Die Kritiker: «Engel unter Wasser - Ein Nordseekrimi»

Große Verwirrung um das Verschwinden eines kleinen Mädchens. «Engel unter Wasser» als düster atmosphärisch aufgebauter Krimi, der nichts für schwache Nerven ist.

Cast & Crew: «Engel unter Wasser»

Darsteller: Anna Maria Mühe, Hanno Koffler, Anna Schudt, Walter Kreye, Maxim Mehmet
Buch: Jörg von Schlebrügge, Roderick Warich
Regie: Michael Schneider
Kamera: Andreas Zickgraf
Produktion: Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG, Köln
Produzenten: Wolfgang Cimera, Bettina Wente
Redaktion: Daniel Blum
Auf der Nordseeinsel Föhr verschwindet ein kleines Mädchen spurlos. Bereits am nächsten Tag wird ihre Leiche entdeckt – und zwar im Bett des Dorftrottels Brandstetter. Dieser gilt bei den Ermittlungen sofort als Hauptverdächtiger und wird umgehend inhaftiert. Aufgrund seiner psychischen Verfassung wollen die beiden Kommissare Mark Lubosch und Walter Steinhilb der Sache jedoch selbst auf den Grund gehen. Brandstetter wird zwar weiterhin verdächtigt, doch nach und nach stoßen die beiden im Laufe ihrer Ermittlungen auf Ungereimtheiten, die den Inhaftierten entlasten könnten.

Währenddessen kehrt Judith, die Tante des toten Mädchens, nach zehn Jahren auf die Insel zurück, um in dieser schweren Zeit ihrer Schwester Sybille zur Hilfe zu eilen, wovon Sybilles Mann Werner gar nicht begeistert ist. Judith trifft auch auf ihre kleine Tochter Laura, die sie nach deren Geburt ihrer Schwester übergab, weil sie selbst keine Kinder wollte. Durch das seltsame Verhalten ihrer Schwester, ihres Schwagers und ihres Vaters merkt Judith das mit ihrer Familie etwas nicht stimmt. Als sie dann auch noch mitbekommt, dass Sybille ihrer verstorbenen Tochter Antidepressiva verabreicht hat, verhärtet sich ihr Verdacht, dass vielleicht ihre eigene Familie etwas mit dem Tod der kleinen Anna zum tun hat. Judith versucht alles daran zu setzen, zu erfahren, wer der wahre Täter ist …

Der Plot zu dem Krimi lässt auf den ersten Blick nicht unbedingt Neues vermuten, jedoch schafft der Film es von Beginn an, Spannung aufzubauen. Der Schauplatz wird sehr düster präsentiert, die Insel Föhr, das Meer, das Familienanwesen: Alles wird sehr einsam dargestellt, nahezu vollkommen verlassen. In Verbindung mit der instrumentalen Untermalung und dem Sprechgesang eines Kindes schafft es der Film eine ganz eigene Atmosphäre aufzubauen, die die Zuschauer neugierig auf mehr macht.

Wie zu Beginn eines jeden Krimis, wird auch hier schnell einmal ein Hauptverdächtiger gefunden, in diesem Fall in Form des Dorftrottels Brandstetter, gespielt von Heiko Pinkowski. Die Überlegung, diesen als Hauptverdächtigen ins Visier zu nehmen, ist storytechnisch zwar bei weitem nichts Neues, wenn jedoch der geistig verwirrte Charakter genauer betrachtet wird, ist er als Täter dessen ungeachtet nicht auszuschließen.



Nach und nach werden die verschiedenen Charaktere der von der Tragödie betroffenen Familie ins Geschehen eingeführt. Zunächst die Rolle der Judith, die ihrer trauernden Schwester Sybille beisteht, deren Mann, der über den Tod der Tochter nicht hinwegzukommen scheint und ein auffällig hohes Grad an Aggressionspotential vorweist, und zu guter Letzt der Vater der Schwestern, der Judith ihr plötzliches Verschwinden vor zehn Jahren noch immer übel zu nehmen scheint.
Durch die teils verstörenden Dialoge, welche durch die psychische Belastung der Charaktere bedingt sind, ist es als Zuschauer schwierig, einen wirklichen Tatverdächtigen ins Auge zu fassen; selbst wenn man den Verdächtigen-Kreis relativ schnell auf ein paar wenige Personen einschränkt. Doch nicht nur der Tod des Mädchens wird in den Vordergrund gerückt, sondern auch die Auswirkungen, die dieser auf die verbliebenen Familienmitglieder hat. Von Anfang an hat der Fernsehsehende das Gefühl, dass da noch einige verborgene Geheimnisse ans Tageslicht kommen werden.

Der Krimi punktet vor allem durch die schauspielerischen Darstellungen der Protagonisten. Hanno Koffler, der die Rolle des Kommissars Mark Lubosch innehat, überzeugt in seiner Rolle von Anfang bis zum Ende. Nicht umsonst werden die darstellerischen Fähigkeiten des charismatischen Jungschauspielers stets positiv aufgenommen, nachdem ihm bereits 2014 sowie im darauffolgenden Jahr eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler zuteilwurde.

Genauso überzeugt Anna Maria Mühe in ihrer Rolle als Judith Bordin, einer anfangs mysteriösen jungen Frau, die aufgrund der tragischen Familienumstände nach zehn Jahren in ihre Heimat zurückkehrt. Welche Geheimnisse die Familie verbirgt, wird erst nach und nach offengelegt. Vor allem als sie am Anfang des Films von ihrer Schwester gebeten wird, ihr ihre Tochter nicht wegzunehmen, weiß man als Zuschauer im ersten Moment gar nicht, was jetzt vor sich geht. Völlig zu Recht gehören beide zu den vielversprechendsten Schauspielern in der deutschen Fernsehlandschaft. Auch der Rest des Schauspielerensembles weiß zu überzeugen, wodurch es der Krimi dann doch schafft, sich von anderen Produktionen ein wenig abzuheben.

Das Ende des Films bleibt im Nachhinein gesehen doch relativ unspektakulär und ein wenig berechnend, der Spannung tut dies aber keinen Abbruch. Bei «Engel unter Wasser. Ein Nordseekrimi» handelt es sich um 90 Minuten Unterhaltung, in denen jeder Krimi-Fan vollends auf seine Kosten kommt.

Das ZDF zeigt «Engel unter Wasser - Ein Nordseekrimi» am Montag, 28. September 2015, um 20:15 Uhr.
27.09.2015 15:30 Uhr  •  Mario Grüninger Kurz-URL: qmde.de/80918