Zehn Serien, die im ProSieben-Archiv schmoren

Wenn ProSieben eine Serie ankündigt, dann wird diese auch auf Sendung gehen. Doch wenn das Format die Erwartungen nicht erfüllt, landet es im Keller. Eine zweite Chance gibt es kaum.

Seit über zwanzig Jahren ist ProSieben schon auf Sendung, seither fanden viele Serien Platz im Programm. Doch nur wenige Serien wurden bislang komplett in der Primetime ausgestrahlt, zu den wenigen Formaten gehören beispielsweise «Akte X» und «Der Sentinel – Im Auge des Jägers». Oftmals laufen Serien schwach und werden vom Schirm genommen, doch stets beteuert die rote Sieben, dass die Formate ins Fernsehen zurückkommen. Hier sind zehn Serien, die immer noch auf eine Ausstrahlung warten.

«Die himmlische Joan – Joan of Arcadia»
Im Fernsehjahr 2003/2004 produzierte Sony Pictures für das US-Network CBS die Familienserie «Die himmlische Joan», die nach einem erfolgreichen ersten Jahr allerdings quotenmäßig einstürzte. Insgesamt wurden nur zwei Staffeln in Auftrag gegeben, ProSieben zeigte die ersten 23 Folgen zwischen Oktober 2004 und März 2005 samstags gegen 15.00 Uhr. Mit 9,2 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe war das Format kein Hit, doch man kündigte lange Zeit die zweite Staffel an. Daraus wurde allerdings in den vergangenen vier Jahren nichts und wird wohl auch nie wieder etwas werden.

«Empire»
Die amerikanische Miniserie «Empire» sollte im Februar und März 2006 den ProSieben-Montagabend bereichern, aber nach miesen Einschaltquoten zog man den Stecker. Die Chefetage kündigte zwar an, den historischen Stoff als Eventprogrammierung auszustrahlen, doch auch hiervon sind nichts als Versprechen übrig geblieben. Kein Wunder, dass die Zuschauer Fernsehserien immer skeptischer wahrnehmen.

«Brothers & Sisters»
In vielen Ländern funktioniert die Familienserie «Brothers & Sisters» sehr gut, selbst im schweizerischen Fernsehen wurden schon die ersten zwei Staffeln gezeigt. Obwohl das Format mit Oscar-Preisträgerin Sally Field und Calista Flockart hochkarätig besetzt ist, wurden die deutschen Zuschauer mit der Großfamilie Walker nicht warm. Nach einer halben Staffel sollte Sat.1 mit der Serie auf Quotenfang gehen, doch dort weiß man bis heute nichts. Ehe man sich bei ProSiebenSat.1 über die Rechte im Klaren ist, wird noch viel Wasser der Donau entlang fließen und «Brothers & Sisters» im Keller Staub ansetzen.

«4400 – Die Rückkehrer»
Bei der Mystery-Serie «The 4400» war ProSieben zeitweise von allen guten Geistern verlassen. Die ersten zwei Staffeln wurden parallel zur Fußball Weltmeisterschaft 2006 aufgeführt, rund neun Monate später sollte die mäßig-erfolgreiche Sendung in den Wintermonaten Top-Werte holen. Dass dieser Plan scheiterte, ist nicht nur Akademikern klar. Jedenfalls erbarmte sich ProSieben, der Serie eine zweite Chance zu geben und begann mit der Wiederholung der bisher aufgeführten Folgen am Sonntagnachmittag. Tapfer hielt man durch, erst nach 24 Wochen – und drei Free-TV-Premieren – zog Thilo Proff den Stecker. Ach ja: Die dritte Staffel wurde in der Nacht zum Dienstag fertig ausgestrahlt, die vierte und letzte Staffel hat – wie üblich – keinen Sendetermin.

«Jericho – Der Anschlag»
Das CBS-Spektakel «Jericho» sollte die Sommermonate 2007 versüßen. Zunächst war die gesamte erste Staffel geplant, dann rückte der damalige ProSieben-Chef Andreas Bartl von diesem Plan ab. Stattdessen unterbrach man die Ausstrahlung und setzte für 2008 eine Fortführung mit der finalen Staffel an. Doch wie es der genervte Zuschauer von ProSieben gewohnt ist, werden Versprechen nur selten eingelöst. Wie es in der fiktiven amerikanischen Stadt weitergeht und ob wirklich ein Atomkrieg in den USA stattgefunden hat, werden die Zuschauer wohl auch in den kommenden Monaten nicht erfahren.

