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Selten schien der Turnaround für Sat.1 greifbarer als seit der Präsentation des neuen Programms, meint unser Redakteur Julian Miller.

Es wird einem nun nicht gerade wie Schuppen von den Augen gefallen sein. Dennoch ist es bemerkenswert, wie selbstkritisch sich das Führungspersonal von Sat.1 seit seiner Programmpräsentation gibt. So wie es derzeit läuft, kann es nicht weiter gehen, lautet der Tenor.

Natürlich weiß das jeder, der mit der Branche in irgendeiner Form zu tun hat, schon längst. Einstellige Monatsmarktanteile bei einem privaten Vollprogramm, das ist der Supergau.

Dass Nicolas Paalzow und sein Team nun in die Hände spucken, ist deshalb kein Zeichen von Mut, sondern der Ausfluss einer wirtschaftlichen Notwendigkeit – mit dem Pluspunkt, dass alle Beteiligten eigentlich nur davon profitieren können: die Zuschauer, die Werbekunden und letztlich auch die Marke Sat.1.

Paalzow will sich dabei auf die (derzeit eher wenigen) Stärken des Senders besinnen und ihn gleichzeitig völlig neu aufstellen. Eine Gratwanderung, die unausweichlich ist, aber leicht scheitern kann.

Den Worst-Case hat man im Herbst erlebt, als Sat.1 seine Serienkompetenz weiter ausbauen wollte, dabei jedoch lediglich drei Rohrkrepierer zustande kamen, die deutlich weniger qualitative Stärken als «Danni Lowinski», «Der letzte Bulle» oder «Pastewka» hatten und wahrscheinlich gerade deswegen beim Publikum nicht ankamen. Narrative Dutzendware, die zu sehr auf Zuschauerkonsens getrimmt ist, wie «Es kommt noch dicker» oder «Auf Herz und Nieren» findet man schließlich auch bei anderen Sendern. Auch wenn diese Formate noch Joachim Kosacks Hinterlassenschaft waren, muss Paalzow mit seinen neuen Serien, die 2014 starten sollen, nun umso mehr liefern. Wenn ihm das gelingt, wäre das wohl der größte Gewinn für den Sender.

Im Showbereich soll «Celebrity, äh «Promi Big Brother» dem Sender zu mehr Profil verhelfen. Die Ausflüge ins Trash-TV sind für Sat.1 wahrlich nicht neu; die zumindest augenzwinkernden Grimme-Preis-Hoffnungen lassen jedoch erkennen, dass man sich im Sinne der Qualität des Formats durchaus Mühe gibt und die Idee „RTL II meets Dschungelcamp“ zu Ende gedacht haben könnte.

Das Fazit der Programmpräsentation von Sat.1 ist eindeutig: Selten schien ein Turnaround in absehbarer Zeit greifbarer. Denn immerhin scheint man nun die grundlegenden Probleme erkannt zu haben und sich auch in der Lage zu sehen, die richtigen Schritte einleiten zu können. Man will das von RTL abgekupferte Vorführ-Fernsehen eindämmen (So steht etwa das Ende von «Tierisch verliebt» bereits fest), das der Marke eher geschadet als genutzt hat, und gleichzeitig nicht die Fehler wiederholen, die die Fiction-Offensive von vor einigen Monaten als heiße Luft verdampfen ließ. Mit klugen Ideen wird dies nicht allein gelingen; man wird sie auch ansprechend umsetzen müssen. Vorschusslorbeeren hat sich Sat.1 in den letzten Monaten nicht gerade verdient. Und ob «The Taste» ein neues «The Voice» werden kann – da gibt es durchaus Grund, skeptisch zu sein.

Doch Sat.1 ist seit jeher für Überraschungen gut. Die für Branchenverhältnisse unverblümte Selbstkritik der letzten Tage ist dafür ein Beispiel.

Hoffentlich sind es aber in Zukunft mehr positive Überraschungen als in letzter Zeit.

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