Popcorn und Rollenwechsel: Out & In

Publikumsmagnet Batman galt vor Jahren noch als Kassengift. Aber so läuft Hollywood: Was einst out war, ist später wieder in.

Mit «The Dark Knight Rises» startet diese Woche auch in Deutschland das seit mittlerweile vier langen Jahren erwartete Finale von Christopher Nolans Batman-Trilogie. Es ist nicht das erste Mal, dass die Kinosaga des Schattenritters in Fledermausmaske ihr Ende nimmt, wohl aber ist es das erste kalkulierte Ende für den Beschützer Gothams. Schon fünfzehn Jahre zuvor fiel Batmans (vorübergehend) letzter Vorhang, und zwar mit dem künstlerischen sowie finanziellen Flop «Batman & Robin». Diese Superheldenkomödie war, anders als «The Dark Knight Rises», zwar nicht als Abschluss der Filmreihe gedacht, doch aufgrund der desaströsen Publikumsreaktionen auf Joel Schumachers schrille Batman-Interpretation wurden sämtliche Pläne für eine Fortsetzung tief in die Aktenschränke Hollywoods vergraben.

Eine Gegenüberstellung von «The Dark Knight Rises» und «Batman & Robin» ist nicht nur die faszinierende Grundlage für einen Vergleich, wie unterschiedlich etablierte Figuren gedeutet werden können, sondern auch dafür, welche „künstlerischen Konjunkturschwankungen“ die Filmwelt durchläuft. Batman galt als Kassengift, gleich mehrere Ansätze, den Superhelden neu auf die Leinwand zu bringen, wurden aus wirtschaftlicher Sorge aufgegeben und dennoch endet fünfzehn Jahre später das Batman-Reboot als massiver Blockbuster. Diese Entwicklung wäre, mit einigen dramaturgischen Freiheiten, fast schon Stoff genug für einen eigenen Film, einmalig ist sie deswegen jedoch nicht.

Ein prominentes Beispiel für eine ähnliche, wenngleich deutlich mehr Zeit umfassende, Entwicklung ist das Genre des Piratenfilms. War dies in den Anfangsjahren des großen Hollywoodkinos sehr gefragt, drängten im Laufe der Fünfzigerjahre Western diese aufwändigen Abenteuerfilme ab. Vereinzelte Versuche, den Piratenfilm zurückzubringen stießen auf bestenfalls lauwarme Rezeption. 1995 besiegelte dann der kostspielige Misserfolg von «Die Piratenbraut», der bei einem Budget von 98 Millionen Dollar bloß 18 Millionen an den Kinokassen generieren konnte, in Hollywood den Glauben daran, dass die versoffenen Seeräuber pures Kassengift wären. Niemand in Hollywod wagte es, einen großen Piratenfilm in Produktion gehen zu lassen, und als Disney und Jerry Bruckheimer mit der Idee zu «Fluch der Karibik» ankamen, wurden sie von Branchenbeobachtern nahezu einstimmig ausgelacht – mittlerweile gehören drei Piratenfilme zur Top 20 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten.
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Auch der epochale Fantasyfilm war zwischenzeitlich tot. Und das sogar mehrmals. War in den Siebzigern ein Boom an Science-Fiction-Konzepten verantwortlich dafür, dass sich US-Studios wenig um das altbacken wirkende Genre kümmerten, gab es in den Achtzigern eine kurze Phase, in der brutalere Fantasy der Marke von «Conan der Barbar» Hochkonjunktur hatte. Mit dem Flop-Doppel «Conan der Zerstörer» und «Red Sonja» war dieses Genre allerdings wieder begraben. In den Neunzigern wurden zwar weiterhin Filme mit übernatürlichen Elementen produziert, dies waren jedoch zumeist Komödien. Der voll ausgewachsene Fantasyfilm kehrte erst 2001 zurück, dann jedoch mit voller Macht: «Harry Potter» und «Der Herr der Ringe» brachten das Fantasysepos zurück – weniger blutig, dafür umso aufwändiger und erfolgreicher. Seither sind Fantasyepen eine feste Bank im winterlichen Kinoprogramm, und auch wenn manche davon als Misserfolge abgehakt wurden (etwa «Der goldene Kompass»), hat Hollywood sie noch nicht völlig aufgegeben. Damit dies eintrifft, müsste kommenden Winter wohl «Der Hobbit» untergehen – was schwer vorstellbar ist.

Kommendes Jahr wiederum fliegt Superman erneut über die Leinwände. Nach «Superman IV» und dem gescheiterten Versuch, das in die Lächerlichkeit gezogene Franchise durch «Superman Returns» wieder auf Vordermann zu bringen, soll die «Man of Steel» betitelte Produktion für den Ur-Superhelden das tun, was Christopher Nolans Filmtrilogie für Batman errungen hat. Dass Nolan als Produzent an «Man of Steel» beteiligt ist, sollte die Investoren beruhigen. Die Moral von der Geschicht': So groß ein Misserfolg auch sein mag – mit genügend Zeit kommen in Hollywood alle Ideen wieder hoch. Und wenn es auch, wie im Fall von Superman, jemanden braucht, der mit einem anderen Konzept Erfolg feierte.

23.07.2012 00:00 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/58053

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