Die Kritiker

«Auf Herz und Nieren»

von

Culture Clash at its best? Schönheitschirurg Heller sieht sich plötzlich einem Wartezimmer voller Kassenpatienten gegenüber. Wie gut die neue Sat.1-Arzt-Serie mit Max von Pufendorf und Stefanie Stappenbeck ist, weiß Quotenmeter.de.

Inhalt:


Dr. David Heller überzeugt mit einem unverwechselbaren Gespür für die richtigen Diagnosen. Seine wahre Berufung jedoch sieht der luxusverliebte Mediziner in der Schönheitschirurgie. Schließlich zahlen die Leute meist mehr für einen tollen Körper als für ihr Leben. Geld wiederum interessiert seine Kollegin Nina Hansen nur am Rande. Ihr Credo: den Menschen zu helfen, egal ob krankenversichert oder nicht.

In der ersten Episode ist Tobi ein besonders schwerer Fall. Der Junkie steckt mitten in einem Metadon-Programm, trickst allerdings bei der Abgabe seiner Urinprobe. Genau das fällt Dr. Heller, der seine Kollegin Hansen vertritt, auf. Kurzerhand fliegt Tobi aus dem Programm und droht somit wieder vollkommen abzustürzen, weil auch seine süße und schwangere Freundin ihn aus der Wohnung wirft.

Darsteller:


Gerhard Garbers («Adelheid und ihre Mörder») ist Dr. Hansen
Max von Pufendorf («Unter anderem Umständen») ist Dr. David Heller
Stefanie Stappenbeck («Das Kindermädchen») ist Nina Hansen
Marian Meder («Mann kann, Frau erst recht») ist Düse
Kristina Dörfer («Verbotene Liebe») ist Tamara

Kritik:


Wer anhand der Inhaltsbeschreibung glaubt, dass «Auf Herz und Nieren» ein 08/15-Arztdrama mit zwei möglichst unterschiedlichen Charakteren im Mittelpunkt ist, der irrt nicht. Das wäre aber noch gar nicht so schlimm. Die Pilotepisode enttäuscht zudem, weil die Handlung absolut vorhersehbar und das Verhalten der Protagonisten zuweilen absolut nicht verständlich ist. In der Hauptrolle: der von Max von Pufendorf gut verkörperte junge Schönheitschirurg Dr. David Heller, der eben mal im Flugzeug von Amerika nach Berlin ein Kind auf die Welt bringt und eigentlich in zwei Tagen Oberarzt in Berlin werden soll. Und weil alles so rund läuft, kann er sich auch noch auf ein sexuelles Abenteuer am Steuer eines Porsche einlassen – blöd nur, dass ein älterer Herr direkt vor seinem Sportwagen zusammenbricht.

Die beiden kennen sich nicht, Heller aber schafft den älteren Mann in ein Krankenhaus und soll im Gegenzug dessen Praxis übergangsweise (und später komplett) übernehmen. So weit so unlogisch. Irgendwie musste Autor Daniel Douglas Wissmann den schnöseligen Mediziner aber in eine Otto-Normal-Praxis verfrachten. Was dann folgt, ist sogar relativ gut umgesetzt. Heller trifft natürlich der Schlag – was er auch mehr als deutlich macht. „Die beiden Omas langweilen sich nur, die haben nix, der Junkie will nur Codein abgreifen und der Junge hat sich an Süßigkeiten überfressen.“ Der Blick ins Wartezimmer der Praxis fällt also eindeutig aus. Da sitzen nur „Kassenpatienten; die haben nix und bringen nix.“

Heller verrichtet seinen Dienst dort trotzdem – und zwar in einer Manier, wie man sie von «Dr. House» nicht besser kennen könnte. Er arbeitet die Patienten ab, jedoch vollkommen ohne Gefühl. Und genau das wünscht sich schließlich ja die durchschnittliche Frau um die 40 nicht, für die die Serie hauptsächlich gemacht ist. Dennoch hat der gut aussehende Doc so seine Reize. Auch wenn er in der Praxis schnell „Dr. Großkotz“ genannt wird, gefällt auch seiner Kollegin Nina Hansen, was er tut. Das meint man zumindest. Immerhin gewährt sie ihm Unterschlupf, als seine Brieftasche und somit auch sein Geld geklaut wird.

Die Beziehung der beiden ist aber weiterhin undurchsichtig und irgendwie auch unlogisch. Nach einem unglaublich intensiven Moment der beiden, der für Heller in einem Drama endet (die beste Szene der Pilotepisode!), scheint das Verhältnis der beiden umzuschlagen. Als Heller dann dauerhaft in der Praxis des älteren Herren (der Onkel von Nina Hansen) arbeiten soll, flippt jene vollkommen aus – davon ist jedoch schon zehn Minuten später wieder nichts mehr zu merken. Es scheint als hätte man die Gefühlsschwankungen eines gewöhnlichen Sat.1-Romantic-Comedy-Movies noch einmal beschleunigt. Der Satz „Ich weiß nicht, was in dich gefahren ist“, ist passend gewählt, denn auch der Zuschauer dürfte eher mit einem Achselzucken vor den TV-Geräten sitzen.

Letztlich läuft in der Pilotepisode aber doch alles so, wie man es nach bereits fünf Minuten erwartet hat. Selbst der ungewöhnlich mutige „Fall der Woche“ um einen Junkie im Metadon-Programm präsentiert sich am Ende als relativ weichgespült und mainstreamtauglich. Mehr Mut hätte dem Format hier gut getan. Das gilt auch für die optische und musikalische Aufmachung (Regie: Zoltan Spirandelli). Im Hintergrund dudeln Mainstream-Hits von Green Day, Mika und Oasis – Geschmackssache, ob diese den Genuss des Formats erhöhen oder nicht doch eher schmälern.

Letztlich kann das Ergebnis der Pilotausgabe nicht zufrieden stellen. Denn eigentlich wäre trotz der abgenudelten Grundkonstellation viel mehr möglich gewesen. Nach dem Piloten hatten die Macher noch fünf Folgen lang Zeit, der Serie irgendetwas zu geben, das sie vom Arzt-Romantic-Einheitsbrei abhebt. Vor allem wegen der wirklich starken Hauptdarsteller und wegen der zunächst nur touchierten episodenübergreifenden Storys der Hauptfiguren wäre es dem Format zu wünschen.

Sat.1 zeigt «Auf Herz und Nieren» ab Montag, 17. September 2012, um 21.10 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/59200
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