Markus Maria Profitlich: 'Ich wurde nie nach einem Attest gefragt'

Komiker Markus Maria Profitlich spricht mit Quotenmeter.de über seine Erkrankung, seine Rückkehr ins Synchronfach und darüber, was er über den aktuellen Stand der TV-Comedy hält.

Ich hänge sehr an der Rolle – Mr. Incredible war schließlich meine erste Synchronarbeit.
Markus Maria Profitlich
Herr Profitlich, es ist ja keine Selbstverständlichkeit, dass Promis in frühere Synchronrollen zurückkehren. Daher ist es eine freudige Überraschung, sie nun erneut als Mr. Incredible zu hören …
Ja, mich hat es auch sehr gefreut, dass es dazu kam. Der erste Teil liegt nun 14 Jahre zurück, was ja eine lange Zeit ist. Und dann spielt «Die Unglaublichen 2» nur wenige Augenblicke nach dem Original. Das war eine Herausforderung. Aber bei den Aufzeichnungen wurde sehr darauf geachtet, dass ich so nah wie möglich an meine Stimmfarbe von damals gelange. Daher musste ich ein bisschen höher sprechen, als ich es jetzt normalerweise tu – bei den Aufnahmen des ersten Teils war meine Stimme nämlich heller als sie es heute ist. Da hat die Regie ein sehr gutes Ohr bewiesen!

Wie kam es zu Ihrer Wiederbesetzung? Kam Disney auf Sie zu oder mussten Sie dort anklopfen: "Hallo, ich möchte gerne meine Rolle behalten! Lasst mich ans Mikro!"
Nein (lacht) Ich denke, hätte ich mich aufgedrängt, hätten sie mir die Rolle schon aus Prinzip nicht gegeben. (lacht) Disney ist auf mich zugekommen, und ich habe mich sehr geehrt gefühlt, dass ich die Rolle nochmal übernehmen darf. Wie Sie sagen, läuft es ja nicht immer so. Und ich hänge sehr an der Rolle – Mr. Incredible war schließlich meine erste Synchronarbeit. Deswegen war ich sehr froh, als ich im Frühjahr den Anruf bekam, dass man mich für Teil zwei haben will. Damals hat man mich auch direkt gefragt, ob ich die Rolle zudem für den Trailer einsprechen kann. Jedoch war ich damals zeitlich verhindert, weshalb Disney einen anderen Schauspieler genommen hat. Aber quasi im selben Atemzug haben wir die Verhandlungen für den Film selbst aufgenommen.

Peer Augustinski und Arne Elsholtz sind nur zwei Namen aus dem Synchrongeschäft, die mir einfallen, wenn ich an Fälle denke, in denen Synchrontalente Rollen übernehmen wollten, aber abgelehnt wurden, weil die Verantwortlichen gesundheitliche Bedenken äußerten. Wurden auch Sie mit solchen Sorgen konfrontiert?
Kein bisschen. Ich habe Disney von meiner Parkinson-Erkrankung einen Tag, bevor ich damit an die Presse gegangen bin, berichtet – und daraufhin war es nie wieder ein Thema. Es gab keinerlei Gespräche der Art "Wollen Sie sich das wirklich zutrauen", und ich wurde auch nie nach einem Attest gefragt. (schmunzelt)

Regelmäßig Fernsehen machen … Nun, wenn es etwas interessantes geben würde, für das man mich anfragt, wäre ich nicht abgeneigt, darüber nachzudenken …
Markus Maria Profitlich
Haben Sie derzeit Pläne, sich wieder stärker dem Fernsehen zuzuwenden?
Mein letztes Programm ist im Februar für das Fernsehen aufgezeichnet worden und das hat mir große Freude bereitet. Das war aber natürlich eine einmalige Sache. Regelmäßig Fernsehen machen dagegen … Nun, wenn es etwas interessantes geben würde, für das man mich anfragt, wäre ich nicht abgeneigt, darüber nachzudenken … Aber, sagen wir es so: Das Tourleben macht extrem viel Spaß.

Wo stehen Sie in der in den letzten zwei Jahren wieder neu hochgekochten Debatte, ob Comedy Haltung haben muss oder erst einmal alles und jeder für einen Witz gut sein sollte?
Es hat ja jeder seine Meinung dazu, und ich will da niemandem etwas vorschreiben. Wenn Komiker meinen, rumposaunen zu müssen, dass man sich über alles lustig machen darf, und dass alles durch den Dreck gezogen gehört – dann sollen die das machen. Und wenn sie damit Erfolg haben, ist das leider so. Aber ich denke, dass das langfristige Urteil des Publikums anders über diesen Humor richten wird als der kurzzeitige Erfolg.

Ich mache mich lieber über mich selber lustig als über Andere. Das ist Humor, der mehr vom Herzen kommt und länger in Erinnerung bleibt. Zudem bin ich großer Fan von Monty Python, «Kentucky Fried Movie» und ähnlichem … Ich mag diese abgedrehte Richtung, das sind Witze, die heute noch so lustig sind wie damals. Ich nehme mir sowas zum Vorbild, und was Andere machen … Das ist die Sache der Anderen.

Vielen Dank für das Gespräch!
03.10.2018 13:29 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/104206