Die Kritiker

«Es kommt noch dicker»

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Sat.1 startet die erste seiner vier neuen eigenproduzierten Serien: Darin wird Wolke Hegenbarth von 54 auf 120 Kilo aufgeblasen. In ihrer Rolle als Jessica/Marie merkt sie schnell; Vollschlanke haben es nicht leicht.

Story


Es läuft eigentlich perfekt für Jessica: Sie ist Hotelmanagerin, attraktiv, hat eine tolle Ausstrahlung. Doch nach einer Gewitternacht sieht die Welt plötzlich komplett anders aus: Sie wiegt auf einmal mehr als doppelt so viel, während ihre ehemals dicke Assistentin Rike plötzlich dünn ist. Die beiden schmieden einen Plan: Rike soll die Geschäftsführung übernehmen, während die pummelige Jessica sich als eigene Schwester Marie ausgibt und heimlich weiterhin die Zügel in der Hand hält. Das aber entpuppt sich als recht schwierig.

Ohne die scharfen Waffen einer attraktiven Frau kämpft es sich auch im Hotel-Business deutlich schwerer. Besonders Carl, mit dem Jessica kürzlich ein Stell-Dich-Ein hatte, ist immer noch fassungslos über das abrupte Verschwinden und der dicken Marie deshalb von vornherein nicht sonderlich positiv gegenüber gestimmt.

Und auch sonst regt sich einiges im Hotel: Manu, die Giftspritze des Hauses, sieht nach dem Verschwinden von Jessica endlich die Chance, selbst den Chefsessel zu erklimmern und hat auch schon recht genaue Pläne, wie das funktionieren kann. Unterstützung bekommt sie von Stefan Obermayer, dem Personalchef, der ebenfalls nach Höherem strebt.

Darsteller


Wolke Hegenbarth («Heiter bis tödlich – Alles Klara») ist Jessica/Marie
Theresa Underberg («Verbotene Liebe») ist Rike
Edita Malovcic («Zweiohrküken») ist Manu
Manuel Witting («SOKO Wien») ist Carl
Bürger Lars Dietrich («Die Wochenshow») ist Oleg
Julian Weigend («R.I.S.») ist Stefan

Kritik


«Es kommt noch dicker» tritt in Sat.1 ein schweres Erbe an. Es ist die erste Serie, die sich nach den Megaerfolgen «Der letzte Bulle» und «Danni Lowinski» beweisen muss. Dabei ist sie vollkommen anders als die Vorzeigeproduktionen; unter anderem auch, weil sie kein typisch deutsches Thema behandelt. Vielmehr ist der zu Grunde gelegte Stoff kein neuer. Serien wie «Drop Dead Diva» oder zahlreiche Filme haben ähnliche oder fast exakt gleiche Geschichten erzählt. Dennoch wäre es nicht fair, die Serie als lieblosen Abklatsch solcher Komödien zu bezeichnen. Die Firmen Producers at work («Plötzlich Papa», «R.I.S.», «Anna und die Liebe») und epo-film haben nämlich eine Serie geschaffen, die durchaus ihren Reiz hat.

Und der hängt fast immer mit der großartigen Wolke Hegenbarth zusammen. Der Star aus «Mein Leben & Ich» spielt eigentlich die attraktive Jessica, eine Hotel-Managerin in Österreich. Als diese ist Hegenbarth aber nur kurz zu Beginn der Pilotfolge zu sehen. Danach wird sie recht schnell zu Marie, angeblich der dicken Schwester von Jessica. Denn: Den Mumm, der Belegschaft und vor allem dem von Manuel Witting gespielten Carl zu gestehen, dass sie nun etliche Pfunde mehr auf den Rippen hat, hat die Geschäftsfrau nicht.

