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Der Begriff YouTuber ist 'durchaus eine Schubladisierung'

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Schauspieler Lars Fricke, bekannt durch den YouTube-Kanal SceneTakeTV, bezeichnet sich ungern als "YouTuber". Weshalb dem so ist und wieso seine Rolle in der ZDFneo-Serie «neoManiacs» genauso heißt wie er, verrät er in unserem Interview.

Zur Person

Lars Fricke stammt aus dem Jahrgang 1987 und lebt in Köln, wo er neben Deutsch auch Kölsch spricht sowie Deutsch mit russischem und bayrischem Akzent. Dies sowie sein komödiantisches Talent stellt er nicht nur beim Comedy-YouTube-Kanal SceneTakeTV unter Beweis, sondern auch bei «Love and Sex» von EndemolBeyond und bei seinen Tätigkeiten als Moderator.
In der ersten Folge wird «neoManiacs» als "crossmediales Hybridformat" bezeichnet und auch in der Pressekommunikation über das Format wird wiederholt betont, dass es ja die Grenzen zwischen linearem Fernsehen und Internetvideo verwischt. Hatte das alles für Sie beim Spielen überhaupt Relevanz?
Nein, das spielte für mich überhaupt keine Rolle. Für mich ist es so: Du bekommst eine Rolle, lernst den Text, und dann spielst du diesen Part so gut du kannst – egal für welches Format oder für welches Medium. Es ist vielleicht nur dann gelegentlich von Bedeutung, wenn es sich um einen kurzen Clip für YouTube handelt. Die sind in der Tendenz derart karikaturistisch, dass ich da schon etwas anders herangehe, einfach weil in diesen kurzen Clip speziell für diese Plattform sehr viel Energie hineingelegt werden muss. Das gilt jetzt vor allem für sehr rasante Sketche, wo ich vielleicht in wenigen Sekunden zehn Emotionen zeige. Ansonsten denke ich beim Spielen nicht über das Medium nach, für das etwas gedreht wird.

An «neoManiacs» sind Sie also nicht mit dem Gedanken herangetreten: "Ich spiele hier wie sonst auch bei YouTube-Sketchen"?
Jein. Ich spiele in der Serie nicht wie bei YouTube-Sketchen. Aber ich bin da so, wie man mich von YouTube kennt.

Ich bekenne mich übrigens schuldig, regelmäßig den Begriff "YouTuber" zu verwenden. Aber ich schelte mich dann immer innerlich. Sinnig ist diese Berufsbezeichnung ja nicht. Jan Böhmermann ist ja auch nicht "Fernsehler", sondern Moderator oder Entertainer. Leonardo DiCaprio ist Schauspieler, nicht "Kino-Person". Wer aber auf YouTube aktiv ist, kann Vlogs machen, Sketche oder Schminktipps – alles "YouTuber" …
Ja, das ist echt etwas befremdlich. Ich mutmaße, dass sich der Begriff so durchgesetzt hat, weil die Plattform einen zu seinem eigenen Chef macht. Man ist YouTuber, wenn man vor die Kamera tritt, die man vorher selber eingestellt hat – und danach auch selber das Video schneidet. Bei SceneTake, wo ich herkomme, ist dem dagegen nicht so. Da hat jeder ganz klassisch seine Aufgabe. Darum bezeichne ich mich auch ungern als YouTuber, aber weil das die Plattform ist, für die ein großer Teil meiner Arbeit entstanden ist, wehre ich mich nicht, wenn man mich dazu zählt.

Wenn man sich so die Trends auf YouTube anguckt, dann ist "YouTuber" gelegentlich sehr wohl eine Beleidigung.
Lars Fricke
Empfinden Sie das als Schubladisierung?
Das ist durchaus eine Schubladisierung, auch wenn es nicht megadramatisch ist. Obwohl: Wenn man sich so die Trends auf YouTube anguckt, dann ist "YouTuber" gelegentlich sehr wohl eine Beleidigung. (lacht)

«neoManiacs» gehört zu einer kleinen, aber stetig wachsenden Reihe an Formaten, in denen die Hauptfiguren unter dem Realnamen der Darsteller auftreten. «Pastewka» oder «jerks» mit Christian Ulmen und Fahri Yadim, fallen einem da ein. Kostet es Überwindung, mit seinem realen Namen eine fiktive Rolle zu spielen?
Ich gebe zu: Wir haben das sehr kurzfristig so entschieden. Im Drehbuch stand mein Name als Platzhalter, und irgendwann haben wir beschlossen, das einfach so beizubehalten. Ich hatte erst noch Namensvorschläge für meine Rolle gemacht, aber im Team fand man zu sehr daran Gefallen, meine Rolle nach mir zu benennen. Wäre es nun ein superkrasses, ernstes Projekt, hätte ich mich auch stärker dagegen gewehrt. So, wie «neoManiacs» ist, finde ich es dagegen nicht so dramatisch. Wenn Leute Probleme haben, zwischen mir und der Figur zu abstrahieren, ist das nun nicht soooo unangenehm.

Und es hat ja auch einen Werbeeffekt für «neoManiacs», da man sagen kann: "Hier, Lars Fricke, den kennt ihr von YouTube, jetzt ist er eine ZDFneo-Serienfigur!"
Bestimmt. Aber ich garantiere: Darüber haben wir nicht nachgedacht.

Das war letzten Endes eine Budgetenscheidung. Anfangs waren vier Folgen geplant, dann wurden es aber nur drei und jetzt warten wir ab, ob es eine zweite Staffel gibt.
Lars Fricke über die geringe Folgenanzahl der ersten «neoManiacs»-Staffel
«neoManiacs» gibt’s als Sketch-Clips bei YouTube und als Serie mit Rahmenhandlung bei ZDFneo – welche Version ist denn nun "die Richtige"?
Ich bin ja so jemand, der Geschichten liebt. Sowohl das Erzählen als auch das Erzähltbekommen. Daher würde ich dazu raten, die Serienversion bei ZDFneo zu gucken. Oder sie in der Mediathek nachzuholen. Ich bin ja auch Fan von Director’s Cuts und Extended Editions. Wenn es von einem Film eine längere Fassung gibt, muss ich die sehen! So ist es auch bei «neoManiacs». Die Einzelsketche funktionieren natürlich auch ohne die Rahmenhandlung und sind genau richtig für die Mittagspause. Aber ich würde jedem empfehlen, das Format in Serienform zu gucken. Weil es einfach mehr ist – und es eine Handlung gibt! (schmunzelt)

"Suchten" kann man «neoManiacs» ja allerdings nur schwer – Staffel eins hat nur drei Folgen. Woher kam diese vorsichtige Entscheidung?
Das war letzten Endes eine Budgetenscheidung. Anfangs waren vier Folgen geplant, dann wurden es aber nur drei und jetzt warten wir ab, ob es eine zweite Staffel gibt. Was ich natürlich begrüßen würde!

Vielen Dank für das Gespräch.

«neoManiacs» ist ab Donnerstag, dem 30. März 2017, wöchentlich ab 23 Uhr bei ZDFneo zu sehen sowie bereits in Clipform auf dem «neoManiacs»-YouTube-Channel abrufbar.

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