Reinhardt über «AWZ»: 'Mehr Authentizität oder weg davon?'

In welche Richtung wird «Alles was zählt» gehen? Wir sprachen mit Grundy UFAs CCO und Produzent Guido Reinhardt über die Soap, aber auch über den großen Erfolg von «Berlin - Tag & Nacht». Außerdem: Die Jubiläumswoche von «GZSZ» steht an.

Herr Reinhardt, lassen Sie uns über «Alles was zählt» sprechen, 19.05 Uhr bei RTL. Wie beurteilen Sie die Situation der Serie derzeit?
«Alles was zählt» befindet sich in einem Umbruch, den wir vor etwa zwei Monaten eingeleitet haben. Wir arbeiten aktuell massiv an dem Format. Die Serie hat inzwischen fünf Jahre auf dem Buckel, ist also zu der Sendezeit bei RTL fast schon gelernt. Da steckt noch viel Vitalität drin, aber wir müssen prüfen, wie wir uns konzeptionell neu ausrichten werden. Natürlich haben wir jetzt mit «Berlin – Tag & Nacht», das ja bei jedem Sender etwas gewildert hat, eine neue Situation. Ich freue mich übrigens sehr über den Erfolg dieses Formats.

Dann sprechen wir darüber. Wie genau beobachten Sie «Berlin – Tag & Nacht»?
Ich verfolge es und finde es großartig. Es ist toll, dass es gelungen ist, am Vorabend etwas Neues zu etablieren. Es wird ja immer Verschiedenes ausprobiert, aber nicht alles klappt. Bei «Berlin – Tag & Nacht» ist das Besondere als Involvement der Zuschauer – man kann selbst ein bisschen bestimmen, wie oft man teilnimmt und wie nah man die Charaktere an sich heranlässt. Wenn man möchte, dann kann man sie 24 Stunden bei Facebook begleiten. Da posten einzelne Charaktere wirklich den ganzen Tag über. Die Serie ist somit 360-Grad aufgestellt – und das ist schon ein Modell für die Zukunft. Sie können sich sicher sein, dass wir uns da viele Gedanken machen, was «Berlin – Tag & Nacht» anders macht.

Im Grunde genommen werden ja auch Soap-Geschichten erzählt, nur bisschen anders verpackt.
Es gibt leichte Abänderungen, zum Beispiel, dass man nicht mit richtigen Schauspielern agiert, sondern mit Laien, die im wahren Leben ihrer Rolle aber recht nah kommen. Sonst verwendet filmpool Versatzstücke, die auch wir für unsere Geschichten hernehmen. Einige Autoren haben früher auch bei uns gearbeitet – die sind filmpool schließlich nicht vom Mars zugefallen -, sodass wir auch ganz gut wissen, wo die Serie Probleme und Schwierigkeiten hat. Entscheidend wird sein, ob sich der momentane Erfolg auch als wirklich nachhaltig erweist. Raketen, die aufstiegen Richtung Himmel und schnell wieder herunterkamen, gab es schließlich auch schon.

Über die Serie wird auch gestritten. Während Stampfwerks Günter Stampf Scripted Reality als eine Art Allheilmittel für den Vorabend ansieht, sagt Borris Brandt, das Format sei mehr oder weniger Assi-Fernsehen, mit dem man nur schnelle Quote mache.
Assi-Fernsehen ist das überhaupt nicht. Ich gucke das auch – und zwar gerne – und ich bin sicherlich kein Vorzeige-Assi. Die entscheidende Frage ist: Wie lang ist der Atem? Wie lang kann man diese Pace gehen? Die verbrennen eine unheimliche Stoffdichte – das haben sie wohl von uns. Allerdings haben sie noch mal ein paar Scheiben draufgelegt. Ob man das Tempo halten kann, ist spannend.

Ich glaube auch, dass sich vor allem ganz junge Menschen von den Geschichten in «Berlin – Tag & Nacht» mehr angesprochen fühlen als zum Beispiel bei «Alles was zählt». Das Format ist authentischer. Liege ich falsch?
Es wirkt authentischer – letztlich ist es aber auch geschrieben. Aber ich als Zuschauer lasse mir ja gerne vorgaukeln, dass das Realität ist oder sein könnte.

