Die Kritiker: «Nurse Jackie»

Die US-Dramedy «Nurse Jackie» schafft es ins Programm von RTL Nitro und so endlich ins deutsche Free-TV.

Krankenschwester Jackie Peyton (Edie Falco, «Die Sopranos») hat ein chronisches Rückenleiden, missbraucht Tabletten und arbeitet seit Jahren im New Yorker All Saints' Hospital. Dort dirigiert sie mit ihrer langen Erfahrung sehr bestimmt und effektiv das Schalten und Walten in der Notaufnahme. Jackie weiß vieles besser als die dort tätigen Ärzte, welche oft auch jünger als sie sind, und lässt es diese auch mit einem deutlichen Tonfall wissen – was ihr wiederum regelmäßig Ärger mit ihren Vorgesetzten einbrockt.

Die Pilotepisode der dreifach Golden-Globe-nominierten und mit zwei Emmys prämierten Serie «Nurse Jackie» verzichtet auf eine wirkliche Handlung beziehungsweise einen zentralen, sich durch die Folge ziehenden Konflikt. Stattdessen wird dem Fernsehzuschauer rund dreißig Minuten lang Raum geboten, sich mit der Titelfigur und ihrem eigenen moralischen Kompass vertraut zu machen. Jackie ist eine sehr trotzige, herrische Figur, doch auch sehr kompetent in ihrem Gebiet und auf ihre kauzige, in sich gebrochene Art durchaus sympathisch. Wenn man denn so will, könnte man sie als Dr. House unter den Krankenschwestern titulieren, wobei manche der Situationen, in die sie gerät, mir ihrer Skurrilität sehr vage an ein raueres «Scrubs» erinnern: So wird ein zugedröhnter Jugendlicher in die Notaufnahme gebracht, der seinen Allerwertesten als Startrampe für Feuerwerkskörper gebrauchte, was Jackies Kollegin direkt dazu verleitet, grinsend Fotos von der Verletzung zu schießen.

Die einzelnen Passagen des «Nurse Jackie»-Piloten sind teilweise pointiert witzig (wie der ungewollte sexuelle Übergriff eines Arztes), teilweise dramatisch und in wieder anderen Fällen liegt es ganz im Auge des Betrachters, ob er Zeuge schwarzen Humors oder erschreckender Dramatik wird. Kein Wunder, dass Hauptdarstellerin Eddie Falco nach ihrem Emmy-Gewinn als beste Comedy-Hauptdarstellerin „Ich bin nicht witzig!“ proklamierte und Fans der Serie seit Jahren die Einführung einer Dramedy-Sparte fordern. Wirklich laut auflachen lässt es sich bei «Nurse Jackie» eher selten, der Tonfall dieser Comedy ist stärker von einem stillen, tragikomisch bis bitteren oder schwarzen Humor geprägt. Wer bei einer Comedy-Serie also vor lauter Lachen nicht mehr zum Atmen kommen möchte, ist bei «Nurse Jackie» klar fehl am Platz.

Stattdessen besticht der handwerklich-technisch grundsolide und in diesem Belang deshalb nicht weiter auffällige Pilot mit seiner faszinierenden Hauptfigur, welche auch den Zuschauerköder für die gesamte Serie darstellt. Mit ihren eigenwilligen Handlungen ist die erschöpfte Jackie eine Art tragische Heldin, die eher unbeabsichtigt einige komische Einlagen abliefert. Sie möchte eigentlich durchweg Gutes tun, ihr Bild von Recht und Unrecht lässt sie jedoch auch amoralische und illegale Entscheidungen treffen. Aufgrund der packenden Darstellung Edie Falcos ist das für Fans tragikomischer Serien, in denen die Hauptfigur klar vor der Handlung steht, auch definitiv sehenswert. Deshalb sollte man auch nach dem handlungsarmen Piloten, in dem ein paar Szenen praktisch ins Nichts führen, etwas länger dranbleiben.

«Nurse Jackie» ist ab dem 2. April montags um 21 Uhr auf RTL Nitro in Doppelfolgen zu sehen.

31.03.2012 06:00 Uhr  •  Sidney Schering Kurz-URL: qmde.de/55857

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