Die Kritiker: «Akte Golgatha»

Story
Ein Ausgrabungsteam entdeckt in einer Höhle in Israel ein Jahrtausend altes Geheimnis, das so groß ist, dass es sich zu einer tödlichen Gefahr für seine Entdecker entwickeln wird: Die sterblichen Überreste von Jesus Christus. Schlesinger, ein renommierter Archäologe, der den unglaublichen Fund gemacht hat, wird Opfer eines Anschlags, den ein fundamentalistischer Orden verübt hat. Auch seine Mitarbeiter sind dem Tod geweiht. Doch tatsächlich stirbt der ehrgeizige Wissenschaftler erst Wochen später bei einer misslungenen Lebertransplantation in München. Zurück bleibt seine Tochter Felicia, eine Bestsellerautorin, die erst widerwillig, dann voller Ehrgeiz nach den Gründen für den rätselhaften Tod ihres Vaters forscht. Ihr zu Seite steht nicht ganz freiwillig Dr. Gropius.

Der Chirurg, der ihrem Vater die vergiftete Leber transplantiert hat und nun unter dem Verdacht steht, durch einen „Kunstfehler“ den Archäologen umgebracht zu haben, reist mit ihr durch etliche Länder, immer den Spuren nach, die Schlesinger einst hinterlassen hat, wohl wissend, dass seine Tochter sie aufspüren wird. Für das ungleiche Paar beginnt eine mörderische Jagd nach der Wahrheit, denn die Mörder von Felicia Vater sind bereits hinter ihnen her. Es sind ebenfalls Geistliche, die den unglaublichen Fund des Wissenschaftlers lieber geheim halten wollen, weil er sonst das Christentum in seinen Grundfesten erschüttern würde und die Religion aus ihren Fugen geraten würde. Auch sie suchen also verzweifelt nach der Akte „Golgatha“, die nach dem Anschlag spurlos verschwunden scheint. In dem Glauben, dass Felicia sie ihnen ausliefern kann, lassen sie ihr und Dr. Gropius keine Ruhe und verfolgen sie bei ihrer abenteuerlichen Odyssee.

Darsteller
Katharina Schüttler («Schurkenstück») ist Felicia Schlesinger
Marco Girnth («London, Liebe, Taubenschlag») ist Dr. Gregor Gropius
Gerd Silberbauer («SOKO 5113») ist Schlesinger
Nina Hartmann («Ihr Auftrag, Peter Castell») ist Sheba Yadin
Stephan Grossmann («Weissensee») ist Kommissar Ingram
Rolf Kanies («Auftrag in Afrika») ist Bischof Calvi
Richard Sammel («Interpol») ist Cossiga
Godehard Giese («Meine Familie bringt mich um») ist Elia
Neil Malik Abdullah («Notruf Hafenkante») ist Nabot
Helmfried von Lüttichau («Der letzte Bulle») ist Pater Markus

Kritik
Eine Romanverfilmung ist stets eine Herausforderung. Mit »Akte Golgatha» hat sich Regisseur Zoltan Spirandelli eine besonders schwere Kost zur Brust genommen. Eine hohe Hausnummer zugleich, denn als Vorlage für den Event-Film bei RTL diente der gleichnamige Bestseller von Phillip Vandenberg. Der bekannte Schriftsteller hat seine Werke weltweit rund 21 Millionen Mal verkauft, seine Bücher wurden mittlerweile in 33 Sprachen übersetzt. Keine leichte Aufgabe also seinen Roman artgerecht zu inszenieren. Denn mit 90 Minuten Spielzeit ist der Movie um den mysteriösen Tod eines Bibelarchäologen auch noch im Vergleich zu anderen erfolgreichen Romanverfilmungen eher knapp bemessen. Noch schwieriger macht es die komplexe Geschichte, die auch noch biblische Hintergründe hat.

