Die Kritiker: «Christine - Perfekt war gestern»

«Christine» ist eine von drei neuen Serien am RTL-Mädelsabend - und die Adaption einer erfolgreichen US-Sitcom. Kann Diana Amft mit Julia Louis-Dreyfus mithalten?

Hinter den Kulissen

  • Produktion: POLYPHON Film- und Fernsehgesellschaft mbH
  • Regie: Oliver Schmitz und Franziska Meyer Price
  • Drehbuch: Markus Barth und Marco Lucht
  • Kamera: Michael Schreitel und Stefan Unterberger
  • Produzentin: Dr. Beatrice Kramm
Inhalt
Folge 1 – Die neue Christine
Eigentlich hat Christine ihr Leben perfekt im Griff! Sie ist Mitte 30, hat einen süßen Sohn, für den sie alles tun würde, ihren Bruder Mark, der zum Glück nur manchmal nervt, und mit ihrem Ex-Mann Stefan versteht sie sich seit der Scheidung besser denn je. Doch eines Tages gerät Christines wunderbares Arrangement gewaltig aus den Fugen, als sie auf Stefans Neue trifft. Christine ist fassungslos: Die "Neue" ist nicht nur blutjung, zu allem Überfluss heißt sie ebenfalls Christine - was sie selbst dann wohl zur "alten Christine" macht.

Schlagartig sieht sich Christine mit sehr grundlegenden Fragen konfrontiert: Was ist eigentlich mit ihr? Und ihrem eigenen Liebesleben? Wie findet sie einen Mann und will sie überhaupt einen? Christine ist fest entschlossen, diese vielfältigen Herausforderungen anzugehen. Gut, dass ihr Bruder auf eine coole Party geht und sie mitnehmen will - zumindest ist Marks hilfloser Aufmunterungsversuch bei Christine als Einladung angekommen.

Folge 2 – Kleine Abenteuer
Christines Tag fängt nicht gut an, denn die neue Christine macht ihr das zweifelhafte Kompliment, dass sie sie an ihre Mutter erinnere. Als außerdem ihr Ex-Mann Stefan sie daran erinnert, dass sie seit Jahren keinen Sex mehr hatte, reicht es Christine. Christines "altbackene" Vorstellung, dass man, um Sex zu haben, einen Freund bräuchte, lässt Christines Freundin Betty nicht gelten. Wozu gibt es One-Night-Stands? Und nette Männer lernt man schließlich in jedem Supermarkt kennen.

Trotz aller Vorbehalte wagt Christine einen Erkundungsgang in die Single-Welt des modernen Supermarktes. Und auch wenn ein erstes Gespräch über Sellerie beim männlichen Gegenüber nicht zu fruchten scheint, trifft Christine schließlich den etwas tapsigen Werner und landet in dessen Wasserbett. Was Christine nicht ahnt: Der geschiedene Werner hat ein Kind, das die gleiche Schule wie Christines Sohn Tom besucht und dort ist Werner als jämmerlicher Schürzenjäger mit dem vielsagenden Spitznamen "Klammer-Papa" bekannt.

Darsteller
Diana Amft («Doctor's Diary») als Christine Trepper
Janek Rieke («Der Kriminalist») als Stefan
Axel Schreiber («Türkisch für Anfänger») als Mark
Carl Wegelein als Tom Wagner
Anna Julia Kapfelsperger («Unter Uns») als „Neue“ Christine
Brigitte Zeh («Tatort – Ludwigshafen») als Caro von Wiese
Elisabeth Baulitz («Haialarm am Müggelsee») als Franziska Lüttich

Kritik
Das Kritikerecho fiel trotz anfänglich guter Quoten für «The New Adventures of Old Christine» damals eher verhalten aus. Ganz nett für zwischendurch, aber doch eine innovationslose Sitcom, die in ihren Genrekonventionen auf der Stelle trat. Das Einzige, womit das CBS-Format wirklich punkten konnte, war Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus.

Nur: Wer ist das deutsche Pendant dieser amerikanischen Sitcom-Göttin, die zu ihrer «Seinfeld»-Zeit einen Teil dazu beigetragen hat, das Genre in neue Höhen zu schrauben?

Bei RTL beantwortete man diese Frage mit Diana Amft. Mutig. Aber was will man machen, wenn man für einen Markt produzieren muss, der kein eigenes «Seinfeld» hat, sondern bestenfalls ein «Doctor's Diary». Von daher: Es hätte deutlich schlimmer kommen können.

Nur wirkt bei Amft alles so furchtbar bemüht, ihr fehlt die Leichtfüßigkeit, mit der Louis-Dreyfus ihre Christine kitsch- und klamauklos durch 88 Folgen manövrieren konnte. Amft wirkt schlicht zu übereifrig, zu ausladend in ihrem Gestus, zu schrullig-mädchenhaft. Zu Gretchen Hase mag das noch gepasst haben – zur allein erziehenden Mutter Christine eher weniger.

Leider muss man zu dem Schluss kommen, dass die Macher der deutschen Adaption das amerikanische Original wohl nicht vollends verstanden haben: Man nimmt seine dramaturgische Grundsituation und versucht, ähnlich gelagerte Figuren zu entwerfen, aber verliert dabei den Charme des US-Vorbilds vollkommen, weil man alles überdreht, alles auf albern, klamaukig und klischeehaft-frauenaffin trimmt und eine zu große Angst vor jeglicher Subtilität hat. Stattdessen donnert man dem Zuschauer die Gags so penetrant um die Ohren, dass diesem bald der Kopf schwirrt. Comedy wird hier mit Clownerei gleichgesetzt.

Von der erzählerischen Leichtigkeit und den manchmal etwas angestaubten, aber immer nahbaren Albernheiten von «New Adventures of the Old Christine» bleibt bei der deutschen «Christine» kaum etwas übrig. Aus einer netten, wenn auch nicht weltbewegenden Sitcom wird ein Stoff über Frauen, die sich krampfhaft ihr chaotisches Leben schön reden. Mit „Perfekt war gestern“ könnte man den Untertitel kaum besser getroffen haben – nur leider in einem Sinn, der so sicher nicht beabsichtigt war.

RTL zeigt acht Folgen von «Christine - Perfekt war gestern» ab Donnerstag, den 22. August um 21.15 Uhr.
20.08.2013 12:00 Uhr  •  Julian Miller  •  Quelle: Inhalt: RTL Kurz-URL: qmde.de/65610