Aber zurück zu «Alles was zählt»: Im vergangenen Herbst haben Sie die Sportart Tanzen und die Tanzfabrik eingeführt. Hat das letztlich geholfen?
Es hat weder geholfen noch geschadet. Wir haben neben dem Eislaufen aber einfach etwas Neues gebraucht. Tanzen – mit der Verbindung zur Musik, Bewegung und Ästhetik, aber auch einer sexuellen Komponente zwischen Mann und Frau -, war da sehr naheliegend. Das Tanzen hat durchaus Schwung in unsere Geschichten gebracht. Wir brauchen jetzt aber auch eine tief gehendere Überprüfung, wohin wir mit der Serie wollen. «Verbotene Liebe» als High-Society-Format ist ganz gewollt noch weiter von der Realität entfernt. Dann haben wir «Berlin – Tag & Nacht», das als sehr authentisch wahrgenommen wird. «Alles was zählt» liegt in der Mitte. Man muss nun entscheiden: Mehr Authentizität oder noch weiter weg davon?

Mit dem Budget, das RTL Ihnen zur Verfügung stellt, sind Sie nach fünf Jahren noch immer zufrieden?
Da gibt es keine Probleme. Wir besprechen, worin wir investieren wollen – im vergangenen Jahr war es der Wunsch des Senders, dass wir die Produktion auf HD umstellen – dann haben wir das gemacht. Erst vor wenigen Wochen saßen wir wieder gemeinschaftlich mit Tom Sänger (Unterhaltungs- und Daytimechef, Anm. d. Red) von RTL an einem Tisch – zusammen mit den Producern und Chefautoren und haben uns überlegt, wohin wir gehen könnten. Das machen wir alle ein oder zwei Jahre, somit ist das ein recht vertrauter Prozess.

Es bleibt also spannend – und irgendwann haben Sie vielleicht auch die 5000 voll. So wie bei «GZSZ»…
Da bin ich immer wieder begeistert.

Was haben Sie sich für die 5000. Folge ausgedacht?
Eine 5000. Folge ist etwas Einzigartiges, deshalb werden wir eine ganze Jubiläumswoche machen. Natürlich haben wir versucht den wirklich sehr hohen Erwartungen der Fans gerecht zu werden. Wir werden in der Jubiläumswoche ein großes Musikfestival haben – und werden auch inhaltlich so richtig rocken. Es wird jede Menge Grausames, Liebesvolles, Spannendes und Musikalisches geben. Ich habe die Folgen vor zwei Wochen gesehen und kann sagen: Sie sind großartig.

Vor etwa eineinhalb Jahren haben Sie auch «GZSZ» wieder ein bisschen umgebaut – und dabei gehörig verjüngt. Das Format ist jetzt wieder eine Coming-Up-Age-Serie. Dabei bleibt es auch?
Absolut. «GZSZ» ist auch 2012 kerngesund und vital. Wir fangen derzeit an zu überlegen, was bei uns im Herbst und 2013 passieren wird. Bis Juni oder Juli werden die konzeptionellen Überlegungen andauern. Wir führen uns dabei den kompletten Cast an einer großen Wand vor Auge. Jede Figur bekommt an dieser Wand eine Beschreibung – wir malen uns auf, welche Beziehungen die Charaktere untereinander haben. Was funktioniert, was funktioniert nicht? Wir fragen uns, ob die Altersstruktur der Serie noch stimmt.

Das heißt, zum jetzigen Zeitpunkt können Sie noch recht wenig über die Entwicklung der Serie im Herbst sagen?
Das ist richtig. Wir haben uns im letzten halben Jahr intensiv damit beschäftigt, wie wir unser Jubiläum begehen wollen. Jetzt steht der nächste Schritt an: Wie gehen wir in den Herbst und dann ins Jahr 2013? Im Spätsommer weiß ich mehr darüber.

Vielen Dank für das Interview, Guido Reinhardt.

12.05.2012 18:00 Uhr  •  Manuel Weis Kurz-URL: qmde.de/56630

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