Uwe Walter

Die neue Verletzlichkeit

von

Gebrochene Figuren sind unsere neuen Lieblinge - nicht erst seit «Skyfall». TV-Berater Uwe Walter sagt, warum.

Wer hätte das gedacht? James Bond hat nicht nur ein Kindheitstrauma, sondern ist auch sonst so gar nicht der harte Bursche, für den wir ihn über Jahrzehnte gehalten haben. Aber «Skyfall» ist viel mehr als der Bondstreifen, der uns James in vielen ungeahnten Facetten zeigt. Als Kind, als Trauernden, als Schwachen. «Skyfall» ist ein Trend. Denn: die Helden fallen vom Himmel.

James Bond von der Brücke und von dem Podest, auf das wir ihn jahrelang gestellt haben. Doch er ist bei weitem nicht der einzige, der sich blaue Flecken holt. Ryan Hardy aus «The Following» startet als gebrochener Held und Ex-Agent. Von einem psychotischen Massenmörder systematisch verunsichert sinkt er immer tiefer. Menschen, für die sich Hardy verantwortlich fühlt, werden getötet und entführt – während er sie beschützt. Und um ihn endgültig angreifbar zu machen, ist die Exfrau des Massenmörders gleichzeitig die Frau, die er liebt.

Auch im freien Fall: Rayna James, die in die Jahre gekommene Countrysängerin aus «Nashville». Konfrontiert mit der Tatsache, dass sich ihre neue CD genauso schleppend verkauft, wie ihre Tourtickets, muss sie sich entscheiden: Entweder sie schluckt ihren Stolz runter und spielt als Opening Act für den Teenie-Country Star Juliette Barnes, oder sie geht unter.

In «Girls» fallen alle und ständig. Aus Jobs, Beziehungen, Freundschaften, und vermeintlichen Sicherheiten. Da ist kein Platz für die falschen Eitelkeiten vergangener Serien. Al Bundy hatte immer seine Hand in der Hose, auch wenn er nicht der Chef im Ring war. Carrie Bradshaw sah immer gigantisch aus – auch wenn sie tief drinnen unglücklich war. Madonna ließ sich von Guy Ritchie scheiden – auf der Bühne sah man ihr das nie an.

Ganz anders Adele: Die schreibt Songs, damit sie weiterleben kann. Zum Beispiel mit der Schmach, dass ihr Exfreund sie nie heiraten wollte. Aber ein paar Monate, nachdem sie sich getrennt hatten, fand er eine Frau, der er einen Antrag machte. Sie war es wert – Adele nicht. Diesen Schmerz herauszusingen, diese Verletzlichkeit zu zeigen, das ist neu.

Die oberste Liga der Kreativen hat begriffen: Kein Erfolg ohne Menschlichkeit, Verletzlichkeit und Narben auf der Seele. Die bipolare Carrie Mathison und der traumatisierte Nicholas Brody aus «Homeland». Der übergangene Francis Underwood aus «House of Cards».

Jetzt ist klar: Je mehr Du von Dir zeigst, umso mehr erkennen sich Deine Zuschauer und Zuhörer wieder. Je authentischer Du Dein Innerstes Preis gibst, desto höher die Quote, die Reichweite und die Downloads.

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