Um es einmal vorweg zu nehmen: Aufgrund dieser Mammutaufgabe ist der RTL-Event-Movie «Akte Golgatha» doch ansehnlich geworden – allerdings ist dieser Umstand vor allem der brillanten Schauspielerin Katharina Schüttler in der Hauptrolle zu verdanken. Denn sie rettet einen Film, der ohne sie es der mysteriösen Akte „Golgatha“ lieber gleich getan hätte und verschollen geblieben wäre. Die aufgeweckte Darstellerin schaffte es, dass man dem Film letztlich doch noch einiges abgewinnen kann. Ihr Charakter der Felicia Schlesinger ist eine schlagfertige Frau, die ihre Ziele verfolgt und sich bei dem abenteuerlichen Unterfangen, die ominöse Akte „Golgatha“ zu finden, durch nichts aufhalten lässt. Das ist erfrischend und trägt an vielen Stellen dazu bei, dass man sich als Zuschauer gut unterhalten fühlt. Katharina Schüttler schafft es mit ihrer Figur den Spagat zwischen Humor und Romanze zu machen und hält das Publikum so auf Trab.

Die eher actionreichen Szenen mit der grazilen Schauspielerin sind zwar teilweise etwas ungewollt komisch, doch mit zunehmender Spieldauer des Films gewöhnt man sich auch daran. Somit meistert Schüttler auch diese Disziplin und lässt ihre Rolle immer mehr aufleben. Die Rolle der Felicia, die in immer unkontrollierbarere Geschehnisse hineinschlittert, passt perfekt zu der Schauspielerin. Den größten Pluspunkt gibt es aber für die packenden Dialoge zwischen ihrer Figur und dem unfreiwilligen Begleiter Dr. Gropius. Den spielt Marco Grinth, der neben der kecken Hauptdarstellerin aber eher blass bleibt. Doch das ist er nicht der Einzige. Denn auch das Drehbuch Conny Lens offenbart bei genauerem Hinsehen arge Schwächen. So bleibt die Geschichte oftmals im Mittelmaß stecken, weil sie zunehmend zu einer einzigen Hetzjagd durch Länder wie Italien oder Israel verkommt.

Der biblische Hintergrund gepaart mit dem wissenschaftlichen Fund wird nur beiläufig behandelt, wo man hier auch inhaltlich eine aussagekräftige Botschaft hätte formulieren können. Das wird versäumt. So stellt man den fundamentalistischen Orden allein als den bösen Gegenpart zu den stets vor ihm flüchtenden Protagonisten hin, vergisst dabei aber logische Verknüpfungen zu ziehen. Zwar sind die Schauplätze des Eventsfilms als Drehorte wunderbar, doch tröstet das bei der Inszenierung von Regisseur Zoltan Spirandelli nicht über den trägen Erzählstil hinweg. Zu einfach gestrickt ist die Handlung in «Akte Golgatha», das können auch die internationalen Schauplätze nicht wettmachen. Auch fehlt vollkommen das Aufgebot an Star-Schauspieler wie in Event-Filmen nicht unüblich. Denn außer Katharina Schüttler sticht keiner der Darsteller mit einer Glanzleistung hervor, sondern bleibt auch im Mittelmaß. Das passt gänzlich ins Bild, das der Film auch inhaltlich abgibt.

Da man zwar mit religiösen Mythen spielt, aber dem Zuschauer in diesen Belangen nur Rätsel aufgibt, die in dieser Form weder geistreich noch verblüffend sind, bleibt auch der ganze Film mittelmäßig. Vielleicht war die Spielzeit von nur 90 Minuten dann doch etwas zu knapp, um die ganze Komplexität der Thematik unterzubringen. Die elementaren und interessanten Details hat man leider weggelassen. Auch sind die vielen Ortswechsel für den Handlungsfluss nicht gerade förderlich, auch wenn man dadurch schöne Plätzchen der Erde kennenlernt. Da einiges an Potenzial verschenkt wurde, kann auch die gute Katharina Schüttler letztlich den Film nur bedingt retten. Immerhin macht sie den Film noch halbwegs unterhaltsam, zumindest solange bis man wieder über Widersprüchlichkeiten in der Erzählung stolpert.

RTL zeigte den Event-Film «Akte Golgatha» am Sonntag, den 7. November 2010 um 20.15 Uhr.
06.11.2010 10:31 Uhr  •  Jürgen Kirsch Kurz-URL: qmde.de/45647