Die Kino-Kritiker

«Monster Trucks»

von   |  1 Kommentar

Schon vor US-Kinostart vom Studio als Flop abgetan und von Cineasten ob seiner albernen Grundidee verlacht, ist «Monster Trucks» eigentlich ganz knuffig.

Filmfacts «Monster Trucks»

  • Regie: Chris Wedge
  • Produktion: Mary Parent, Denis L. Stewart
  • Drehbuch: Derek Connolly; nach einer Story von Matthew Robinson, Jonathan Aibel, Glenn Berger
  • Darsteller: Lucas Till, Jane Levy, Amy Ryan, Rob Lowe, Danny Glover, Barry Pepper, Holt McCallany
  • Musik: Dave Sardy
  • Kamera: Don Burgess
  • Schnitt: Conrad Buff IV
  • Laufzeit: 104 Minuten
  • FSK: ab 6 Jahren
Die Prämisse hinter «Monster Trucks» ist schräg: Ein Jugendlicher, der in seiner Freizeit auf dem Schrottplatz eines Bekannten einen Monstertruck baut, lernt ein krakenähnliches Tentakelmonster kennen. Dieses wurde bei den Bohrungen einer ruchlosen Ölfirma aus seinem natürlichen Habitat, einem jahrtausendealten Höhlensee, vertrieben – und ernährt sich hauptsächlich von Öl. Während die Schergen des keinerlei ökologisches Gewissen aufweisenden Konzerns nach dem Wesen suchen, versteckt es der Freizeitautomechaniker in seinem selbstgebauten Monstertruck. Es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft.

Wer nun vor sich hin flüstert: „Das klingt so, als hätte es ein Kleinkind geschrieben“, liegt richtig. Ein hohes Tier bei Paramount wollte dafür sorgen, dass es wieder mehr Originalstoffe für Familien zu sehen gibt. Und fragte seinen vierjährigen Sohn, welchen Film Papis Firma mal drehen sollte. Das allein reicht schon, um einige Filmliebhaber vollauf gegen «Monster Trucks» aufzubringen. Aber, ganz ehrlich: Diese Verurteilung ist doch bescheuert!

Kinder der 80er-Jahre wuchsen mit Ninjakampfkünste einsetzenden, pubertierenden Mutationsschildkröten auf, die nach Künstlern der Renaissance benannt sind. Kinder der 90er-Jahre mit einem Buben, der kleine, knuffige Monster einfängt und sie gegen die kleinen, knuffigen Monster anderer Trainer antreten lässt. Kinder der frühen 2000er-Jahre mit Geschichten aus einer ausschließlich von motorisierten Fahrzeugen bevölkerten Welt, in der ein Rennwagen und ein verrosteter Abschleppwagen beste Freunde sind. Und für jede dieser Dekaden gibt es mindestens zwei Dutzend weitere, ähnlich haarsträubende Exempel.

Darum: Liebe Cineasten, liebe ältere Geschwister, liebe Eltern. Liebe Zyniker unter den Kindern: Nehmt die Existenz von «Monster Trucks» hin, lasst denen ihren Spaß, die die Idee positiv-ulkig finden. Ob nun ein Krakenmonster unter der Motorhaube eines Trucks lebt oder sich Roboteraußerirdische auf der Erde in Autos verwandeln und bekriegen: Gaga-Konzepte haben ihre Daseinsberechtigung. Die Frage ist nicht: „Wie kommt man nur auf solch verquere Ideen?“ Sondern: „Wie gut ist diese Idee denn nun umgesetzt?“

Die angesichts dieser nach „Brainstorming nach Zuckerschock“ klingenden Prämisse überraschende Antwort: Sehr altmodisch. «Ice Age»-Regisseur Chris Wedge nimmt über weite Strecken des Films das Tempo raus, schaltet zwei oder drei Gänge niedriger als übliche Familienfilme mit quirligen High-Concept-Ideen dieser Zeit. Der Schnitt ist ruhig, die Kameraführung aufgeräumt und frei von den Extremnahaufnahmen aus der Froschperspektive, die seit den 90er-Jahren diese Filmgattung plagt. Komponist Dave Sardys Musik ist zwar vollkommen zahnlos, jedoch harmonisch und leise abgemischt, nie zerstört hochaktuelle Chartmusik die Immersion der Story.

