Die Kritiker: «Titanic - Die erste Klasse» (1x01)

Inhalt
Southampton, 10. April 1912: Mit Spannung wird das Ablegen der Titanic erwartet, des luxuriösesten Passagierschiffs der renommierten White Star Line, das seine Jungfernfahrt von Southampton nach New York antritt.

Hugh, Earl of Manton, ist es im letzten Moment gelungen, noch eine Kabine für seine Tochter Georgiana zu bekommen, die nach ihrer Verhaftung bei einer Suffragetten-Demonstration aus dem Zentrum des gesellschaftlichen Interesses genommen werden soll. Und so landet Georgiana Grex an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, das ihrer Meinung nach genau das dekadente Klassensystem repräsentiert, das sie so ablehnt, weil es dem Untergang geweiht ist.

Ihre Mutter Louisa kann die politischen Ambitionen ihrer Tochter nicht teilen. Die Idee, dass Frauen das Wahlrecht erhalten sollten, erscheint ihr genauso bizarr wie sie die Mitreisenden – zum großen Teil Neureiche und Amerikaner - empfindet. Auch Watson und Barnes, Zofe und Butler der Mantons, haben mit dem Klassensystem zu kämpfen – ist es wirklich notwendig, dass sich die Dienstboten der britischen Adligen den Speisesaal mit denen der Amerikaner teilen?

Lady Georgiana empfindet unterdessen die Reise als weitaus angenehmer, als sie dachte – zu sehr genießt sie die Nähe von Harry Widener, dem amerikanischen Millionärsspross, der ihr den Hof macht.

Als die Titanic in der Nacht vom 14. auf den 15. April nach der Kollision mit einem Eisberg zu sinken beginnt und sich herausstellt, dass es zu wenig Rettungsboote gibt, verbinden und kreuzen sich die Lebenslinien aller in unvorhergesehener Weise - und ein Kampf ums Überleben über die Klassengrenzen hinaus beginnt.

Darsteller
Linus Roache («Law & Order: SVU») ist Hugh, Earl of Manton
Geraldine Somerville («Harry Potter») ist Louisa, Countess of Manton
Perdita Weeks («Rosamunde Pilcher - Vier Jahreszeiten») ist Georgiana Grex
Lee Ross («EastEnders») ist Barnes
Lyndsay Marshal («Being Human») ist Watson
Toby Jones («The Hunger Games») ist John Batley
Maria Doyle Kennedy («Downton Abbey») ist Muriel Batley
Celia Imrie («Kingdom») ist Grace Rushton
Peter Wight («Public Enemies») ist Joseph Rushton
Noah Reid («Three Inches») ist Harry Widener
u.a.

Kritik
Pünktlich zum 100. Jahrestag der Tragödie, hat das ZDF gemeinsam mit dem britischen Sender ITV eine vierteilige Miniserie zum Untergang der Titanic im Jahre 1912 produzieren lassen. Für das Drehbuch hat man niemand geringeres als Oscar- und Emmy-Gewinner Julian Fellowes («Gosford Park», «Downton Abbey») beauftragt. Die Regie übernahm Jon Jones («The Diary of Anne Frank»). Gerade Fellowes Arbeit ist in Großbritannien derzeit in aller Munde, ist seine eigene Serie «Downton Abbey» doch schon seit zwei Jahren der neue Quotenhit auf der Insel. Demzufolge waren die Erwartungen an sein neuestes Projekt sicherlich auch nicht niedrig angesetzt. Zumal die Miniserie auch den Vergleich mit James Camerons Blockbuster aus dem Jahr 1997 standhalten muss. Aber hier muss man schon an dieser Stelle bekunden, dass die Serie diesem Vergleich nicht standhält und klar den Kürzeren zieht.

Natürlich stimmen Ausstattung und Effekte – man munkelt sogar, ITV hat mit «Titanic» die teuerste Miniserie aller Zeiten produziert – und auch aus Sicht des Storytellings geht man eigene Wege. Im Vergleich zum Kinohit, wo die Liebesgeschichte klar im Mittelpunkt der Geschichte steht, versucht man im Vierteiler jeder Episode eine eigene Perspektive zu verschaffen. Den Auftakt macht eine 45-minütige Schilderung der Erlebnisse in der „ersten Klasse“. Hochmut, Klassenkampf und so weiter, und so fort. Wenig Neues und genauso wenig aufregend, was dem Zuschauer da präsentiert wird. Seltsam emotionslos ist die Inszenierung sogar geraten, so dass man dem Treiben auf dem Bildschirm kaum folgen und den Protagonisten überhaupt keine Sympathien entgegenbringen mag. Das Geschehen erinnert in der Auftaktepisode auch vielmehr an ein Kostüm- als an ein Katastrophenszenario. Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass in Folge zwei alles noch einmal zurückgespult wird und dann aus der Sicht der zweiten und dritten Klasse erzählt wird. Erst im abschließenden vierten Teil fügen sich alle losen Enden zusammen und die letztendlich unvermeintliche Katastrophe nimmt ihren Lauf. Dadurch wird der Fluss der Geschichte immer wieder unterbrochen und viele Zuschauer könnten sich aufgrund dieser Erzählweise frühzeitig von dem Projekt verabschieden.

Im Gegensatz zur Inszenierung und dem doch etwas blutleeren Drehbuch können die Schauspieler hingegen überzeugen. Sehr glaubhaft und sehr emotional agieren sie in ihren jeweiligen Rollenbildern. Vor allem Geraldine Somerville als Louisa, Countess of Manton, macht als stoische und hochmütige Adelige eine sehr gute Figur. Hinzu kommt auch, dass, wie oben schon erwähnt, die Ausstattung und die Effekte der Miniserie ziemlich aufwendig sind, in der einen oder anderen Szene auch an den Blockbuster erinnern können. Natürlich ist das TV-Budget bei weitem nicht so hoch, wie in dem Kinofilm, Regisseur Jones und Produzent Nigel-Stafford-Clark machen aber das Beste daraus.

Und allzu schlecht können sie mit ihrer Arbeit auch nicht gefahren sein, denn die Premiere der ersten Folge verfolgten am Sonntag knapp sieben Millionen Zuschauer auf ITV 1. In Deutschland werden diese Werte mit Sicherheit nicht so hoch schnellen. Die Premiere läuft auf dem kleinen Digitalkanal ZDFneo und wird dementsprechend niedrige Zahlen aufweisen. Co-Produzent ZDF wird den Vierteiler sogar nur mit zwei zusammengeschnittenen Folgen im österlichen Nachmittagsprogramm verstecken. Vertrauen sieht jedenfalls anders aus.

All den Bedenken zum Trotz sollte man als interessierter Zuschauer der Serie eine Chance geben. Den relativ schwachen Auftakt kann keiner so leicht wett machen, aber vielleicht kann die eine oder andere nachfolgende Episode noch ein Highlight oder mehr setzen.

ZDFneo zeigt die vierteilige Miniserie «Titanic» am 31. März und 1. April 2012 jeweils um 20:15 Uhr und in Doppelfolgen.

29.03.2012 10:00 Uhr  •  Torben Gebhardt Kurz-URL: qmde.de/55803

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