zu glänzen. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch Daniel Sharmans schauspielerische Leistung. Ganz klar ist er es, der die erste Folge der zweiten Staffelhälfte trägt und alle anderen an die Wand spielt. Auch der neue Handlungsstrang rund um Tory Otto dürfte spannend werden, auch wenn Folge zehn die Zuschauer bezüglich seines Schicksals noch im Unklaren lässt. Ein Kniff, den man von den Produzenten schon gewöhnt ist.

Die Auftaktfolgen versprechen aber auch ein kurzes Wiedersehen mit Ruben Blades als Daniel Salazar und Coleman Domingo aka Victor Strand, die zwar nicht den Mittelpunkt der Handlung bilden, aber erneut Darstellungen abliefern, die auf dem Punkt sind. Vor allem Strand hat sich ziemlich schnell zum Liebling der Fans gemausert. Doch bei einem so großen Cast ist klar, dass nicht jede Figur die gleiche Spielzeit erhält und Abstriche gemacht werden müssen - so sind es erneut Daniel und Strand, die diesem Fluch zum Opfer fallen. Zumindest bei letzterem kündigt sich aber mit dem Ende der zehnten Folge Besserung an.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Auftakt vor allem aufgrund seiner zwischenmenschlichen Beziehungen und seinen Bezug auf aktuelle Themen besticht. Die Zombies werden dabei fast zur Nebensache, was aber nicht negativ zu werten ist, da die Handlung trotzdem überzeugt und konstant eine angespannte Atmosphäre herrscht bei der man nur darauf wartet das der nächste Konflikt eskaliert. «Fear the Walking Dead» schließt damit qualitativ an die erste Staffelhälfte an und überzeugt mit klugen und tiefgründigen, teils sogar witzigen Dialogen.

Ab kommendem Montag startet Amazon Prime Video die zweite Staffelhälfte – wenige Stunden nach dem Debüt der Folgen in Amerika bei AMC.
08.09.2017 19:22 Uhr  •  Nicole Schmidt Kurz-URL: qmde.de/95564