Alles Gute, Thommy!

«Happy Birthday, Thomas Gottschalk!» fand im kleinen Ambiente statt. Aber im sehr amüsanten Kreise großer TV-Namen.

Wenn er vor die Kamera trat, war Samstagabend. Nicht nur irgendein Samstagabend, sondern der Samstagabend, der tollste des Monats: Thomas Gottschalk, dank «Wetten, dass ..?» Moderationsheld nicht nur meiner Kindheit, sondern der lustige, große Gesten machende Familienfreund, der Millionen von Kindheiten versüßt hat. Und Millionen von gemütlichen Fernsehabenden für Leute im gestiegenen Alter. Und die TV-Zeit von fast allen zwischen Kindheit und Pension: Thomas Gottschalk bedeutete jahrzehntelang große Live-Saalunterhaltung. Und selbst jetzt, wo er wieder (wie zu seinen Anfängen) im Radio quasselt und zudem kleinere Shows macht, ist die Primetime am Show-Samstag das, womit er hauptsächlich in Verbindung gebracht wird. Die RTL-Show «Denn sie wissen nicht, was passiert» lief zuletzt nicht ohne Grund auf Rekordniveau.

Da durfte man sich vorab fragen: Wird es einem Thomas Gottschalk gerecht, wenn er zu seinem 70. keine große Samstagabend-Geburtstagsshow bekommt, sondern eine 22.15-Uhr-Sendung am Sonntag? Noch dazu mitten in der Corona-Krise, so dass eine Show vor großem Studiopublikum ein Ding der Unmöglichkeit wurde? Die überraschende Antwort: Ja! Denn «Happy Birthday, Thomas Gottschalk!» ersetzte die etwas steife, bemühte Art vieler Studio-Geburtstagsgalas durch einen Rahmen, der zwar nicht die Größe der Sendungen würdigt, mit der viele seiner Fans Thomas Gottschalk am stärksten assoziieren. Der gebotene Rahmen zelebrierte dafür Thomas Gottschalks in dieser Form kaum nachzuahmende "Ich weiß nicht was passiert, es ist mir auch egal, lasst uns Spaß haben!"-Art.

«Happy Birthday, Thomas Gottschalk!» pfiff auf den aktuellen Showstandard eines großen Studios mit leeren Publikumsrängen. Stattdessen begrüßte Thomas Gottschalk in einer eleganten, stilvollen Bar/Foyer-Atmosphäre mit großen Sesseln, güldener, dennoch dezenter Beleuchtung und einer durch diese einladende Location gleitenden Kamera. Nach einem atemlosen Alleinunterhalter-Eröffnungsmonolog und einem kurzen Plausch mit dem musikalischen Leiter des Abends (Helmut Zerlett) gab Gottschalk die Zügel ab und wurde daraufhin von Gästen und Gratulanten überrascht.

Und so begann ein ungezwungener, verflixt kurzweiliger Reigen an Gesprächen über Gottschalk, die Karrieren der gastierenden Prominenten und das Showgeschäft. Das stets mit viel Selbstironie, gegenseitigem Necken und in einer Haltung, die persönlicher geriet, als sie bei einer großen Geburtstagsgala gewesen wäre, und die dennoch (eben 100% Gottschalk) stets die sympathisch-hochtrabende Grandeur einer Showunterhaltung für die große Masse beibehielt.

Das sehenswerte Line-up hat «Happy Birthday, Thomas Gottschalk!» dabei sehr geholfen: Von Christine Westermann, die Gottschalk über seine literarischen Ansichten ausfragte und Gottschalk-Dauerweggefährte Günther Jauch, über seine RTL-Kollegin Barbara Schöneberger und «Wetten, dass ..?»-Kultgast / Opernsäger Rolando Villazón bis hin zu Katharina Witt, seinen Kollegen Fritz Egner und Bea Reszat und den Gottschalk-Bewunderern Joko Winterscheidt & Klaas Heufer-Umlauf: Es war eine eklektische, sehr gut mit dem Geburtstagskind harmonierende Mischung, die für einen Talk sorgte, der geradezu vorbei düste. Für etwas Struktur sorgten derweil Rückblicke auf verschiedene Themenbereiche in Gottschalks Karriere, an denen sich die anschließenden Talk-Minuten (grob) orientierten – eingesprochen wurden die Einspieler von Peter «SchleFaZ» Rütten, was ihnen eine frech-freundliche Stimmung verliehen hat.

Unterm Strich hätte man Gottschalk kaum einen besser zu ihm passenden TV-Geburtstag wünschen können: Ein bisschen geordnet, ein bisschen chaotisch, mit viel unterhaltsamen Smalltalk und sehenswerten Gästen – und in einer Aufmachung, die den Fokus auf eben diese Gespräche lenkt. Der große Samstagabend-Saalevent-Gottschalk wird im ZDF dann halt 2021 wieder zelebriert.
18.05.2020 00:43 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/118414