Auf der kommenden Seite sind weitere fünf Serien aufgelistet, die das Tageslicht wohl nie wieder sehen.

Wenn ProSieben eine Serie ankündigt, dann wird diese auch auf Sendung gehen. Doch wenn das Format die Erwartungen nicht erfüllt, landet es im Keller. Eine zweite Chance gibt es kaum.

«One Tree Hill»
Die Teenagerserie «One Tree Hill» ist ein indirekter Nachfolger von «Dawson’s Creek», denn das Format wird ebenso in der Kleinstadt Wilmington aufgezeichnet. Obwohl TheWB und The CW schon mehr als sechs Staffeln in Auftrag gaben, scheiterte ProSieben an den ersten 30 Folgen. Für den Misserfolg wurden viele Ausreden benutzt: Mal seien die Folgen zu blass, dann ist das Thema Basketball nicht für die deutsche Fernsehlandschaft tauglich und dann habe sie nicht den Nerv der Zuschauer getroffen. Dass «Emergency Room» und «House» für den Zuschauer ebenso verwirrend sind, weil die Meisten den Inhalt nicht verstehen, wird außen vor gelassen. Dabei waren die drei Sendeplätze der Serie keineswegs gut gewählt. Zunächst im Winter 2007 am Sonntagmorgen, ehe das Format werktags erst um 10.10 und dann um 06.50 Uhr gezeigt wurde. Wie dem auch sei: ProSieben gab «One Tree Hill» auf keinem Timeslot eine langristige Chance. Nächster Ausstrahlungstermin: Nie.

«Ugly Betty»
Sat.1 wollte mit der US-Dramedy «Ugly Betty» dem Erfolg von «Verliebt in Berlin» nacheifern und scheiterte so kläglich, dass eine dritte Folge erst gar nicht gezeigt wurde. Dabei machte der Sender zwei klitzekleine Fejöer: Man produzierte lediglich einen Spot und zeigte ihn auf allen TV-Stationen der ProSiebenSat.1 Media AG bis zum Erbrechen. Darüberhinaus wurden die Zuschauer mit dem farblosen Titel «Alles Betty» nicht warm. Für Fans der Serie bleibt zu hoffen, dass die Deutsche Post die Bänder nicht beim Transport verloren hat. Ansonsten dürfte «Ugly Betty» ebenso in einem dunklen Keller lagern.

«Less than Perfect»
Schon mal etwas von «Less than Perfect», Pardon «Office Girl», gehört? Die schräge ABC-Sitcom fand zusammen mit «My Wife and Kids» ins deutsche Fernsehen. Nachdem die erste Staffel ihre Premiere zwischen November 2003 und Mai 2004 feierte, wurde es sehr still um die Serie. In der Branche munkelt man schon, dass man bei ProSieben schon gar nicht mehr wisse, dass man die Rechte habe. Immerhin ist seit fünf Jahren kein Wort darüber verloren worden, dabei umfasst die Sitcom vier Staffeln mit 81 Folgen – und lustiger als «Der kleine Mann» die Serie mit Eric Roberts auf jeden Fall.

«Kyle XY»
ProSieben ist schon ein ganz besonderer Sender: Man besitzt fast alle wichtigen amerikanischen US-Serien, doch selbst mit einem riesigen Archiv werden die meisten Sendeplätze mit Eigenproduktionen bestritten. Die ABC Family-Serie «Kyle XY» überzeugte nur bedingt in den Vereinigten Staaten, dennoch waren eineinhalb Staffeln auch in Deutschland zu sehen. Nachdem sich die Verantwortlichen das Desaster lange Zeit angesehen haben, wurde die Serie schließlich im Herbst 2008 aus dem Programm genommen. Irgendwann soll die Serie wieder zurückkommen, die Frage ist nur wann.

«Samantha Who?»
Mit der halbstündigen Sitcom «Samantha Who?» hat ProSieben fast alles richtig gemacht, dennoch scheiterte die Serie im Herbst 2008. Zum größten Teil liegt das an den wenigen lustigen Szenen, die die Serie aufweist. Das Lachen ist nicht etwa den Zuschauern, sondern den Programmplanern vergangen. Dennoch ist ProSieben den Fans noch eine Staffel schuldig, die doch irgendwann – und sei es am Sonntagmorgen – ausgestrahlt werden kann.
24.06.2009 08:56 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/35721