«Devils» – ein aufreibender Nervenkrieg um Macht, Geld und Einfluss im Bankengeschäft

Das neue Sky Original «Devils» punktet mit einem spannenden Plot, tollen Schauspielern und einer ansehnlichen technischen Umsetzung.

Cast & Crew

  • Darsteller: Alessandro Borghi, Patrick Dempsey, Kasia Smutniak, Lars Ditmann Mikkelsen, Laia Costa, Malachi Kirby, Paul Chowdhry, Pia Mechler, Harry Michell.
  • Regie: Nick Hurran, Jan Michelini
  • Drehbuch: Guido Maria Brera
  • Kamera: Neville Kidd, Vittorio Omodei Zorini
  • Musik: John Paesano
Serien, die ihren Hauptfokus auf skrupellose Finanzhaie und ihre Machenschaften legen, sind auf dem internationalen Markt noch relativ selten. Dass derartige Formate weit mehr zu bieten haben als uninspirierte Intrigen im Stil von 80er-Jahre-Soap-Operas á la «Dallas» und «Denver Clan», zeigt beispielsweise das deutsche Format «Bad Banks». Ob die auf dem italienischen Bestseller „Diavoli“ beruhende neue Sky-Serie «Devils» bei Kritikern und Zuschauern ebenfalls abräumen kann, muss die Zukunft zeigen. Die Pilotfolge lässt jedoch auf eine gute Entwicklung und äußerst spannende Serienunterhaltung hoffen.

Worum geht es?


Die Geschichte befasst sich mit den Nachwehen der weltweiten Finanzkrise von 2008 und setzt drei Jahre später in London an. Massimo Ruggero (Alessandro Borghi) stammt aus einem kleinen Fischerdorf und hat sich beim britischen Ableger der US-amerikanischen NYL Investmentbank bis zum Leiter der Trading-Abteilung hochgearbeitet. Ruggero ist ein von Ehrgeiz zerfressener, hochtalentierter Spekulant, der für seinen Arbeitgeber Millionengewinne einfährt. Währenddessen brodelt es aufgrund des von den Banken verursachten finanziellen Kollaps in zahlreichen Ländern der Erde. Dass Millionen kleine Sparer ihre Anlagen verloren haben, stört allerdings weder Massimo, noch seinen Chef Dominic Morgan (Patrick Demsey). Für die beiden Finanzhaie zählt nur, der größte Fisch im Becken zu sein. Doch als Ruggero kurz vor einer wichtigen Beförderung steht, fädelt sein schärfster Konkurrent ein ungeahntes Wiedersehen mit seiner drogensüchtigen Noch-Ehefrau ein, die ihre Sucht als Escort-Girl finanziert. Sollte Dominic von Massimos Vergangenheit erfahren, wäre sein Aufstieg zum Vize-Präsidenten endgültig passeé. So entschließt sich der skrupellose Investmentbanker, zum Gegenschlag auszuholen und wühlt in der Vergangenheit seines Kontrahenten. Doch kurz bevor er seinen nahenden Sieg feiern kann, passiert etwas, mit dem niemand gerechnet hat.

Nein, «Devils» erzählt natürlich keine vollkommen neue Geschichte. Ähnliche Storys kennt man bereits aus zahlreichen Börsenfilmen wie «Wall Street» (1987) oder «The Wolf of Wallstreet» (2013). Das bedeutet aber nicht, dass die Thematik nicht frisch aufbereitet werden könnte. Genau das scheint Serienerfinder Ezio Abbate und seinen Co-Autoren gelungen zu sein. Der erste Eindruck des neuen Formats lässt jedenfalls nicht allein auf das übliche Gehaue und Gesteche innerhalb der heiligen Börsenhallen des Weltfinanzmarktes schließen. Vielmehr nimmt vor den Augen der Zuschauer ein handfester Thriller seinen Anfang, der sich hoffentlich im Verlauf der ersten Staffel noch ein wenig von seinem Schablonen-Background freizuspielen versteht. Denn gute Ansätze, die zum Dranbleiben einladen, sind allemal vorhanden. Der Pilot wartet mit interessanten Figuren, einem motivierenden Intrigenspiel und bereits zu Beginn der Folge mit einer spannenden Frage auf, die in jedem guten Krimi einen wohlverdienten Platz eingenommen hätte.

Auch die Auswahl der Hauptdarsteller erweist sich als echter Glücksgriff. Alessandro Borghi sieht nicht nur fantastisch aus, sondern verfügt auch über eine einnehmende Kamerapräsenz, die er erstklassig einzusetzen versteht. Mit Patrick Dempsey, der Fans noch bestens aus seiner zehnjährigen Dauerrolle des Dr. Derek Shepherd in «Grey‘ s Anatomy» bekannt ist, hält ein wenig Hollywood-Flair Einzug, die die Produktion enorm aufwertet. Der weitere Cast rekrutiert sich aus der ganzen Welt. Mit dabei sind unter anderem die deutsche Schauspielerin Pia Mechler als Eleanor Bourg («Ein schreckliches reiches Paar»), die Kolumbianerin Nathalie Rapti Gomez («Penny on M.A.R.S.») als Kate Baker oder die Spanierin Laia Costa als undurchsichtige Aktivistin Sofia Flores, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die hemmungslosen Machenschaften der Banken an den Pranger zu stellen.

Fazit: Die Pilotfolge von «Devils» führt in eine undurchsichtige Welt ein und paart sie mit Thriller- und Krimielementen. Das Erzähltempo ist angenehm, die technische Umsetzung perfekt und der Cast zeigt sich hochmotiviert. Man darf gespannt sein, wie sich die Geschichte weiterentwickelt und ob es Ezio Abbate gelingt, sich nicht in langweiligen Machtspielchen zu verlieren. Wenn die Serie den eingeschlagenen Weg weiterverfolgt, könnte dabei ein mitreißender Thriller herauskommen, der alles hat, was man von einer modernen, unterhaltsamen Serie erwarten darf. Bitte weiter so.

«Devils» startete am 28. Mai auf Sky Atlantic und Sky Ticket. Die weiteren neun Episoden folgen im wöchentlichen Rhythmus, donnerstags um 20.15 Uhr und können selbstverständlich auch gestreamt werden.
03.06.2020 09:30 Uhr  •  Reinhard Prahl Kurz-URL: qmde.de/118783