«Monster Trucks» ist ein im Heute verorteter Familienfilm, wie er in den späten 70ern oder den frühen bis mittleren 80ern hätte entstehen können. Obwohl die „Ein Junge und sein seltsames Wesen“-Masche im Fahrwasser von Spielbergs «E.T. – Der Außerirdische» vielfach kopiert wurde, wäre es ungerecht, «Monster Trucks» über denselben Kamm zu scheren. Denn Wedge übt sich nicht im üblichen Spielberg-Mimikry, drückt weder auf die Tränendrüse, noch betont er doppelt und dreifach die Magie, die vom letztlich Creech genannten Monstrum ausgeht. Ohne behutsam eingesetzten Pathos, mit nur holzschnittartigen Figuren und einem Mangel an einprägsam vermittelten Wortwechseln geht Wedges Film allerdings auch ein gutes Stück des Zaubers verloren, den einen echten Familienfilmklassiker dieser Gattung erst unvergesslich macht.

Dank hervorragender Computereffekte, die einen fast glauben lassen, Creech sei nicht etwa ein digitales Wesen sondern der aufwändigste haptische Spezialeffekt der vergangenen Jahre, und den charmanten Hauptdarstellern manövriert sich «Monster Trucks» dennoch ins gehobene Mittelmaß für Kinderfilme mit verrückten Grundideen. Die goldige Interaktion zwischen Protagonist Lucas Till, der weiblichen Hauptdarstellerin Jane Levy und Creech rundet dies stimmig ab. Gewiss, Till und Levy sind wesentlich älter als ihre Rollen, was im Zusammenspiel mit den altersgemäß besetzten Darstellern der weiteren Kinderrollen für skurrile Anblicke sorgt. Und die Umweltschutz- und Tierschutzmoral des Stoffes ist zwar löblich, von Autor Derek Connolly aber arg schwerfällig umgesetzt.

Als amüsanter, statt brüllend-komischer, und besonnen-abenteuerlicher, statt durchgeknallter und aufregender, Familienfilm positioniert sich «Monster Trucks» irgendwo in einem Publikumsniemandsland. Den Einen zu albern, den Anderen zu harmlos. Vielen Älteren zu kindlich, wohl vielen Kindern zu altmodisch. Aber als liebenswerte, originäre Familienunterhaltung, die das Heute und das Gestrige versiert vereint, dürfte «Monster Trucks» wenigstens einige Neugierige in dieses Niemandsland locken. Es ist «Elliot, der Drache» mit Metall, Motoren und Tentakeln. Das lädt vielleicht zum Naserümpfen ein – dank der souveränen, wenngleich nicht ideenstarken Umsetzung wird es aber auch einige kleine Kinogänger und im Herzen junggebliebene Filmfreunde auf unerwartete Weise verzaubern.

Fazit: Ein unter der Motorhaube eines Trucks lebendes Tentakelmonster und seine menschlichen Freunde: Was nach irrem Familienwahnsinn klingt, ist in Wahrheit ein verspielter, knuffiger Familienspaß nach alter Schule, dem schlicht der glühende Funken Etwas fehlt.

«Monster Trucks» ist ab sofort in einigen deutschen Kinos zu sehen – in 2D und 3D.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Quotermain
26.01.2017 15:13 Uhr 1
Besonders kreativ waren die aber nicht.
Das Monster sieht ja aus wie Ohnezahn/Toothless aus Drachenzähmen leicht gemacht

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