Bundesliga-Comeback: Reichweitenstärkster Samstag der Skygeschichte

Die Bundesliga ist zurück! Am Wochenende wurde erstmals nach 66 Tagen Corona-Pause unter dem neuen Hygienekonzept angepfiffen. Wie groß war die Nachfrage im TV? Wie sind die Übertragungen einzuordnen? Wie fällt der internationale Blick aus? Alles zum Bundesliga-Comeback auf einen Blick.

Hygienekonzept überzeugt im ersten großen Härtetest

So spielt die Bundesliga kommendes Wochenende:

  • Freitag, 20.30 Uhr: Hertha - Union (DAZN?)
  • Samstag, 15.30 Uhr: Konferenz (Sky, auch im Free-TV bei Sky Sport News HD)
  • Samstag, 15.30 Uhr: Einzelspiele, M'Gladbach - Leverkusen, Wolfsburg - BVB, Freiburg - Werder, Paderborn - Hoffenheim (Sky)
  • Samstag, 18.30 Uhr: Bayern - Eintracht (Sky)
  • Sonntag, 13.30 Uhr: Schalke - Augsburg (DAZN?)
  • Sonntag, 15.30 Uhr: Mainz - Leipzig (Sky)
  • Sonntag, 18.00 Uhr: Köln - Düsseldorf (Sky)
Die ganze Fußballwelt hat am Wochenende nach Deutschland geschaut. Warum? Falls das noch niemand mitbekommen hat, die Bundesliga ist zurück. Als erste große Topliga des beliebtesten Sports auf der Welt öffnet sie wieder vorsichtig ihre Pforten. Mit einem umfangreichen Hygienekonzept und der Tatsache, dass das Coronavirus in Deutschland ziemlich gut unter Kontrolle gehalten wird, konnte die Regierung überzeugt werden und gab grünes Licht für den Bundesliga-Restart. Nach reichlich Kritik und viel Hin und Her durfte die Bundesliga am Samstag und Sonntag tatsächlich an den Start gehen. Mit Spannung wurde verfolgt, wie gut die Hygienevorschriften umgesetzt wurden und ob das Vertrauen in König Fußball gerechtfertigt war. Alle Augen waren ab Samstag 15.30 Uhr auf die Bundesliga gerichtet. Das Fazit nach den ersten acht Spielen, größtenteils sehr positiv.

So lobte Markus Söder, der voreiligen Lockerungen sonst eher kritisch gegenüber steht, im Sport1-«Doppelpass» das Bundesliga-Comeback und sagte: "Unter dem Strich ist das Experiment gelungen. Das war wieder ein Signal, dass wir es können.“ Während er den Fußball zwar weiter auf Bewährung sehe, da niemand die Entwicklung von Corona in Deutschland sicher absehen könne, war der Bayerische Ministerpräsident insgesamt positiv von der Umsetzung überrascht und habe am Samstag einen ruhigen Fußball-Nachmittag auf der Couch genossen. Beim "bestandenen ersten Härtetest" hätten alle gut mitgemacht, sagte Söder. "Ich hatte Sorge, was passiert vor den Stadien, was passiert in mancher Kneipe", sagte der 53 Jahre alte CSU-Politiker. "Es haben sich eigentlich alle ganz gut dran gehalten." Auch Armin Laschet (CDU) wertet den Wiedereinstieg der Bundesliga am Samstag als Erfolg: "Der Re-Start hat sich gelohnt. Es ist genau das vorsichtige Hineintasten in eine verantwortungsvolle Normalität, die wir alle wollen", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident der "Bild am Sonntag".

Kritik fand man in der «Doppelpass»-Runde nur an den innigen Torjubelszenen von Hertha BSC, die im Gegensatz zu allen anderen Vereinen deutlich intimer gefeiert hatten. Nach dem Kalou-Video erwies sich ausgerechnet der Hauptstadtclub am Wochenende erneut als schwarzes Schaf. Deshalb könne es nun sein, dass kurzfristig an den Regeln zum Torjubel geschraubt werde. „Die Liga wird noch nachschärfen, um das klarer zu machen“, zeigte sich Söder sicher: „Die Liga wird aus der Empfehlung eine klare Empfehlung machen.“ Womöglich ja auf politischen Druck.

