«Schlüter sieht's»: Zittert Sky um die Bundesliga?

Diesmal ist es ein wirkliches Pokerspiel um die Liga-Ausstrahlungsrechte. Welche Chancen hat die Telekom?

Eigentlich sind die vergangenen Monate für Sky Deutschland-Chef Brian Sullivan reibungslos verlaufen – zumindest im Vergleich zu den Zeiten, in denen Monat für Monat um das hochverschuldete Pay-TV-Unternehmen gebangt werden musste. Zuletzt aber gab es kräftige Kundengewinne; mittlerweile zählt Sky mehr als drei Millionen Abonnenten. Demensprechend stiegen 2011 die Umsätze im zweistelligen Bereich und beim Finanzergebnis (EBITDA) macht man zumindest weniger Minus als zuvor. Aber auch auch die Nettoverbindlichkeiten nahmen stark zu.

Es gilt also, dass Sky weiter penibel haushalten muss und konsequentes Kundenwachstum benötigt. Problematisch wird es nun, wenn die Plattform bald deutlich mehr Kosten für die Bundesligarechte einplanen muss als bisher – und danach sieht es derzeit aus. Denn als zweiter großer Player im Rechtepoker ist die Telekom wohl zu allem bereit, wie sie sogar öffentlich durchblicken ließ. Neben den Internet-Fernsehrechten (die sie derzeit schon hält) will das Unternehmen auch die Kabel- und Satellitenrechte für die Liga – also genau jene, die Sky derzeit exklusiv hält.

Dennoch ist die Rechtslage bei der Telekom weiter ungeklärt: Da sie zum Teil noch dem Staat gehört, ist keine Rundfunkfreiheit gegeben. Daher lässt man den Sender „Liga total“ auch über ein unabhängiges Unternehmen produzieren – aber zuletzt wurden Bedenken laut, ob es auch wirklich eine Unabhängigkeit gibt oder ob die Telekom sich redaktionell einmischt. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) will nun die Abläufe prüfen, auch die Medienhüter der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) haben Bedenken angemeldet.

Die rechtliche Ungewissheit spielt Sky in die Karten, das sonst gegen die Telekom vor allem finanziell wohl nicht ankommen würde. Aber für Sky sprechen auch die bisherige Zusammenarbeit mit der Liga und das gegenseitige Vertrauen. Und außerdem hat Sky einen Anteil daran, dass die Bundesliga selbst – ob nun vor dem Fernseher oder live im Stadion – an Attraktivität gewonnen hat. Die positive Entwicklung des Liga-Fußballs kann sich auch der Pay-TV-Sender auf die Karten schreiben, der mit der ausgebauten Berichterstattung viel zum Eventcharakter der Spiele beiträgt.

Dagegen kann die Telekom mit ihrer Etablierung des IPTV-Kanals „Liga total“ punkten, der eine erfolgreiche Entwicklung genommen hat. Außerdem hat das Unternehmen nicht die Finanzprobleme, die bei Sky immer noch als Unsicherheitsfaktor im Hinterkopf mitschweben. Und sollten bei der Prüfung der Telekom-Verträge mit „Liga total“ keine rechtlichen Bedenken bestehen, stünde ernstzunehmenden Verhandlungen nicht mehr viel im Wege. Die Telekom würde dann eventuell die Live-Bilder der Bundesliga sublizensieren. Sky wäre dann also nicht aus dem Rennen – würde aber wohl noch mehr Geld locker machen müssen.

Letztlich kommt Liga-Chef Christian Seifert diese Bieterschlacht zugute: Niemand kann sich seiner Chancen sicher sein, und umso mehr wird das Geld die entscheidende Sprache sprechen. Für Sky sind die nächsten Liga-Rechte längst nicht so sicher, wie oft dargestellt wird. Ein dritter Spieler kommt übrigens nicht mehr zum Zuge: Wie am Dienstagabend publik wurde, hat das Konsortium KF 15 (trat 2007 schon als Sirius in Erscheinung) auf ein Gebot verzichtet. Das kommt überraschend, genauso überraschend wie die Erklärung des KF 15-Mannes Dieter Hahn, dass man sich wohl nicht auf die Kabelnetzbetreiber verlassen könne. Ihm zufolge herrscht seitens KDG, Unitymedia und Co. wenig Interesse an einer nicht-exklusiven Ausstrahlung eines Bundesliga-Senders. Liegt hier die Enttäuschung von arena, das nach nur einem Jahr sang- und klanglos aufgeben musste, noch zu nah?

Für Christian Seifert und seine Kollegen in der DFL stellt sich mit den nun abgegebenen Angeboten von Sky und der Telekom auch eine Grundsatzfrage: Will man die Live-Ligarechte weiter zentral und direkt verkaufen, so müsste man auf Sky setzen, den sympathischen Vertrauten. Mehr Geld wäre möglicherweise von der Telekom zu bekommen – sofern die Telekom wirklich weiß, was sie dann mit den Kabelrechten anstellen soll. Hat der magentafarbene Riese hier noch ein Ass im Ärmel? Wahrscheinlich will die Telekom Rechte weitervermarkten und so auf verschiedene Interessenten zugehen – eine Aufsplittung mit verschiedenen Pay-TV-Angeboten wäre also möglich, aber sicher nicht im Sinne der Fans. Und wahrscheinlich ein grundsätzlich anderes Modell als bei Sky, das alle Live-Rechte in einem Sender für ein festes Abo-Angebot bündelt.

Fest steht: Der Ausgang der Verhandlungen ist offen, und dementsprechend verunsichert sind alle Beteiligten. So wie beispielsweise die Investoren von Sky, die derzeit wenig zu lachen haben: Die Aktie der Pay-TV-Plattform fiel in den vergangenen zwei Wochen um 15 Prozent, während der MDAX im gleichen Zeitraum gut zwei Prozent gewann. Vertrauen lässt sich daraus nicht gerade ablesen.

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04.04.2012 00:00 Uhr  •  Jan Schlüter Kurz-URL: qmde.de/55923

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