Die Kritiker: «München 7»

Am Mittwoch startet Das Erste die zweite Staffel der Kriminalserie – übrigens gleich mit einer Doppelfolge.

Inhalt
Folge 9 – Frauenlos
Die vergangene Nachtschicht hat das Leben der beiden Streifenpolizisten Xaver Bartl und Felix Kandler gehörig auf den Kopf gestellt. Felix ist bei Sandra ausgezogen und wohnt nun bei Xaver im Hotel am Markt. Auch bei Xaver läuft es in Liebesdingen alles andere als rund. Deshalb hat er es am Morgen sehr eilig, zu Elfi auf den Viktualienmarkt zu kommen. Doch statt Elfi und einem frischen Kaffee findet er eine Vertretung an ihrem Stand, die ihm nicht sagen kann, wo Elfi ist. Währenddessen macht Moni auf dem Viktualienmarkt einen sonderbaren Fund. Im Müllhaus hört sie aus einer der Tonnen schwaches Hundegebell. Scheinbar hat dort jemand seinen Hund entsorgt. Mit der Hilfe von Elfis Vertretung beginnt sie den verzweifelten Versuch, ihn zu befreien. Einsatz für Xaver und Felix: Eine Fahrkartenkontrolle in einem Linienbus ist aus dem Ruder gelaufen. Einer der Kontrolleure hat den gesamten Bus festgesetzt, weil ihm sein Geldbeutel geklaut wurde. Erst nach einigem Hin und Her lässt er Xaver und Felix in den Bus.

Folge 10 – Einfach anders
Nach einigen Wochen trifft auf dem Viktualienmarkt endlich die erste langersehnte Nachricht von der verschollenen Elfi ein. Xaver weiß im ersten Moment gar nicht, was er davon halten soll und ist froh, dass er wegen eines Pärchens, das auf dem Ida-Schumacher-Brunnen herumturnt, um lustige Urlaubsvideos zu machen, flüchten kann.Kurz darauf wird auch sein Kollege Felix zum ersten Mal mit seiner gescheiterten Beziehung konfrontiert. Auf dem Weg ins Revier hält Sandra ihn und Xaver auf, weil sie ihren Wohnungsschlüssel vergessen hat und bittet Felix ohne ein weiteres Wort um seinen. Felix, der insgeheim gehofft hat, dass Sandra sich mit ihm aussprechen will, ist enttäuscht und debattiert mit Xaver über ihre frauenlose Situation. Auf dem Revier geht es derweil hoch her: Die Kellnerin Gaby wird von ihrem Chef wegen Betrug und Körperverletzung angezeigt. Nach einer Preiserhöhung hatte der Wirt bemerkt, dass Gaby immer noch die alten Preise berechnete. Als er sie zur Rede stellen wollte, kam es zu Handgreiflichkeiten. Gaby selbst streitet alles ab und gibt kleinlaut zu Protokoll, dass sie Analphabetin ist und noch keine Zeit hatte, die komplett erneuerte Speisekarte auswendig zu lernen. Die Beamten und ihr Chef sind vollkommen verblüfft. Das junge Paar, das Xaver vom Ida-Schumacher-Brunnen geholt hat, erkundet währenddessen weiter München und wird in der Nähe des Hofgartens Zeuge eines Autoeinbruchs.

Folge 11 – Zimmer frei
In der Münchner Innenstadt treiben Geldfälscher ihr Unwesen. Zwar ist die Kripo der Bande bereits auf der Spur, doch Ermittlerin Sandra Holzapfel kann trotzdem nicht verhindern, dass Irmi Bartl ein falscher 500-Euro-Schein untergeschoben wird. Auf dem Viktualienmarkt sehen Xaver und Felix bei ihrer allmorgendlichen Runde, dass Elfi ihren Stand weitervermieten will. Xaver ist alarmiert: Will Elfi etwa nicht zurückkommen? Als er mit Felix in Richtung Revier geht, taucht aus einer Seitengasse der Geldfälscher Sandor Malek auf und pirscht sich an Moni ran. Er hat ein Faible für hübsche Blondinen und flirtet so lange mit ihr, bis sie einwilligt, mit ihm abends essen zu gehen. Vor dem Revier bahnt sich währenddessen großer Ärger an: Bauleiter Venediger Sepp parkt zwei mit Gerüstteilen beladene LKW mitsamt Hänger im Halteverbot. Die strenge Politesse Gerlinde, die von allen nur die „Grausame Gerlinde" genannt wird, ist auf 180; es entbrennt ein lautstarkes Wortgefecht. Xaver und Felix versuchen vergebens zu schlichten.

Folge 12 – Magic
Einen Tag ist die Reviermannschaft des 7. Münchner Reviers freigestellt, um die neue Wache zu beziehen und die Umzugskisten zu verstauen. Deshalb weisen die Kollegen Kneidl und Müller eine Passantin, die nach dem Kollegen Xaver fragt, auch kurzerhand ab, denn sie wollen in aller Ruhe auspacken. Während die Chefin Thekla Eichenseer noch einige Dinge regeln muss, hat Hans Kneidl für diesen Tag die Leitung im Revier - sehr zum Leidwesen seiner Kollegen. Auf dem Viktualienmarkt kommt es währenddessen mal wieder zum Streit zwischen Moni und Elfi. Moni ist natürlich nicht entgangen, dass Xaver für Elfi sein Lebenscredo „Niemals heiraten" aufgeben wollte. Elfi reicht es endgültig. Auch wenn Moni beteuert, dass sie kein Interesse an Xaver habe, will Elfi nun einen endgültigen Beweis.