Sowohl bei Sportexpeten als auch bei Fans auf Social Media überzeugte das Hygienekonzept bei der ersten Bewährungsprobe. Abgesehen von den Menschen, die dem Fußball sowieso kritisch gegenüberstehen, fiel die Rekation positiv aus. Sky ist mit schwierigen Bedingungen in den ersten Corona-Geisterspieltag gegangen und hat diesen gemeistert, obwohl die Rahmenbedingungen der Übertragungen in Corona-Zeiten noch gewöhnungsbedürftig sind. Zieht man die fehlende Atmosphäre ab, die nur über bestimmte Sky-Receiver per Taste künstlich zurückgeholt werden konnte, lieferte der Sender eine runde Berichterstattung. Vorberichte, Interviews mit Verantwortlichen vor und nach den Spielen, die anspruchsvolle Situation unter den strengen Hygienevorschriften wurde alles in allem gemeistert. Zusätzlich bot reichlich Augmented-Reality-Schnickschnack einen Mehrwert für die Fans (Wie sich die Übertragung im Detail geändert hat, erfahrt ihr hier).

Allerdings lief dann doch nicht alles reibungslos. Aber statt, dass eine Vorschrift missachtet wurde, gab es einen Fehler technischer Natur. Während der Einzelübertragungen einiger Zweitliga-Spiele am Samstag brach die Live-Berichterstattung ab. Beim Spiel von Erzgebirge Aue gegen den SV Sandhausen wurden Bilder von einem Spiel des FC Augsburg gezeigt und die Zuschauer der Begegnung des Karlsruher SC gegen Darmstadt 98 sahen unvermittelt, wie Torjäger Erling Haaland für Borussia Dortmund gegen Union Berlin traf.

Das Ausland blickt mit Bewunderung auf die Bundesliga
Nicht nur in Deutschland gab es von vielen Seiten Lob, auch im Ausland. Überall hat man mit Spannung auf die erste Topliga geblickt, die den Restart wagt. Mangels Alternativen schalteten Fußballfans aus aller Welt ein. Im Mutterland des Fußballs bekam die Bundesliga so zum Beispiel eine nie dagewesen Aufmerksamkeit. In den großen Sportmagazinen war das Comeback der deutschen Liga das große Thema.

Bei BT Sports, wo sonst die Premiere League im großen Umfang läuft, waren erstmals alle Bundesligapartien zu sehen. Die höchste deutsche Spielklasse wurde so behandelt, als wäre es die Eigene. Eine riesige Chance für die vermeintlich abgehängte Liga, sich alleine auf der Weltbühne zu präsentieren. Noch mindestens bis zum 12. Juni muss man auf der Insel ohne die eigene Liga auskommen. Den Reaktionen zufolge hat die Bundesliga ihren Job fürs erste sehr gut gemacht. Das Hygienekonzept hat sich bewiesen und Stand gehalten. In der Sportwelt wird die Bundesliga nun als Vorreiter zum Vorbild genommen. So sagte Hans Joachim Watzke, Geschäftsführer beim BVB, bereits im Vorgespräch des Revierderbys bei Sky, dass er aus der ganzen Welt SMS bekomme und alle wissen wollen, wie wir in Deutschland den Neustart des Betriebs so schnell wieder auf die Beine gestellt bekommen.

Rekordkulisse für das Bundesliga-Comeback
Natürlich sind sich alle einig, dass ohne Fans und Atmosphäre im Stadion der große Reiz des Sports fehlt, doch realistisch bzw. finanziell gesehen muss der Betrieb der Proficlubs weitergehen und so gibt es Fußball bis auf weiteres nur im TV. Obwohl die Meinungen zum Neustart im Vorfeld sehr gespalten waren, von einigen Fans gar das Wort “Boykott” in den Mund genommen wurde, war das Interesse letztlich gewaltig. Die Sehnsucht nach Fußball obsiegte doch bei den Meisten. Von einem noch nie gesehen Millionenpublikum wurde am Wochenende Bundesliga geguckt. Bei Sky wurden am Samstag Reichweitenrekorde gebrochen. Insgesamt 3,81 Millionen Zuschauer sahen die Konferenz und Einzelspiele entweder über Sky oder Sky Go. Allein 2,45 Millionen Fans waren bei der Konferenz im Free-TV auf Sky Sport News HD dabei. Mit insgesamt 5,36 Millionen Zusehern über den Tag verteilt und 2,5 Prozent Tagesmarktanteil verzeichnete der Sender einen neuen Zuschauerrekord.

