Sonntagsfragen an Sebastian Hellmann

Herr Hellmann, ich grüße Sie. Ein Thema beschäftigt die Bundesliga derzeit: Der Fall Robert Hoyzer. Dieser hatte nun sogar einen großen Auftritt in der Talkshow von Johannes B. Kerner. Während des Interviews habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, ob man mit Herrn Hoyzer Mitleid haben sollte…

Das ist eine schwere Frage. Herr Hackmann von der DFL hat das ganz gut wiedergegeben. Er kritisierte, dass man ihm jetzt so eine Plattform gibt und ihn gewissermaßen zum Star aufbaut. Seine Präsenz ist auf jeden Fall enorm. Aber auf der anderen Seite bin ich eigentlich auch ein Verfechter für die zweite Chance. Zwar keine zweite Chance als Schiedsrichter, aber warum sollte man ihn, wenn er seine Strafe verbüßt hat, nicht wieder ins normale Leben integrieren? Er sollte nicht sein ganzes Leben lang verachtet werden, aber so wie es momentan läuft, dass er rumgereicht wird und sich smart verkauft, in dem er große Reue zeigt, das ist mir eigentlich ein bisschen zu viel.



Genau dieser Punkt wurde vor dem Auftritt bei Johannes B. Kerner kritisiert. Auch ein anderer Schiedsrichter hat für Schlagzeilen gesorgt. Jürgen Jansen, der von Hoyzer schwer beschuldigt wurde. Er hat auf einer Pressekonferenz mit Videoanalysen versucht seine Unschuld zu beweisen. War das ein intelligenter Schritt?

Jeder holt sich einen Rat. Jürgen Jansen hat sich sicherlich mit seinem Umfeld besprochen und sich überlegt, wie er das am Besten macht. Wenn er von seiner Unschuld überzeugt ist und glaubt, dass das der richtige Weg ist, dann finde ich das okay. Das Problem ist aber allgemein, dass wir eigentlich nichts wissen. Alles beruht nur auf „eventuell hat der Zeuge gesagt, dass vielleicht…“ Herr Hoyzer hat alles zugegeben und hat das bei Herrn Kerner bereut – jeder Journalist und jede Redaktion muss jetzt beurteilen, wie man da vorgeht. Genauso wie Sie sagen, dass das interessant ist und Sie es auf Quotenmeter.de veröffentlichen. Auch bei Herrn Jansen sind das ganz persönliche Befindlichkeiten, die ihn dazu veranlasst haben. Was dabei raus kommt, da muss man abwarten. Es gibt viele, bei denen das funktioniert hat und es gibt viele, bei denen das überhaupt nicht geklappt hat. Siehe Christoph Daum, der gesagt hat: „Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe.“ Dann ist die Sache aber nach hinten losgegangen.



Es wird von einem Imageschaden für den Deutschen Fußball geredet auch in Bezug auf die WM 2006 in Deutschland. Glauben Sie, dass in einem halben Jahr da überhaupt noch ein Hahn danach kräht?

Wenn es so ist, wie es sich momentan darstellt, dass einige Spiele manipuliert worden sind und der DFB sich weiterhin so bemüht, alles aufzuklären und in nächster Zeit alles ausgeglichen wird, so dass keiner einen wirklichen Schaden davonträgt, glaube ich, dass sich der Imageschaden in Grenzen hält. Die Bundesliga ist einfach ein Superprodukt und das sage ich nicht, weil ich Premiere-Moderator bin. Die Liga boomt – wir haben Rekordzuschauerzahlen in der Hinrunde gehabt, wir haben tolle Arenen, das macht einfach richtig Spaß. Ich glaube, dass die Fans die Lust an diesem Sport deswegen nicht verlieren. Auch nicht in Hinsicht auf die WM. Im Gegenteil: Das schweißt vielleicht sogar noch mehr zusammen.



Die Diskussion um den Videobeweis ist vor allem für uns Fußballfans sehr interessant. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Eigentlich bin ich für den Videobeweis. Aber: Da gibt es schon auch Probleme. Nehmen wir den Football als Beispiel. Da gab’s den Videobeweis, dann wurde er abgeschafft und seit 1999 gibt es ihn wieder. Beim Football ist das Spiel aber viel öfter unterbrochen. Die machen sich gar keine Sorgen, wo oder wann der Videobeweis zum Einsatz kommt. Nach einer Spielszene ist das Spiel zu Ende und dann gehen alle vom Platz und schauen sich die Situation eben noch mal an. Im Fußball wäre das schon mal schwieriger, weil man nie weiß, wo man das Spiel wirklich anhalten soll. Wartet man bis zur nächsten Szene? Wie lange hält man das Spiel an? Zudem sind die Szenen im Football nicht so kritisch wie bei uns im Fußball. Im Eishockey kann ich zu 99 Prozent sagen, ob es ein Tor war oder eben nicht. Bei der Szene Lehmann gegen Krespo im Länderspiel frage ich mich, wie ein Schiedsrichter in 90 Sekunden entscheiden will, ob das Foul war oder nicht. Im Football bekommt der Schiri in den 90 Sekunden vier, fünf Slomos eingespielt und entscheidet. Da sehe ich im Fußball Schwierigkeiten. Eine weitere Frage ist, wie oft man das Spiel anhält. Beim Football wird das Team dafür bestraft. Werfen die das rote Tuch, der Schiedsrichter hatte aber dennoch richtig entschieden, haben sie statt drei nur noch zwei Auszeiten. Wie soll das im Fußball gehen? Darf die Mannschaft dann nur zwei Spieler auswechseln? Der Vorschlag hört sich gut an – auch was das Thema Manipulation angeht, aber mir hat noch niemand ein Konzept vorgelegt, bei dem ich sage: Das ist eine tolle Idee.



Gehen wir kurz weg vom Fußball zum Football. Sie waren für Premiere beim Super-Bowl im Stadion. Wie war die Atmosphäre dort?

Das war natürlich sensationell. 80.000 Zuschauer, das ist schon richtiges Gänsehautfeeling. Die Eagles-Fans waren aber in der Überzahl. Wie die ganze Show aufgezogen wurde, mit Paul McCartney in der Halbzeitpause, das war echt klasse.


Wo liegt der Unterschied zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Sportfan?

So groß ist der Unterschied da nicht. Die Amerikaner sind einfach patriotischer. Das Supporten eines Teams ist wichtiger. Entweder man schreit für die Patriots oder für die Eagles. Bei uns sind auch viele fußballinteressierte Leute im Stadion, die sich das Spiel anschauen, weil sie guten Fußball sehen wollen und nicht weil sie sagen, dass ihre Mannschaft jetzt gewinnen muss. Wenn man jetzt im Stadion in Dortmund ist, dann ist das genauso eine Gänsehautstimmung wie beim SuperBowl, aber dort kommt noch die Pre-Game-Show und die Halbzeitshow dazu. Das ist natürlich auch das außergewöhnlichste Ereignis im Sport. Dennoch können wir mit dem Stadion und der Atmosphäre schon mithalten.



Bereits am Sonntag geht's weiter. Dann erklärt Sebastian Hellmann, warum jeder Fußballfan einen Premiere-Dekoder besitzen sollte und wie sich sein Fußballsamstag gestaltet.

16.02.2005 19:03 Uhr  •  Manuel Weis Kurz-URL: qmde.de/8767

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