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Florian Schroeder: „Privatsender hätten zu viel Angst“

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Es war der Comedy-Neustart dieses Monats: «Das Ernste» in der ARD. Im zweiteiligen Quotenmeter.de-Interview spricht Florian Schroeder über die erste Sendung und Vor- und Nachteile von privaten und öffentlich-rechtlichen Formaten…

Florian Schroeder, wie bezeichnen Sie sich eigentlich selbst? Kabarettist? Comedian? Autor? Oder doch Moderator wie bei «Das Ernste»?
Ich würde im Zweifel sagen: Satiriker und Entertainer – dann ist man aus den ganzen Bezeichnungen raus. Ich habe zwischen Kabarett und Comedy nie unterschieden. Ich halte das letztlich für eins. Ich bin Moderator, ich bin Autor. Humorist finde ich ein schönes Wort. Ist leider ein bisschen aus der Mode gekommen, aber das trifft es ganz gut.

Wird die Sendung 2013 fortgesetzt?
Ich hoffe. Das wird sich dann in Gesprächen im neuen Jahr dann entscheiden. Wann immer der erste Unterhaltungsgipfel der ARD auf den Cayman-Islands stattfindet… (lacht).

Wie zufrieden sind Sie mit der Quote der Pilotsendung?
Ich denke, das war ein sehr guter Start für ein vollkommen neues Format. Das hätte sich niemand im Team träumen lassen. Wir haben intern eher aus Spaß gesagt: Wenn wir über zehn Prozent bekommen, machen wir eine Flasche Schampus an Heiligabend auf. Jetzt haben wir den Salat und werden auch noch Weihnachten zusammen verbringen.

«Das Ernste» erinnert an Formate wie die «heute Show» und «Switch». Inwieweit unterscheiden sich die Formate?
Die unterscheiden sich grundsätzlich. Die «heute Show» arbeitet ja mit erfundenen Reporterfiguren. Die haben eine ganz anderen satirischen Blick und einen anderen Zugang zu den Themen, den ich wundervoll finde. Aber das ist anders als bei uns. Wir arbeiten ausschließlich mit Figuren wie Prominenten und Politikern. Wir lassen die Personen selbst sprechen. Wir gucken sozusagen von innen aus den Figuren. Das ist einfach ein anderer Zugang. Das ist nicht besser, nicht schlechter, aber anders. Gegenüber «Switch» unterscheiden wir uns dadurch, dass unser Fokus auf der Politik liegt. «Switch» ist eine wundervolle Fernseh-Parodie, wir sind aber eine Nachrichten- und Politik-Parodie.

Aber sind die Zuschauer nicht schon gesättigt an Comedy-Nachrichtensendungen?
Nein, wir sehen uns auch nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den anderen Formaten. Da sind die Amis ein Vorbild. Ich bin ja großer Late-Night-Fan. In Amerika hat auch jedes große Network mindestens zwei Late-Night-Shows, die jeden Tag hintereinander weg laufen. Alle Studios sehen gleich aus, überall steht ein Schreibtisch. Aber hinter jedem Schreibtisch sitzt ein anderer Moderator. Und jeder ist eine Marke für sich. Mein Eindruck ist, dass man in Deutschland lieber über die gleich aussehenden Schreibtische mäkelt, statt die unterschiedlichen Qualitäten der Moderatoren dahinter zu sehen.

Passend dazu bezeichneten Sie sich selbst schon mal als „Fernseh-Nymphomane“...
(lacht) Ich wurde da gefragt, ob ich privat auch lustig bin. Da habe ich gesagt: Wenn es gewerblich wird, dann bin ich zu allem bereit, dann bin ich ein Fernseh-Nymphomane. Eigentlich wollte ich Fernseh-Nutte sagen. Aber das war mir als Schlusspointe doch zu derb. Obwohl… Das war ein Boulevard-Magazin, vielleicht wäre das doch besser gewesen und ich wäre damit auf die Eins gekommen? (lacht)

Ja, vielleicht… Dafür hätten wir jetzt vielleicht schon die passende Überschrift für Sie…?
(lacht) Ja… Wobei das eigentlich gar nicht stimmt. Dafür habe ich noch nicht genügend Sender durch.

Gibt es denn Gags, die Sie bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht bringen würden?
Nein, gar nicht. Wir hatten weder eine Schere im Kopf, noch haben wir irgendwelche Vorgaben von der ARD bekommen. Im Gegenteil: Man hat uns eher ermutigt, frech zu sein und auch gegen das eigene Haus die eine oder andere Pointe zu platzieren. Da gibt es überhaupt keine Probleme. Ich halte «Das Ernste» tatsächlich für ein öffentlich-rechtliches Format. Ich glaube, dass das die Häuser sind, die noch die nötige Geduld haben, um Dinge aufzubauen und ihnen die Zeit zu geben, die sie brauchen, um zu wachsen. Das sieht man auch an der «heute Show» die heute nicht da wäre, wo sie ist, wenn man nicht einen sehr langen Atem gehabt hätte.

Was meinen Sie mit ein „öffentlich-rechtliches Format“?
Ein öffentlich-rechtliches Format ist ein Format, das sich mit politischen Themen auseinander setzt. Ich glaube, die Privatsender hätten da viel zu viel Angst, nach dem Motto: Da sagt einer Steinbrück! Oh Gott, den kennen unsere Zuschauer nicht! Da hat man, was die Satire angeht, im Öffentlich-Rechtlichen einfach mehr Möglichkeiten. Ich glaube, man neigt bei den Privaten stärker dazu, das eigene Publikum massiv zu unterschätzen und entsprechend kein Risiko einzugehen.

