Die Kritiker: «Der Liebeswunsch»

Story
Eigentlich sollte Anja nur ein paar Wochen auf das Haus von Marlene und Jan aufpassen. Das Paar fährt in einen ausgedehnten sechswöchigen Urlaub und vertraut der Studentin Anja, die das Geld gut gebrauchen kann, ihr Anwesen an. Und nebenbei bietet der große Garten der Studentin eine geeignete Umgebung zum Lernen. Auch Leonhard, ein guter Freund von Marlene und Jan, besucht die neue Hausherrin hin und wieder. Eines Tages hält der Richter überraschend um Anjas Hand an – und löst damit ein großes Beziehungschaos aus.

Was zunächst nach dem ganz großen Glück aussieht, entpuppt sich bald als leidenschaftslose Ehe. Leonhard legt Wert auf Tugenden, während Anja in den Tag hinein lebt. Als sich dann der gemeinsame Sohn Daniel beim Zubereiten des Frühstücks schwere Verbrennungen zuzieht, droht die Lage zu eskalieren. In ihrer Verzweiflung flüchtet sich Anja in die Arme von Jan. Die beiden schlafen miteinander, immer wieder, bis Marlene hinter die Affäre kommt. Doch Jan hält nicht zu Anja, lässt sie, genau wie Leonhard zuvor, sitzen. Das ist zu viel für die junge Frau. In einer Therapie sucht sie Hilfe, doch auch diese scheint für die großen Probleme kein Ausweg zu sein…

Darsteller
Jessica Schwarz («Yoko») ist Anja
Ulrich Thomsen («The Thing») ist Jan
Barbara Auer («Aschenputtel») ist Marlene
Tobias Moretti («Yoko») ist Leonhard
Hildegard Kuhlenberg («Liebe verlernt man nicht») ist Anjas Mutter

Kritik
Schon vor rund fünf Jahren war Torsten C. Fischers «Der Liebeswunsch» zu sehen. Damals allerdings auf der großen Leinwand in den Kinosälen und mit gut 20 Minuten mehr Laufzeit. Für die TV-Ausstrahlung wurde der Film, der auf einem Roman von Dieter Wellershoff basiert, also deutlich gestrafft. In anderthalb Stunden offenbaren Jessica Schwarz und Kollegen ein großartiges gespieltes Beziehungsdrama ohne jegliches Anzeichen von Fröhlichkeit.

Der Titel lässt zwar zunächst auf eine der üblichen Fernsehromanzen schließen, doch diesen wird das Gezeigte so gar nicht gerecht. Wer sich also schon gemütlich mit Chips auf die Couch gekuschelt hat, sollte auf ein anderes Programm ausweichen. Unterkühlt und verbittert ist das Szenario. Farblose, entkräftete Bilder; eine fortwährende Traurigkeit hängt in der Luft. Nach den anfänglichen glücklichen Momenten schlägt «Der Liebeswunsch» schnell eine andere Richtung ein.

Das emotional aufgeladene Stück wird hauptsächlich von Jessica Schwarz getragen. Ihrem intensiven Spiel ist es zu verdanken, dass das Leid der jungen Frau durch das Fernsehgerät hindurch auf den Zuschauer übertragen wird. Schwarz gibt das in den Tag hinein lebende, teils naive Mädchen, welches als psychisches Wrack endet. Tobias Moretti verkörpert dahingegen das genaue Gegenteil: ein bedachter, oft spießiger Richter, der Wert auf Tugenden legt und den Moralapostel gibt. Dass es in einer solchen Beziehung Reibereien geben muss, ist vorprogrammiert.

Auch wenn der Ausgang der Geschichte bereits in der Exposition vorweggenommen wird, steigert sich die Dramatik stetig. Es geht nicht zwingend um das unvermeidbare Ende dieser Beziehungstragödie, sondern um den Verlauf dorthin. Dabei bricht das Skript durch Rückblenden immer wieder mit der üblichen linearen Erzählweise, kreiert somit Spannung und Abwechslung trotz der ruhigen Inszenierung. Einige Verhaltensweisen der Protagonisten sind nicht immer schlüssig, darüber kann im Sog der Geschichte aber hinweggesehen werden.

Fischers Regiearbeit eignet sich definitiv nicht für einen lockeren Wohlfühlabend. Zu sehr zieht die triste und deprimierende Grundstimmung das Gemüt nach unten. Sehenswert bleibt das Werk trotz kleinerer Drehbuchschwächen nicht zuletzt wegen des tollen Schauspielerensembles aber auf jeden Fall.

Das Erste strahlt «Der Liebeswunsch» am Mittwoch, den 14. März, um 20.15 Uhr aus.

12.03.2012 11:50 Uhr  •  Janosch Leuffen Kurz-URL: qmde.de/55469

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