Popcorn und Rollenwechsel: Mach was anderes!

Wenn Filmschaffende auf Abwechslung verzichten, ist der Fanhass nicht mehr fern ...

Fans von James Cameron, die jedoch nicht «Avatar» warm wurden, haben einige sehr schwere Jahre vor sich. Es ist bereits länger bekannt, dass der Oscar-Preisträger als nächstes an «Avatar 2 & 3» arbeiten will, doch wie sehr er sich auf diese Fortsetzungen konzentrieren mag, konnte man bislang nicht abschätzen. Schließlich gab es abseits der vagen Meldungen rund um die «Avatar»-Fortführungen immer wieder Gerüchte um neue Projekte oder auch ein «Battle Royale»-Remake. Gegenüber der New York Time offenbarte der Filmemacher, dass er sich nun exklusiv auf die Welt von Pandora eingeschossen hat: “Vergangenes Jahr habe ich im Grunde genommen die Entwicklungsabteilung meiner Produktionsfirma vollkommen eingestampft. Ich habe keinerlei Interesse daran, irgendetwas zu entwickeln. Ich bin im «Avatar»-Geschäft, basta. Das war's. Ich mache «Avatar», «Avatar 2», «Avatar 3», vielleicht «Avatar 4», und ich werde auch nicht jemandes anderes Filme produzieren. Ich bin nicht daran interessiert, Drehbücher entgegenzunehmen.” Einzige Ausnahme sollten Dokumentationen darstellen, mit denen er in Zukunft alles ausdrücken möchte, was er via «Avatar» nicht sagen kann.

Cameron ist nicht der einzige Filmschaffende, der sich bewusst einschränkt. Michael Bay lässt zwar demnächst auf seine «Transformers»-Trilogie die 20-Millionen-Dollar-Produktion «Pain & Gain» folgen, doch direkt danach schwingt er sich wieder für «Transformers 4» auf den Regiestuhl, obwohl er zuvor jahrelang erklärte, mit den Alienrobotern durch zu sein. Anderweitig produziert er zwar Projekte wie das «Teenage Mutant Ninja Turtles»-Reboot, als Regisseur aber hat sich Bay auf «Transformers» festgelegt. Und was Tim Burton anbelangt, so startet am Donnerstag in Deutschland «Dark Shadows», seine nunmehr achte Zusammenarbeit mit Johnny Depp.
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Wann immer sich eine beliebte Persönlichkeit des Filmgeschäfts eingrenzt, stehen unter Filmfans Debatten zu erwarten. Für jeden Freudenschrei bezüglich der schöpferischen Ehe zwischen Burton und Depp lässt sich auch jemand finden, der sie ausgelaugt und erschöpfend findet. Manche möchten Michael Bay für immer an die «Transformers»-Reihe gebunden sehen, andere könnten Bay schon den Hals dafür umdrehen, dass er nach dem ersten Teil nicht mit ihr aufhörte. Und natürlich, so wohl das Gesetz des Internets, sind die ablehnenden Haltungen solcher Dauerbindungen oft auch mit Hass erfüllt. Oft finden sich in Foren auch vermeintlich widersprüchliche Einstellungen: Da applaudieren User, dass Johnny Depp einen fünften «Pirates of the Caribbean»-Film drehen will, keifen zugleich aber, wenn Michael Bay für neue «Transformers»-Filme zusagt. Ist das nicht heuchlerisch?

Es mag vielleicht müßig sein, ein objektives Maß für subjektive, emotionale Filmdebatten zu entwickeln, allerdings ist es wohl einen Versuch wert. Dass Johnny Depp zwischen Tim Burton und «Pirates of the Caribbean» hin und her springt, ist noch vergleichsweise leicht zu verdauen, selbst wenn man Depp-Fan ist und weder mit Burton, noch mit Jack Sparrow etwas anfangen kann. Mal ganz davon abgesehen, wie seltsam es wohl sein muss, Depp zu mögen, aber einen Großteil seines Schaffens zu hassen, so ist Depp sehr produktiv und mach zwischendurch noch immer andere Filme. Anders sieht es bei Michael Bay aus: Seit 2007 gab es von ihm nur noch «Transformers» zu sehen, und nach der kurzen «Pain & Gain»-Atempause wird diese Materialschlacht weiterlaufen. Wenn man, so wie der Verfasser dieser Zeilen, davon überzeugt ist, dass die «Transformers»-Filme das Schlechteste in Bays Stil rauskitzeln und sich stattdessen wieder Actionfilme im Stil von «The Rock» oder «Bad Boys» wünscht, so ist eine harschere Abneigung gegenüber den «Transformers» nachvollziehbar. Das Mantra “Wenn du's nicht magst, ignoriere es einfach!” zieht nur bedingt, wenn die verhassten Filme die Möglichkeit anderer Produktionen gen Null senken lassen.

Dass Tim Burton in vielen seiner Filme auf Depp setzt, ist hingegen wieder leichter zu verschmerzen, da er eh vornehmlich Filme dreht, die auch zum Oscar-nominierten Darsteller passen. Anders sieht es wieder mit James Cameron aus: Wer «Avatar» hasst, aber seine vorherigen Filme mochte, wird nun für eine unbestimmte Zeit ein Talent an eine ungeliebte Reihe verlieren.

Letztlich hat man als Kinogänger aber eh nur begrenzten Einfluss auf solche Entscheidungen. Ein erfolgreicher Regisseur oder Schauspieler, der drehen kann, was immer er will, wird auch genau das machen. Als Filmkonsument hat man bloß eine Wahl, und zwar Filme auszulassen, statt ins Kino zu pilgern. Das klingt vielleicht stupide, doch es wirkt sich auf die Kinoeinnahmen aus, ist gesund für den Geldbeutel und auch für's eigene Nervenkostüm.

07.05.2012 00:00 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/56533

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