Im linearen TV kamen Konferenz und Einzelspiele auf beeindruckende 27,4 Prozent Gesamtmarktanteil. Bei den werberelevanten 14- bis 49-Jährigen wurde mit 1,62 Millionen Zuschauern stattliche 37,7 Prozent eingefahren. In der Männerzielgruppe der 14- bis 59-Jährigen lag die Sehbeteiligung sogar bei 42 Prozent. Am Abend erreichte das Topspiel noch 740.000 Zuseher und einen durchschnittlichen Marktanteil von 5,7 Prozent. Direkt im Anschluss an die Konferenz im Free-TV fesselte «Wontorra - der Fußballtalk» noch über eine halbe Million Zuschauer. Ob die Zuschauerzahlen für die Highlights bei den Öffentlich-Rechtlichen trotz Übertragung der Konferenz im Free-TV ebenfalls auf neue Rekorde sprangen, ist in unserer Quotennews von Sonntag nachzulesen.

Wie fandet ihr die Umsetzung des Bundesliga-Comebacks?
Gut, Hauptsache wieder Fußball am Wochenende.
80,4%
Schlecht, die Atmosphäre fehlt und ist unersetzbar.
19,6%


Wer zeigt die Spiele aus dem bröckelnden Rechtepaket von Eurosport? DAZN!?
Um den ersten Geisterspieltag in der Corona-Zeit abzuschließen, fehlt noch eine Begegnung. Am Montagabend treffen um 20.30 Uhr Werder Bremen und Bayer Leverkusen aufeinander. Wo Fans die Partie verfolgen können, war bis kurz vor knapp alles andere als klar. Im aktuellen TV-Vertrag besitzt Eurosport die Ausstrahlungsrechte für die Freitagsspiele sowie für jeweils fünf Partien an Sonntag und Montag. Seit dieser Saison hat Discovery/Eurosport die Rechte an den Streamingdienst DAZN sublizensiert, zahlt aber immer noch die Hälfte des zirka 80 Millionen schweren Paketes pro Saison. Vertragspartner der DFL ist man weiterhin. Gerüchten zufolge will man wegen höherer Gewalt durch die Corona-Krise aus dem bestehenden Vertrag austreten. Das TV-Rechte-Chaos ist daher im vollen Gange. Gezahlt wurde seit Ausbruch der Pandemie kein Cent von Eurosport an die DFL.

Noch steht die Auflösung des Vertrages in der Schwebe, obwohl konkrete Spieltermine bereits auf dem Plan stehen und eine Lösung dringend her muss. Es ist alles andere als klar, wo die übrigen Spiele, die nicht im Sky-Paket enthalten sind, bis Ende der Saison noch zu sehen sein werden. Bei DAZN steht man bereit. Der eigene Anteil der Rate durch die Sublizenz wurde bereits an die DFL gezahlt. Die Kapazitäten hat man, normalerweise hätte der Dienst sowieso übertragen. Doch solange Eurosport nichts an die DFL zahlt, darf auch DAZN keine Spiele zeigen – eigentlich. Zumindest für den laufenden Spieltag kam es nun allerdings zu einer Notlösung. DAZN darf das Montagsspiel am Abend exklusiv übertragen. Zudem gab die DFL bekannt, dass sie sich "hinsichtlich weiterer Spiele in Gesprächen" befindet. Am kommenden Spieltag sind sogar zwei Spiele aus dem Eurosport/DAZN-Paket betroffen, für die eine weitere (Not-)Lösung her muss. Am Freitag das Berliner-Derby Hertha gegen Union (20.30 Uhr) und am Sonntag Schalke gegen Augsburg (13.30 Uhr).



Seitens Eurosport herrscht immer noch großes Schweigen. "Wir haben derzeit eine andere Auffassung über die Interpretation der Verträge als Eurosport/Discovery", hatte DFL-Chef Christian Seifert zuletzt gesagt. "Da sind wir in Gesprächen." Bisher blieben diese allerdings erfolglos. Jetzt muss wohl ein Gericht entscheiden. Noch deutlicher als Seifert war zuletzt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge geworden. "Ich bedaure das Verhalten von Eurosport sehr, ja, ich finde es unanständig, dass man in einer Krise einen Vertrag aufkündigt", sagte Rummenigge der "Sport-Bild".

“Weil der HSV scheiße ist” - Patrick Esume, Mental-Coach der Hanseaten im Fokus
Bereits kurz vor dem Bundesliga-Comeback hat im Norden der Nation ein bericht der Bild für Wirbel gesorgt. Um den Hamburger SV nach dem ersten Abstieg in der Clubgeschichte wieder in Liga Eins zu führen, wurde Patrick Esume, der vor allem für seine große Ausstrahlung als Football-Trainer und -Experte bekannt ist, als Mental-Coach vom Verein angestellt. Seit vergangener Woche hat der gebürtige Hamburger seinen Job beim HSV mit dem Einstieg ins Mannschaftstraining wieder aufgenommen. Direkt zu Beginn seiner Wiederaufnahme sorgte ein Bericht der Bild für Unruhe, der aufzeigte, wie Esume vor drei Jahren in der Sky-Show «Sescherkette» bei Frank Buschmann zu Gast seinen derzeitigen Arbeitgeber als Scheiße bezeichnet hatte.

