Die Kino-Kritiker: «The Cold Light of Day»

Wer sich als Action-Fan auf ein Wiedersehen mit Bruce Willis freute, der wird nicht nur seinetwegen von „The Cold Light of Day“ mehr als enttäuscht sein. Stattdessen bietet der explosive Thriller bereits zigmal durchgekaute Fließband-Unterhaltung.

Es sollte nicht mehr werden, als ein entspannter Segeltörn mit der Familie. Will Shaw (Henry Cavill) reist nach Madrid, um es sich im Kreise seiner Lieben für ein paar Tage richtig gut gehen zu lassen. Allerdings wird relativ schnell deutlich: dieser Kurzurlaub soll ganz anders verlaufen, als geplant. Nach einem Streit an Bord verlässt Will kurzerhand das Segelboot. Doch als Will es wenig später in einer verlassenen Bucht treiben sieht, schrillen seine Alarmglocken; und er soll Recht behalten. An Deck angekommen, findet er anstatt seiner Familie lediglich Blut- und Kampfspuren vor. Allem Anschein nach muss etwas Furchtbares passiert sein. In Panik sucht er die spanische Polizei auf, doch offenbar hat auch sie ihre Finger im Spiel. Versucht sie doch, Will dingfest zu machen und ihm das Gesehene als harmlos zu verkaufen. Gerade als es ihr zu gelingen scheint, taucht wie aus dem Nichts Wills Vater auf. Er kann die Beamten ausschalten und schafft es, sich und seinen Sohn in Sicherheit zu bringen. Er erklärt ihm, was es wirklich mit seiner Existenz auf sich hat: anstatt des erfolgreichen Unternehmensberaters, als welcher sich Martin jahrelang vor seiner Familie ausgab, war er in Wirklichkeit jahrelang Geheimagent bei der CIA.

Nun scheinen seine ehemaligen Kollegen hinter ihm und einem geheimnisvollen Koffer her zu sein, der brisante Unterlagen enthält. Unter der Leitung der undurchsichtigen CIA-Stationschefin Jean Carrack (Sigourney Weaver) macht die CIA Jagd auf Martin. Um ihn unter Druck zu setzen, entführte sie schließlich auch seine Familie. Als aus dem Dunkel Schüsse fallen wird deutlich: Seinen Gegnern scheint es verdammt ernst zu sein – todernst!

«The Cold Light of Day» scheint auf den ersten Blick keine typische Actionkost vom Fließband zu sein. Für diesen Eindruck sorgt vor allem der vom französischen Regisseur Mabrouk El Mechri («JVCD») gewählte Drehort Madrid. Mit sonnigen Landschaftsaufnahmen präsentiert sich die spanische Hauptstadt für einen Action-Thriller ungewohnt harmlos. Die Aufnahmen aus der Vogelperspektive zeigen ein Bild von Madrid, das auch ohne weiteres in einen Werbespot für "Urlaub in Spanien" passen könnte. Doch leider beschränkt sich diese ungewohnte Herangehensweise an einen typischen Männerfilm nur auf die ersten zwanzig Minuten. Nachdem sich die Charaktere mehr oder weniger tiefgründig präsentiert haben, geht es schließlich relativ oberflächlich weiter. Ab dem Zeitpunkt, in dem Will das Verschwinden seiner Familie bemerkt, wendet sich das Blatt in «The Cold Light of Day» und im weiteren Verlauf zeigt sich der Actionfilm in gewohnter Genremanier. Auch hier konzentriert sich die Handlung nun auf einen zum Helden aufgebauten Durchschnittstypen und trotz des groß angekündigten Auftritts von Action-Altmeister Bruce Willis («Stirb langsam», «16 Blocks») ist der Streifen nichts weiter als eine One-Man-Show des Nachwuchsschauspielers Henry Cavill («Blood Creek», «Red Riding Hood»). Doch leider ist dieser auch eine der größten Schwachstellen des actionbeladenen Thrillers.

Dem 29-jährigen Schauspieler gelingt es über die anderthalb stündige Laufzeit nicht, dem Streifen ein Gesicht zu geben, denn bei der oberflächlichen Charakterisierung vom Beginn des Filmes bleibt es. Damit schafft Cavill es nicht, auch nur annähernd eine Figur darzustellen, die einen ähnlichen Wiedererkennungswert hat, wie ihn beispielsweise John McClane in der «Stirb langsam»-Reihe besaß. Kurzum: Henry Cavill ist als Protagonist Will vollkommen austauschbar. Das ist schade, denn gerade im Zusammenspiel mit Filmpartnerin Lucia (Verónica Echegui) hätte es hie und da lediglich ein paar mehr emotionale Regungen seinerseits benötigt, um der Figur Menschlichkeit zu verleihen. Ein wenig aus diesem Trott herausbrechen, lässt der Regisseur seinen Schützling allerdings in einigen selbst für das Actiongenre äußerst harten Gewaltszenen. Leider erscheinen die wiederum als billige Effekthascherei, da sie zum Verlauf der Handlung nicht ansatzweise etwas beitragen.

Das Tempo in «The Cold Light of Day» ist durch die Bank sehr hoch, hebt sich allerdings auch hier wenig von gewohnter Actionkost ab. Der Film erinnert im Laufe der Zeit eben doch sehr an bereits Gesehenes und einzig und allein den Drehort von irgendeiner x-beliebigen amerikanischen Großstadt ins sonnige Madrid zu verlegen, sorgt für ein wenig Abwechslung. Mit Verónica Echegui, die bislang hauptsächlich in spanischen Produktionen zu sehen war, griff El Mechri auf eine attraktive, wenn auch stereotype, spanische Darstellerin zurück, deren einzige Aufgabe es ist, neben Cavill hübsch auszusehen und von ihm beschützt zu werden. Diese Aufgabe meistert sie allerdings mit Bravour. Gleiches gilt für Sigourney Weaver, die ebenfalls in ihrer Rolle brilliert. In ihren wenigen Momenten füllt sie ihre Rolle vollkommen aus und mimt die kaltherzige Geheimagentin, der man zwar persönlich überhaupt nichts abgewinnen kann, was bei ihrer Darstellung der Figur wohl aber auch so gewollt ist.

Fazit: Wer sich mit «The Cold Light of Day» ein zweites «Stirb langsam» erhoffte, der wird nicht nur aufgrund von Bruce Willis viel zu geringer Screentime enttäuscht werden. Im Mittelpunkt des Filmes steht ein austauschbarer Jüngling, der sich nicht nur durch Madrid, sondern auch durch große Lücken im Drehbuch kämpfen muss. Die Story ist durchschnittlich, aber wenigstens wartet das Möchtegern-spektakel mit einigen netten Actionsequenzen und der üblichen Effekthascherei, wie explodierenden Gebäuden und sich überschlagenen Autos auf. Das ist alles sehr durchschnittlich, aber die Tatsache, dass Madrid der Story mehr Charakter verleiht als der Hauptdarsteller, rettet «The Cold Light of Day davor», wenigstens nicht ganz in der Versenkung zu verschwinden.

03.05.2012 08:00 Uhr  •  Antje Wessels Kurz-URL: qmde.de/56459

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