«Wenn du König wärst» - Die König-Artus-Legende ganz neu erzählt

«Attack the Block»-Regisseur Joe Cornish verpflanzt die legendäre Artussage ins Großbritannien der Neuzeit und legt mit «Wenn du König wärst» ein abgedrehtes Jugendfantasyabenteuer vor, dass es so tatsächlich noch nicht gegeben hat.

Filmfacts: «Wenn du König wärst»

  • Start: 18. April 2019
  • Genre: Abenteuer/Fantasy
  • Laufzeit: 120 Min.
  • FSK: 6
  • Kamera: Bill Pope
  • Musik: Electric Wave Bureau
  • Buch & Regie: Joe Cornish
  • Darsteller: Louis Ashbourne Serkis, Denise Gough, Dean Chaumoo, Tom Taylor, Rebecca Ferguson, Mark Bonnar, Rhianna Dorris
  • OT: The Kid Who Would Be King (UK/USA 2019)
Mit seiner sympathischen Science-Fiction-Komödie «Attack The Block» hat sich Regisseur und Autor Joe Cornish einen hübschen kleinen Kultstatus erarbeitet. Sein Film über eine Alienattacke in einem britischen Problemviertel trug damals schon in Grundzügen die DNA seines neuen Films «Wenn du König wärst», denn die Zutatenliste besteht aus denselben Dingen: Unverhofft kommt eine Gruppe von Außenseitern in den (zweifelhaften) Genuss, die Welt retten zu müssen. Katapultiert werden sie dafür in einen altbekannten Konflikt: Aus der Alieninvasion in «Attack the Block» wird die Artusepik in «Wenn du König wärst» – und beides ist gleichermaßen unterhaltsam, auch wenn dem Jugendfantasyabenteuer am Ende ein wenig der kreative Punch fehlt, um sich möglichweise bald einen ähnlichen Liebhaberstatus zu verdienen. Doch auch dank der hervorragend aufgelegten Rebecca Ferguson («Mission: Impossible – Fallout»), die in Gestalt eines feuerspeienden Drachen sichtbar Spaß an ihrer Performance hat, ist «Wenn du König wärst» ein sehr sympathisches Abenteuer für die ganze Familie.

Das Schwert aus dem Stein


Der zwölfjährige Alex (Louis Serkis) und sein bester Freund Bedders (Dean Chaumoo) müssen sich tagtäglich mit den beiden Schulbullys Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) herumschlagen. Bis sich das Schicksal der beiden eines Nachts auf unverhoffte Weise wandelt: Auf einer geschlossenen Baustelle findet Lance ein Schwert – es ist Excalibur, das sagenumwobene Schwert von König Artus. Nur, wer sich als würdig erweist, ist in der Lage, es zu benutzen – und offenbar ist Alex der Auserwählte, der auch direkt Bedders zum Ritter schlägt. Das erweckt an anderer Stelle der Welt ein abscheuliches Drachenwesen zum Leben, denn die böse Zauberin Morgana (Rebecca Ferguson) hat es auf die Menschheit abgesehen und benötigt dazu Excalibur, um die Weltbevölkerung zu unterjochen. Wie gut, dass der gutmütige Magier Merlin (Angus Imrie/Patrick Stewart) genau weiß, wie Alex und seine Freunde das verhindern können…

King Arthur mal anders!


Joe Cornish gelingt es tatsächlich, die bereits unzählige Male verfilmte Geschichte rund um König Artus, das Schwert Excalibur und die Ritter der Tafelrunde in ein ganz neues Gewand zu kleiden. Nach Guy Ritchies gescheitertem Versuch, ein Filmuniversum rund um die Figur aufzubauen, schien das Publikum an der Thematik eigentlich schon gar nicht mehr interessiert zu sein. Doch nun kommt «Wenn du König wärst» nicht nur bei den ausländischen Kritikern sehr gut weg, auch wir haben uns ein klein wenig in den Film verliebt, denn mit wie viel Charme und Esprit Cornish dieses durchgekaute Thema hier neu adaptiert, ist schlicht umwerfend.

Er bettet die Artusepik stilsicher in ein sich in der Gegenwart spielendes Coming-of-Age-Abenteuer ein und findet dabei toll ausformulierte Bezüge zur Vorlage: Egal ob die Namen der Protagonisten, das Einbetten der berühmt berüchtigten Tafelrunde oder der Fund des Schwerts: «Wenn du König wärst» ist ganz offensichtlich charmante Verbeugung und Variation der Arthur-Saga in einem.

Genauso amüsant ist die reine Neuinterpretation. Und die lebt in erster Linie von ihren Hauptfiguren. Andy Serkis‘ Sohn Louis Serkis («A Current War»), Dean Chaumoo, Tom Taylor («Der dunkle Turm») und Rhianna Dorris («Secret Life of Boys») wachsen im Laufe der knapp zwei Stunden glaubhaft zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen und funktionieren als solche hervorragend. Das gilt sogar für die zu Beginn als Antagonisten eingeführten Lance und Kaye. Die beiden fungieren lange Zeit als Bullys, die ihren auserwählten Opfern sogar Gewalt antun. Erst im Laufe des Films rehabilitieren die beiden zu besseren Menschen, zeigen Einsicht und «Wenn du König wärst» läuft darauf hinaus, dass nur, wer zusammenhält, auch schwierige Zeiten bestehen kann. Schade ist nur, dass sich diese „schwierigen Zeiten“ darauf beschränken lassen, dass am Ende ein furchteinflößender Drache gegen ein paar Jugendliche kämpft. Da das dann auch gar nicht mal so gut aussieht, bleibt der Film im letzten Drittel ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Fazit


«Wenn Du König wärst» ist charmante Verbeugung vor und Neuinterpretation der Artusepik, die mit einem schönen Humor und einer stilsicheren Inszenierung seitens Regisseur Joe Cornish überzeugt. Schade ist nur, dass der Film sich gen Ende in ein etwas austauschbares Krawallfinale verliert.

«Wenn Du König wärst» ist ab dem 18. April in den deutschen Kinos zu sehen.
17.04.2019 12:15 Uhr  •  Antje Wessels Kurz-URL: qmde.de/108707