Darsteller
Andreas Giebel («Die Komiker») als Xaver Bartl
Florian Karlheim («Obendrüber da schneit es») als Felix Kandler
Monika Gruber («Leute, Leute») als Moni Riemerschmidt
Julia Koschitz («Doctor's Diary») als Sandra Holzapfel
Dorothee Hartinger («Der Kaiser von Schexing») als Irmi Bartl
Jockel Tschiersch («Heiter bis tödlich – Fuchs und Gans») als Dago Schindler
Christine Neubauer («Moppel-Ich») als Elfi Pollinger

Kritik
«München 7» ist eine der besseren «Heiter bis tödlich»-Serien: Nie so ganz ernst gemeint, in Teilen vielleicht etwas langweilig, aber aufgrund einer oft durchaus lustigen Figurenführung ganz nett.

Anders als in manch anderem Format der Schmunzelkrimi-Dachmarke, in der über die Staffeln hinweg ganze Landstriche ausgerottet werden, wird in den ersten vier neuen Folgen von «München 7» überhaupt nicht gemordet. Inmitten all der oft etwas unrealistisch anmutenden Leichenfledderei sicherlich ein guter Kontrast. Schöpfer Franz Xaver Bogner betont, mit «München 7» eine Polizisten-Serie und keine Polizeiserie geschaffen zu haben – und so geht es primär auch um all die kleinen, manchmal ganz amüsanten Konflikte auf dem Revier in der bayerischen Landeshauptstadt und allerhand Kuriositäten aus dem Polizeialltag.

Natürlich ist auch hier sehr vieles unrealistisch: Etwa wenn das Bartl-und-Kandler-Duo eigenmächtig eine Geiselnahme auflöst oder eine Massenfreiheitsberaubung duldet. Doch da sich die Serie ohnehin nicht allzu ernst nimmt und die Figuren stimmig entworfen sind, fällt das nicht so sehr ins Gewicht wie bei anderen Krimi-Formaten.

Das Hauptaugenmerk liegt konzeptuell auf dem Humor und jeder Menge Lokalkolorit. Bogner entwarf für «München 7», getreu seiner jahrzehntelangen Erfahrung mit ähnlichen Projekten, wieder einmal urbayerische Originale, die er – zwar stereotypisiert, aber doch realistisch – liebevoll allerhand Alltagskonflikte durchleben lässt. Tiefsinnige Unterhaltung mag anders aussehen und sicher ist «München 7» auch eher etwas fürs bayerische Herz als fürs Hirn. Man hat ähnliche Konzepte aber schon deutlich schlechter und sinnentleerter gesehen.

Problematisch wird es erst, wenn das Stereotype überhand nimmt, etwa in der vierten Folge der neuen Staffel mit dem Titel „Magic“, in der der australische Austauschpolizist Bob viel zu viele Merkmale des „Magical Negro“, bzw. des „edlen Wilden“ trägt, was einem leider sehr negativ aufstößt. Bobs Close-Ups werden mit Didgeridoo-Klängen unterlegt, seine angebliche Naturverbundenheit, wenn sie auch stellenweise ganz nett gebrochen wird, wirkt viel zu überstilisiert. In diesem Punkt marschiert man, auch wenn es von den Machern bestimmt nicht so beabsichtigt war, auf die Grenzen des Rassismus zu. Es fehlt schlicht am nötigen kulturellen Fingerspitzengefühl, da die Vorurteile dieser etwas verdatterten Münchener Polizisten nicht eindeutig genug demontiert und durch die unglückliche Inszenierung in Teilen sogar verdeutlicht werden.

Im Mikrokosmos der heilen Welt aus Bier, Bayern und Blasmusik ist das ein unangenehmer Schönheitsfehler, der einen aus der leichtfüßigen und relevanzlosen Unterhaltung reißt. Ansonsten funktioniert das Format nämlich trotz (oder gerade wegen) all der klamaukhaften Überzeichnungen überraschend nett. Natürlich auch Dank der darstellerischen Glücksgriffe mit Andreas Giebl und Monika Gruber sowie einer Christine Neubauer, die in einer komödiantischen Rolle mit ihrem unglaubwürdigen und überzogenen Duktus wesentlich weniger Schaden anrichtet als in ihren Versuchen, Dramen zu spielen.

Das Erste zeigt «München 7» immer mittwochs um 18.50 Uhr. In dieser Woche, zum Start der Staffel, gibt es ab 17.55 Uhr sogar eine Doppelfolge.
12.02.2013 10:30 Uhr  •  Julian Miller  •  Quelle: Inhalt: ARD Kurz-URL: qmde.de/62031