Genau hier beginnt die Serie spannend zu werden: Ohne Frage ist die Managerin tough, hart, unfreundlich, dynamisch und zielstrebig – all das haben ihre Angestellten in der Vergangenheit zu spüren bekommen. Aber die Figur hat einen sehr weichen Kern, der dann zum Tragen kommt, als sie die Welt mit mehr Kilos von einer anderen Seite zu sehen bekommt – oder wenn es eben um jenen Carl geht. Mit ihm hatte sie vor der Verwandlung eine heiße Liebesnacht – und kommt nicht mehr von ihm los. Aber als „Dicke“ hat sie wenige Chancen bei ihm. Die Oberflächlichkeit der Welt, deutlich zu spüren in diesem Luxushotel, macht ihr mehr und mehr zu schaffen.

Letztlich sind es auch die mitunter tollen Dialoge („Ich weiß nicht, ob du es gemerkt hast, aber zur Zeit gebe ich keine besonders gute Figur ab.“), die das Format durchaus sehenswert machen. Es gefällt vor allem, dass die Autoren Wiebke Jaspoersen und Marko Lucht dem Zuschauer auch selbst Interpretationsspielraum lassen. Nicht alles wird durchgekaut, vorgegeben und nochmal erklärt. Hinzukommt, dass die Serie aber so aufgebaut wurde, dass auch einzelne Episoden konsumiert werden können - man kann also auch Folge zwei problemlos schauen ohne Folge eins zu kennen. Dass die beiden Hauptfiguren Jessica/Marie und Rike zwar ihre Körper getauscht haben, nicht aber die Seelen, wird dennoch schnell deutlich. Lob geht vor allem an die Maske – vier Stunden hat es jeden Morgen gedauert, um aus der schlanken Wolke die vollschlanke Marie zu zaubern. Dass mit Silikon gearbeitet wurde und die Schauspielerin in ihrer Rolle mehr als doppelt so schwer ist als in echt, kommt in der Serie authentisch rüber.

Dass «Es kommt noch dicker» in Österreich spielt, verleiht dem Format einen zusätzlichen Charme – weder in Berlin, noch in Köln und auch nicht in München wäre das Format ähnlich gut aufgehoben. Vielleicht ist es auch eine Illusion, aber Wien und das Burgenland verleihen der Serie eine wohltuende Gemütlichkeit. Wichtig wird es sein – und das lässt sich zu Beginn noch nicht sagen – ob die Macher den Figuren deutliche Entwicklungen zugestehen. Das Grundmodell der forschen, aber doch verletzlichen Marie mag jetzt noch nicht ausgebraucht sein, dürfte aber eine Halbwertszeit von einer Staffel haben. Neue Impulse müssen also bald her, um sich auf diese Weise eben auch von den zahlreichen Movies mit ähnlicher Grundsituation zu unterscheiden.

Die Nebenfiguren sind mit Julian Weigend (spielte für Sat.1 schon in «R.I.S.» mit) als Personalchef und Edita Malovcic als Antagonistin gut besetzt. Einzig die Verpflichtung von Bürger Lars Dietrich ruft ein dickes Fragezeichen hervor. Hier ging es den Machern wohl nicht darum, ob dieser wirklich auf die Figur passt, sondern eher um dessen doch relativ prominenten Namen. Dietrich spielt einen polnischen Reinigungsmann, scheitert aber – logischweise – kläglich am polnischen Dialekt, der mehr als bemüht klingt. Das führt dazu, dass die im Grunde genommen gut erdachte Figur komplett ihren Reiz verliert.

Steffen Groth in einer Gastrolle als Rockstar mit Glatze (dafür aber mit Langhaarperücke, die schnell im Hotel verloren geht) verleiht der ersten Dreiviertelstunde Lockerheit und Humor – schade, dass seine Figur nicht durchgehend in Maries Welt Halt macht. Alles in allem ist «Es kommt noch dicker» nicht die Innovation, die Sat.1 mit seinen anderen beiden Serien gelungen ist. Genau das könnte letztlich auch eines der größten Probleme des Formats sein. Dennoch wurde eine schöne, freundliche Welt mit interessanten Charakteren geschaffen, die durchaus als verfolgenswert bezeichnet werden darf.

Sat.1 zeigt sieben Folgen von «Es kommt noch dicker» ab Montag, 10. September 2012, um 20.15 Uhr. Am ersten Abend wird eine Doppelfolge gesendet.

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