Wirbel um EM-Radiosender des WDR

Zur Zeit der Fußball-Europameisterschaft will der WDR einen eigenen Sport-Radiosender produzieren. Die privaten Funker wettern nun gegen diese Pläne.

Unter dem Titel "Event. Das ARD-Sportradio" startet der WDR am 19. Mai einen Radiosender rund um die Fußball-Europameisterschaft, der im Internet und über Digitalradio zu empfangen sein wird und normalerweise als Radiokanal "WDR Event" sendet. Neben Berichten rund um die EM sollen auch andere Sportarten zum Thema werden. WDR-Hörfunkdirektor Wolfang Schmitz: "Wir glauben, dass wir wie schon bei früheren Großereignissen ein tolles Angebot für alle Sportfans machen.Wir wollen damit das Digitalradio befördern und etwas Innovatives für die Zukunft des Radios tun." Das Sportradio soll bis zum 8. Juli funken und neben Berichten und Nachrichten, die von anderen Sendern übernommen werden, auch eigens produzierte Inhalte anbieten, beispielsweise Vollreportagen.

Die Pläne stoßen beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) erwartungsgemäß auf Kritik. Klaus Schunk, VPRT-Vizepräsident, argumentiert am Donnerstag: "Dieses Programm muss von der Medienpolitik ein klares Spielverbot erhalten. Es ist blanker Zynismus, wenn der WDR dieses Projekt öffentlich als ’Förderung des Digitalradios’ deklariert, in internen Papieren aber laut Presseberichten davon spricht, man wolle einem erfolgreichen privaten Radiokanal ‚etwas entgegensetzen’." Schunk spricht damit auf den privaten Fußball-Radiosender 90elf an, der ebenfalls ausführlich von der Europameisterschaft berichten wird. VPRT-Mann Klaus Schunk vermutet hinter dem WDR-Sender einen Test für ein dauerhaftes Sport-Radioprogramm – ein solches sei laut seiner Auffassung aber "ein klarer Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag."

Beim WDR werden die Vorwürfe zurückgewiesen. WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz dazu: "'WDR-Event' nutzen wir seit Jahren als zeitlich befristeten digitalen Ereigniskanal, selbstverständlich im Einklang mit den medienrechtlichen Regelungen in Nordrhein-Westfalen. Hier übertragen wir zum Beispiel Debatten des Bundestags und des Landtags, aber auch Sonderprogramme zu sportlichen Großereignissen wie Fußball-Turniere oder Olympische Spiele. Es handelt sich nicht um ein bundesweites Radioangebot, das den Landesrundfunkanstalten im Übrigen gesetzlich auch gar nicht erlaubt wäre." Zudem würde man mit dem Sender der Forderung von Politikern, das Digitalradio zu fördern, entgegenkommen. Schon bei den Fußball-Turnieren 2008 und 2010 habe man laut Schmitz gute Erfahrungen mit einem solchen Event-Radio gemacht. Derzeit berichtet WDR Event beispielsweise auch live von ausgewählten Bundesliga-Begegnungen.

12.04.2012 16:11 Uhr  •  Jan Schlüter Kurz-URL: qmde.de/56079

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