Hingeschaut

«Joko gegen Klaas»: Tolle Spielideen mit zu vielen Längen

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In einem «Duell um die Welt» kämpften die ewigen Rivalen diesmal um die Weltherrschaft. Spaß machte dies durchaus, auch wenn die Sendung deutlich kürzer hätte ausfallen müssen.

Dass Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf so etwas wie die Shootingstars der ansonsten eher an Nachwuchs mangelnden Moderatorenriege des deutschen Fernsehens sind, veranlasst vor allem ProSieben seit einiger Zeit dazu, immer wieder neue Formate mit den beiden auf Sendung zu schicken. Mit «17 Meter» landete man einen beachtlichen Erfolg, die Sendungen «Ahnungslos» und «Die Rechnung geht auf uns» liefen hingegen eher durchschnittlich. An diesem Samstagabend setzte der Privatsender über drei Stunden lang darauf, dass sie sich bei einem «Duell um die Welt» auf möglichst unterhaltsame Art und Weise bekämpfen. Diese Rechnung ging durchaus auf, doch es schlichen sich auch beträchtliche Längen in das neue Format ein...

Schon rein konzeptionell stellt man einmal mehr das ewige Duell der beiden Jungspunde in den Vordergrund, denn in insgesamt acht Ländern dieser Welt müssen sich entweder Joko oder Klaas je zwei Herausforderungen stellen, die sich der jeweils andere zuvor ausgedacht hat. Für die erste Aufgabe reist derjenige in das betreffende Land, die zweite Aufgabe findet stets im Studio statt. Nur wer beide Aufgaben erfolgreich absolviert, bekommt den "Länderpunkt" seinem Konto zugeschrieben. Mit anderen Worten bedeutet dies, dass es keinerlei direkte Duelle gibt, sodass immer nur einer der beiden gerade wirklich präsent ist. Bei den Studiospielen kann sich der in dieser Runde unbeteiligte Akteur immerhin noch durch hämische Kommentare oder die eine oder andere Spitze in Szene setzen, bei den im Vorfeld aufgezeichneten Spielen hingegen fällt der vermeintliche Duellcharakter beinahe komplett aus.

Die Herausforderungen an sich sind jedoch sehr unterhaltsam geraten, insbesondere bei den Außenwettkämpfen bekommt der Zuschauer einige skurrile Szenen geboten. So muss Klaas in Japan in einem besonders "verrückten" Outfit (was konkret bedeutet, dass er sich die Stirn mit einer Flüssigkeit aufpumpen lässt) an einem Karaokewettbewerb teilnehmen, über drei Runden blind gegen einen Thai-Boxer kämpfen oder in einer Zentrifuge für Kosmonauten den Song "Angels" von Robbie Williams singen. Das Highlight des Abends ist jedoch Jokos Match gegen eine mexikanische Wrestlerin, bei dem der Showkampf nicht nur für einige Lacher garantiert, sondern man sogar noch einige interessante Einblicke in das Training der Wrestler bekommt. Nicht alle diese Momente wirken tatsächlich komplett authentisch und insbesondere Joko neigt in einigen Szenen zur mehr oder minder gekonnten Überdramatisierung, aber den Zuschauer unterhält es prächtig.

Das Problem dieser Sendung ist aber nicht die leicht übertriebene Darstellung einiger Challenges, die durch dramatische Musik noch übersteigert wird, sondern oftmals eher die Länge dieser Einspieler. Somit wird aus der netten Idee, die jeweiligen Wettkämpfer ihre Reise in die verschiedenen Länder zusätzlich aus dem Off zu kommentieren, manchmal doch eine eher zähe Nummer, in erster Linie auch deshalb, weil es insgesamt immerhin acht dieser Länderreisen mit Einspielern von über zehn Minuten gibt. Mit einem sehr ähnlichen Konzept funktionierte dies bei «Elton reist» besser, weil man sich hier auf ein Land pro Folge beschränkte und oftmals sogar Einblicke in die Kultur des Landes bekam. Letzteres fällt bei «Joko gegen Klaas» beinahe komplett weg, hier liegt der Fokus eindeutig auf dem Wettbewerb - bei dem der Zuschauer jedoch nur selten wirklich mitfiebern kann.

