Sat.1 beendet «Die Harald Schmidt Show»

Darauf haben sich Sat.1 und der Late-Night-Talker verständigt. Zwischen den Zeilen ist seitens des Moderators und seines Produzenten durchaus Unverständnis zu lesen. Die Etablierung einer Late-Night hätte Zeit gebraucht.

Traurige Nachricht für alle Fans der deutschen Late-Night: Sat.1 beendet «Die Harald Schmidt Show»  am 3. Mai 2012. Sat.1 hat sich mit seinem Rückkehrer Schmidt seit September 2011 wieder an eine tägliche Late-Night gewagt, zunächst zwei Mal wöchentlich, dann drei Mal pro Woche. Doch mit dem Weggang von Vorstand Andreas Bartl (für die deutschen Sender verantwortlich), der ProSiebenSat.1 kürzlich verließ, verlor Schmidt auch seinen größten Fürsprecher. „Bei «Harald Schmidt»  geht es darum, das Thema Late-Night, so wie wir es aus den USA kennen, bei Sat.1 zu re-etablieren. Ich glaube, dass die Farbe insgesamt im deutschen Fernsehen fehlt“, sagte Bartl im Dezember 2011 noch in einem DWDL-Interview.

Von Joachim Kosack, dem neuen Sat.1-Boss, blieben ganz große Treuebekundungen aus. Schmidt sei wichtig für Sat.1, deshalb schaue er nicht jeden Morgen auf die Quote, war eines der Statements des neuen Senderchefs zu dem abendlichen Format. Dass man das Format inzwischen intern nicht mehr so schätzt, wird gerade in diesen Wochen bemerkbar, wo die Late Night-Show zu Gunsten von Fußball-Übertragungen zeitlich nach hinten weichen muss.

Am Dienstag nun sei die Entscheidung nach einem intensiven Gespräch mit der Produktionsfirma Kogel & Schmidt GmbH und Harald Schmidt gefallen. Es folgte eine Dienstagssendung der schlechteren Art mit einer bissigen Spitze in Richtung Sat.1. Er stellte das neue Sendermaskottchen, das Sat.1-einzelmännchen vor, einen dicken Bier trinkenden Mann, der nach dem Alkoholgenuss das Sat.1-Senderlogo auskotzt. Dazu der neue Senderclaim: Sat.1 – Wenn die anderen feiern.

Entsprechend knapp kommentierte Schmidt das Aus seiner Sendung am Mittwochmittag auch in der vom Sender veröffentlichten Presseinformation. „Schade“, ließ er sich zitieren. Sein Produzent Fred Kogel ging in diesem Punkt schon etwas mehr ins Detail: „Die Sendungen waren gut, die Quoten waren es insgesamt noch nicht. Eine tägliche Late Night Show braucht entsprechende Rahmenbedingungen und vor allem Zeit. Wenn man darüber keine Einigung erzielen kann, hört man besser auf.“ Deutlicher kann man sein Unverständnis der aktuellen Senderführung gegenüber wohl kaum zum Ausdruck bringen.

Sat.1-Chef Kosack verteidigt seine Entscheidung hingegen: „Harald Schmidt ist für mich persönlich Late Night der Extraklasse. Doch auch die Erhöhung der wöchentlichen Frequenz auf drei Ausgaben hat die Fangemeinde leider nicht ausreichend erweitern können.“ Im Gegenteil: Im Jahr 2011 erreichte die Late Night-Show dienstags und mittwochs im Schnitt 7,7 Prozent bei den Umworbenen. 2012 waren es an drei Abenden bislang im Schnitt nur noch 6,6 Prozent. Die Reichweite bei allen sank von 0,78 Millionen in 2011 auf 0,68 Millionen im Jahr 2012.

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