Aber das Image der ARD war bisher eher wenig durch Comedy geprägt, oder?
Mag sein. Ich glaube, dass das Ganze zyklisch verläuft: Es gab Zeiten, da war die ARD weit vorne: Da gab es «Rudis Tagesshow», später «Scheibenwischer» und «Loriot» – alles eben bei der ARD. Das ZDF hat über Jahrzehnte nichts gemacht. Alles wurde verhindert. Damals war die ARD Vorreiter, dann holte das ZDF auf. Die ARD beweist ja jetzt mit uns, dass sie auch einen anderen Weg bereit ist zu gehen mit einer jüngeren Generation und einem neuen Comedy-Format, dem sie eine Chance geben. Ich finde es gar nicht schlecht, da zu sein, wo man noch etwas aufbauen kann.

Ihre Pilotsendung lief um Mitternacht. Wie sehr ärgert Sie dieser Sendeplatz?
Ich finde es eigentlich ganz gut, dort zu senden. Erstens hatte ich am Abend davor noch einen Bühnenauftritt und habe deshalb darauf bestanden, dass wir erst so spät senden, damit ich selber wieder im Hotel bin und das gucken kann. (lacht) Zweitens lief Dieter Nuhr vor uns. Das finde ich großartig. Das war ein wunderbares Lead-In. Ich glaube, es ist gut, versteckt anzufangen und sich dann Schritt für Schritt nach vorne zu arbeiten. Es wäre doch Schwachsinn, sich um 21.15 Uhr die Finger zu verbrennen mit einem Piloten, also einem Experiment. Wenn wir in Serie gingen, würden wir sicherlich noch die eine oder andere Stellschraube justieren und uns weiterentwickeln. Von daher ist es für die erste Sendung nur von Vorteil, das Ganze ein bisschen zu verstecken und dann kann man aufbauen.

Stimmt, Dieter Nuhr hatte ordentliche Quoten. Wie sehr beschäftigt Sie der Quotendruck?
Vor der Sendung mehr als danach. Dass der Zuspruch der Zuschauer so groß war, ist das schönste Kompliment. Ich finde es ja auch legitim, dass man auf Quote schaut – auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Man will gesehen werden. Es darf nur nicht das Einzige sein, worauf sich der Blick richtet. Wir hatten das Glück, keine Vorgaben vom Sender zu haben. Die standen nicht da und sagten, wenn Ihr so und so viel erreicht, dann geht es weiter und wenn Ihr so und so viel nicht erreicht, war´s das. Da ist man bei der ARD sehr entspannt. Der Ziel eines Piloten kann nicht sein, ein finales Produkt zu präsentieren, man kann nur eine Zielrichtung vorgeben und sagen: Das bieten wir Euch an und wir sind bereit, uns zu entwickeln, wenn Ihr uns den Raum gebt. Wenn dann die Quote noch gut ist, dann ist das wunderbar – wenn nicht, dann wird man die aufbauen.

Sie drehten auch im «Tagesthemen»-Studio. Wie war das?
Ja, aber nur ganz kurz. Das wurde so geschrieben, weil es gut klang – wie es halt in den Medien so üblich ist. Wir hatten nur eine halbstündige Audienz im «Tagesthemen»-Studio. Jo Brauner ist ja mein Co-Moderator. Dem ist es gelungen, Caren Miosga und Tom Buhrow kurzzeitig bewusstlos zu machen mit Medikamenten, die ich nicht kenne. (lacht) Da hatten wir dann eine halbe Stunde zum Drehen. Das war schon sehr erhebend.

Gab es denn dort Hemmungen auch das eigene ARD-Haus zu parodieren?
Nein, gar nicht. Das fand ich ja auch schön, dass man uns von Anfang an angeboten hat, uns in die heiligen Hallen zu stellen und da auch die echten Kamerafahrten zu drehen. Das zeigt ja, dass da die ARD Willens ist und Selbstironie zeigt. Das Studio ist kleiner, als man denkt. Da ist auch so ein Spirit in der Redaktion, man hat das Gefühl, man ist in einem Machtzentrum, wenn man da durch die Räume läuft.

Wie feierten Sie Weihnachten?
Ich feierte Weihnachten zu Hause in Berlin, wo ich lebe. Ich fahre nirgendwo hin, weil ich sonst das ganze Jahr schon durch die Gegend fahre. Ich bin froh, wenn ich mal endlich zu Hause sein kann. Berlin an Weihnachten ist toll, weil die Stadt schön leer ist.

Aber dafür ist es Silvester umso voller...?
Ja, aber Silvester trete ich auf. Da spiele ich wieder meinen Jahresrückblick zusammen mit dem Kollegen Volkmar Staub. Wir sind so wahnsinnig und sind ab 26. Dezember wieder jeden Abend auf der Bühne – so auch an Silvester. Das muss so ein, weil man so einen Jahresrückblick nur sechs Wochen spielen kann. Dann zählt jeder Abend.

Vielen Dank für das Gespräch, Florian Schroeder.
Im zweiten Teil des Interviews verrät Florian Schroeder, wie er auf negative Kritiken reagiert, wie parodierte Promis auf ihn reagieren und was seine Top und Flops 2012 waren…

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