Für einen noch größeren Unterhaltungswert hätte bei den Außenwettkämpfen wohl eine Beteiligung des Kandidaten gesorgt, der für die Aufgaben des jeweils anderen verantwortlich zeichnet. Dieser hätte dann ähnlich wie bei den Studiospielen die Aktionen seines Kontrahenten kommentieren können, sodass insgesamt eine stärkere Interaktion zwischen Joko und Klaas stattgefunden hätte. So jedoch sind die Spiele im Studio eindeutig kurzweiliger geraten - allerdings auch insgesamt klar unspektakulärer. Neben dem völlig uninteressanten "Zungen-Minigolf" für Joko sowie dem letztendlich enttäuschend langweiligen Versuch Klaas', mit dem eigenen Körper Raketen abzuwehren, gibt es aber auch hier einige sehr gute Ideen. Ein kleines Highlight ist das Pacman-Spiel, bei dem Joko als Pacman zehn Marshmallows essen und zudem vor einem "Geist" fliehen muss. Hier macht weniger die spektakuläre Umsetzung als vielmehr die unheimlich charmante Spielidee an sich den Reiz aus.

Moderiert wird die Sendung von Jeannine Michaelsen, die zuletzt als Internet-Expertin bei den EM-Übertragungen des ZDF eine mitunter eher peinliche Figur machte. Vor allem ihre Versuche, Oliver Kahn krampfhaft an Twitter heranzuführen, gerieten zu einer unfreiwillig komischen Nummer. Auch hier beginnt sie zunächst mit krampfhaften Versuchen, witzige Gags in ihre Moderation einzubauen, fängt sich aber im Laufe der Sendung zunehmend. Ihre Interpretation der Moderationsrolle erinnert insgesamt stark an die Johanna Klums bei «Elton vs. Simon - Die Show», denn auch Michaelsen hält sich überwiegend im Hintergrund und lässt den beiden "Stars" der Show ihre Bühne, wirft allerdings ab und an eine latent provozierende Bemerkung während der Spiele ein. Insgesamt macht sie ihre Sache bei weitem nicht überragend und wird vielen relativ schnell wieder aus dem Gedächtnis weichen. Ein Störfall für das Format ist sie jedoch nicht.

Alles in allem ist «Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt» ein sehenswertes Format mit vielen lustigen und gewohnt skurrilen Einfällen, bei denen die beiden Stars der Show abwechselnd, aber leider zu selten gemeinsam im Mittelpunkt stehen. Ein solcher Moment soll das Finalspiel darstellen, denn nachdem Joko nach acht Länderduellen mit 3:1 und vier Remis gegen Klaas führt, müssen am Ende doch noch beide gleichzeitig spielen. Dabei hängen beide kopfüber und müssen sich auf dem Boden halten, während sie mit Gewichten dazu gebracht werden sollen, hochzusteigen. Die erhoffte Spannung kommt hier leider kaum auf, da schon nach einer guten Minute das Spiel beendet ist und Joko auf relativ unspektakuläre Art und Weise zum Sieger gekürt wird. Ausgerechnet das Finalspiel wird somit zur wohl schwächsten Spielidee des kompletten Abends und hinterlässt gerade nach dreieinhalb Stunden somit einen leicht ernüchterten Zuschauer zurück. Gelingt es dem Format, in Zukunft die Langatmigkeit bei den Außenwettkämpfen zu reduzieren und Joko und Klaas mehr Interaktionsmöglichkeiten zu eröffnen, kann sich der Zuschauer auf noch wesentlich unterhaltsamere Abende freuen. Sehenswert ist die Show allerdings auch so bereits - zumindest, wenn man einen langen Atem hat.

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