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Für die, die es betrifft und/oder interessiert, folgende Frage: Ist es Qualitäts-Journalismus, wenn man ein Zitat aus einer drei Jahre alten COMEDY-SHOW für eine Headline nutzt, die zu einer Zeit aufgezeichnet wurde, als der HSV gerade 0-8 gegen Bayern verloren hat? Als gefühlt ganz Deutschland wegen eines Fußballvereins über meine Heimatstadt gewitzelt hat? Sicher nicht! Aber lasst uns doch mal zum Kern der Geschichte kommen, in der es sich im Wesentlichen um VERÄNDERUNG dreht. Wie man an meinem Einschulungs-Foto sieht, war die Raute von klein auf eine große Liebe für mich...bis zu dem einen Moment, als mir im Volksparkstadion gesagt wurde, dass der HSV „KEINE NIGGER IN DER KURVE BRAUCHT“! Das ist verdammt lange her, aber für ein damals 11-jähriges Kind ein sehr einschneidendes Erlebnis! Vielleicht ist für den einen oder anderen nachvollziehbar, dass ich mich nach diesem Erlebnis eher dem Verein in Hamburg zugewandt habe, der immer für das genaue Gegenteil stand. Auch wenn ich heute natürlich weiß, dass auch damals nicht jeder HSV-Fan zwangsläufig keine farbigen Kinder im Fanblock haben wollte. Der HSV (und seine Fans) heutzutage ist nicht mehr der HSV der 80er Jahre! Der HSV heute ist auch nicht mehr der HSV von vor drei Jahren. Der jetzige HSV steht z.B. wie eine Eins hinter ihrem Spieler Jatta, was mich tief beeindruckt hat. Die HSV-Fans stehen geschlossen hinter ihm und setzen sich somit aktiv GEGEN RASSISMUS ein! Und der HSV hat in Jonas Boldt und Dieter Hecking eine sportliche Führung, die mich begeistert und zu der ich ein tolles persönliches Verhältnis habe. Also für all diejenigen, die sich fragen, wie ein St. Pauli-Sympathisant den HSV unterstützen kann - die Antwort darauf lautet: VERÄNDERUNG. Die hat’s beim HSV gegeben und auch ich bin heute 35 Jahre älter als damals. Also wenn nicht jetzt, wann dann eine alte Liebe wieder aufleben lassen...für Hamburg, weil Hamburg ein Bundesliga-Team braucht, über das in Zukunft keine Witze mehr gemacht wird! #rannfl #rannflsüchtig @ransport @prosiebenmaxx #coachesume #change #footballbromance #hamburg

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Als er gefragt wurde, warum er das Maskottchen des FC Schalke 04 noch vor dem des HSV einordnete, hatte der gebürtige Hamburger damals geantwortet: "Weil der HSV scheiße ist! Das sag ich als Hamburger. Wir stehen im Keller. Was soll ich sagen?!" Im Boulevard wurde Esumes Anstellung daraufhin in Frage gestellt. Jedoch zeigte man sich beim HSV unbeeindruckt und auch der Ex-Footballer selbst wusste mit klaren Worten zu antworten. Er stellte klar, dass seine Aussage kurz nach der 0:8-Niederlage gegen den FC Bayern entstanden war und seine Meinung sich geändert habe, weil auch der Verein nun moderner und anders denkt. Dazu zeigte er ein Bild aus seiner Kindheit mit dem Wappen des Vereins auf der Brust und erzählte eine bewegende Anekdote zu seiner Beziehung zum HSV mit deren gewandelten Umgang mit Rassismus. Die Zusammenarbeit für das Ziel Wiederaufstieg wird demnach von Esume und dem Hamburger SV unbefleckt fortgeführt. Mit seiner Hospitanz wolle der eigentliche St.Pauli-Fan die "alte Liebe wieder aufleben lassen...für Hamburg, weil Hamburg ein Bundesliga-Team braucht, über das in Zukunft keine Witze mehr gemacht wird!"
18.05.2020 09:15 Uhr  •  Niklas Spitz Kurz-URL: qmde.de/118424