TV-Detektiv Jürgen Trovato: „Uns hat man nicht erfunden, das mögen die Zuschauer“

2014 abgesetzt, jetzt wieder auferstanden: Die Detektiv-Familie Trovato kehrt zu RTL zurück. Warum Jürgen Trovato seinem echten Beruf nicht mehr überall nachgehen kann und wie seine Musikkarriere läuft, verrät er im Interview.

Zur Person: Jürgen Trovato

Familien im Clinch mit Abzocker-Firmen oder Misstrauen zwischen Eheleuten – in zahlreichen Scripted-Reality-Folgen ermittelt die Detektivfamilie bei RTL. Auch ohne Kamera führt der 53-jährige Jürgen Trovato mit seiner Frau Marta und der zweitältesten Tochter Sharon eine Detektei im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach.
Jürgen Trovato, wie wird man eigentlich Detektiv?
Eigentlich wollte ich damals - vor 30 Jahren - zum Bundesgrenzschutz gehen. Hat aber nicht sein sollen... Somit habe ich mich bei einigen Detekteien als Warenhausdetektiv beworben, was auch geklappt hat, und mich 1983 bis 1990 als Detektiv selbständig gemacht. Dann bekam ich das Angebot bei einer Detektei als fester Mitarbeiter zu arbeiten und konnte durch Lehrgänge wie in Holland, Frankreich und Deutschland meine beruflichen Erfahrungen machen. Zuletzt war ich als Personenschützer bei Karl Friedrich Flick 2001 tätig (deutsch-österreichischer Unternehmer und Milliardär, Anm. d. Redaktion). Seit 2002 bis heute bin ich wieder als selbstständiger Detektiv tätig.

Wie ist dann das Fernsehen auf Sie aufmerksam geworden?
Der MDR hat uns im Jahre 2003 angerufen, ob wir zum Thema Blaumacher und Schwarzarbeit Fälle haben. Da wir zu diesem Zeitpunkt genau solche Fälle bearbeitet haben, hat der MDR uns bei den Recherchen und Observationen mit der Kamera begleitet. Nach Ausstrahlung haben sich andere Sender und Produktionsfirmen bei uns gemeldet. Von 2004 bis 2007 hat Sat.1 uns bei vielen Fällen begleitet. Zudem haben uns weitere Sender wie ARD, ZDF, ProSieben, kabel eins, VIVA, RTL, WDR und RTL II bei unserer Arbeit begleitet. 2008 hat die Firma filmpool bei uns angerufen und uns gefragt, ob wir Interesse haben, bei RTL eine Scripted-Reality-Serie zu machen. Seitdem sind wir bei RTL.

2014 wurde zunächst das Ende Ihrer Scripted-Reality-Serie verkündet. Knapp ein Jahr später sind Sie weiterhin on-air – bald sogar wieder mit neuen Folgen. Wie steht es aktuell also um das TV-Format?
Im Juli 2014 hat man uns mitgeteilt, dass das Format abgesetzt wird - trotz guter Quoten. Wir haben das alle nicht so richtig verstanden. Am 15. August 2014 fiel die letzte Klappe der «Trovatos». Anfang März 2015 haben wir durch die Firma filmpool telefonisch erfahren, dass RTL 20 weitere Folgen bestellt hat, die wir mittlerweile bereits abgedreht haben. Ausstrahlung soll ab dem 24. August 2015 sein.

In Mönchengladbach gibt es die «Trovato»-Detektei – auch ohne TV-Team im Hintergrund – bis heute wirklich. Wie muss man sich die (TV-)Arbeit dort vorstellen? Was für Leute wenden sich an Ihre Detektei?
Wir versuchen die Fälle so realistisch wie möglich im TV darzustellen. Die Fälle, die wir im TV bearbeiten, kommen in der Realität ähnlich rüber. Wir werden in der Sendung natürlich nicht alle Tricks bekannt geben... (lacht) Bei uns melden sich grundsätzlich Menschen, die ein Problem haben - angefangen bei ganz normalen Menschen, Rechtsanwälten, aus der Wirtschaft und Industrie.

Als verdeckter Ermittler kann ich nur im Ausland arbeiten, in Deutschland ist es nicht mehr möglich.
TV-Detektiv Jürgen Trovato
Wie halten Sie da die Balance zwischen der TV-Bekanntheit und dem verdeckten Privatermittler?
Als verdeckter Ermittler kann ich nur im Ausland arbeiten, in Deutschland ist es nicht mehr möglich. Tätigkeiten, die ich als Detektiv nicht mehr ausführen kann, werden von anderen Detektiven - die nicht durch das Fernsehen bekannt sind - erledigt. Offene Ermittlungen oder Observationen mache ich selbst. Und da kann die Öffentlichkeit helfen.

Inwieweit sind Sie bei den TV-Drehbüchern beratend tätig bzw. wie viel wird bei den Drehs improvisiert?
Die Autoren rufen uns an, wenn sie nicht weiterkommen, oder besprechen mit uns Szenen, sodass es realistisch wirkt. Am Set selber wird sehr viel improvisiert und es werden Änderungen am Fall vorgenommen.

Neben Ihrer Tätigkeit als Privatermittler – mit und ohne Kamera – sind Sie auch als Schlagersänger aktiv mit Songs wie „Detektive in der Nacht“. Ihrer Rolle des TV-Detektivs bleiben Sie also treu…
Viele unserer Zuschauer bzw. Fans wissen nicht, dass ich seit 30 Jahren auch Musik mache. Bevor ich Detektiv wurde, habe ich eine Ausbildung als Instrumentenmacher gemacht und habe 15 Jahre eine Band gehabt. Jetzt bin ich als Einzelkünstler unterwegs. Mit dem Song „Detektive in der Nacht“ begann meine Musikkarriere wieder.

Das Genre Scripted-Reality hat in Deutschland insgesamt leider nicht den besten Ruf – obwohl häufig gute Einschaltquoten eingefahren werden. Wie erklären Sie sich das?
Ja, ich muss leider zugeben, dass die Genre Scripted-Reality nicht den besten Ruf hat. Bei uns ist es aber etwas anders, denn wir sind real und sind Detektive - sogar der Name ist echt! Also um es kurz zu machen: Uns hat man nicht erfunden und das mögen die Zuschauer. Die Quoten sprechen dafür.

Hatten Sie mal Sorge, dass angesichts der vielen Wiederholungen eine Übersättigung beim Zuschauer eintreten könnte? Immerhin buhlen auch ähnliche Formate mittlerweile um Zuschauer…
Natürlich haben wir Sorge, dass durch die vielen Wiederholungen die Zuschauer uns nicht mehr sehen können oder wollen. Aber das liegt nicht an uns, sondern an RTL. Wir streben darauf, immer wieder neue Folgen zu drehen, aber auch das liegt bei den Gelehrten von RTL. Da haben wir keinen Einfluss darauf.

Vielen Dank für das Interview, Jürgen Trovato.
19.08.2015 11:58 Uhr  •  Benjamin Horbelt Kurz-URL: qmde.de/80133