First Look

«House of Lies»: Krisenbewältiger mit Krisen

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Wenn die neue Showtime-Comedy so vieles sein möchte, es aber nicht hinbekommt, mit einem Alleinstehungsmerkmal zu überzeugen.

Egal ob im Bezahlfernsehen oder auf einem Networksender: Das Drehbuch benötigt gewisse Stärken, damit der Zuschauer überhaupt einen Grund findet einer neuen Serie eine Chance zu geben. Wenn nicht einsichtig wird, ob man einen Hauptcharakter als antagonistisch sehen soll oder nicht, dann wird auch nicht einsichtig, welchen Stellenwert besagter Charakter in der Handlung einnimmt. Wenn die Story auch noch so klischeehaft und vorhersehbar wirkt, dass der Zuschauer denkt die selbe Geschichte schon hundert Male zuvor gesehen zu haben, müssen Wege gefunden werden, die Charaktere so originell wie möglich zu schreiben, damit es wenigstens einen Bezugspunkt zwischen Publikum und Serie gibt. Die neue dunkle Showtime-Comedy «House of Lies» zeigt, warum es nicht immer vom Vorteil ist, alte Klischees zu benutzen und zu hoffen, dass durch einige Veränderungen daraus neue Geschichten werden. Geschweige denn die Pointe für einen Witz. «House of Lies» kann eine noch so tolle Prämisse haben, mit keinem besseren Cast besetzt sein, und nicht schicker aussehen – wenn es am Drehbuch hapert, ist kaum mehr etwas zu retten.

Basierend auf Martin Kihns Buch „House of Lies: How Management Consultants Steal Your Watch and Tell You the Time“, die Serie erzählt die Geschichten des Management-Beraters und Krisenbewältigers Marty Kaan (Don Cheadle) und seinem vierköpfigen Team, welches in erster Klasse durch Amerikas finanzielle Krise fliegt und den Bossen verschiedener Firmen erzählt, wie das Geschäft mit dem Geld oder die Reputation zu der Öffentlichkeit und den Kunden zu retten ist. Dass Marty dabei gerne lügt und betrügt, und alle Chancen nutzt um seine Auftraggeber bis zum letzten (Geld-)Tropfen für sein eigenes Wohl (und das seines Teams) ausbluten zu lassen, beschäftigt sein Gewissen nicht unbedingt. Eher ist er damit beschäftigt, seine verrückte, drogenkonsumierende Ex-Frau Monica (Dawn Olivieri) aus seinem Leben und seinem Bett herauszuhalten, sowie über den Gedanken hinwegzukommen, dass sein Sohn Roscoe (Donis Leonard, Jr.) gerade durch eine Crossdressing-Phase geht und die Rolle der Sandy in der Schulproduktion von „Grease“ anvisiert.

Drehbuchschreiben 101, Nummer eins. Mach aus dem Beruf des Hauptdarstellers einen Job, den keiner wirklich ernst nimmt, auch wenn dieser eine jährliche Summe mit sieben Stellen vor dem Komma einbringt. Das Beispiel ist Martys Vater Jeremiah (Glynn Turman), der zusammen mit Sohn und Enkelsohn zusammenlebt und natürlich nicht auslässt, auf der anderen Seite des Familienspektrums zu stehen, indem er seiner Familie nicht nur Liebe gibt. Nummer zwei: Fülle deine dunkle Comedy mit so vielen Charaktermomenten wie möglich, damit es auch den Anschein hat, dass deine Serie dramatische Momente bieten wird. Dass Marty Kaan ein paar Geheimnisse in seinem Leben hat, scheint von Anfang an schon fast obligatorisch zu sein; dass «House of Lies» aber schon am Ende seiner Premiere einen Moment abliefert, welchen Marty aus der Rolle des Antagonisten herausdrückt und plötzlich zu einem nachdenklichen Mensch verwandelt, kommt überhaupt nicht als gelungenes dramatisches Element herüber, welches den Zuschauer in den Charakter investiert. Nummer drei: Liefere Klischees bis zum Abwinken, damit du Möglichkeiten entwickelst, die Comedy um die Geschichte zu schreiben. Nun, da haben wir die soziopathisch veranlagte Ex-Frau; der Vater, der nicht viel von seinem (hart arbeitenden) Sohn hält; der stereotpisch schwule Sohn-Charakter mit Schal um den Hals, weiblichen Interessen und genauso klischeehafter Verhaltensweise; und schlussendlich die Story selbst, welche Marty und sein Team von einem an sie gerichteten Mittelfinger zum nächsten schickt, nur um am Ende „überraschend“ das gebeutelte Management einer Bank mit einem schicken Plan zu retten. Und Nummer vier: Packe all das in einer untypischen Arschloch-Weise ins Drehbuch, lass die Charaktere unsympathisch erscheinen, und schreibe die Comedy drumherum. Dass dabei Sex-Gerede, komatöse nackte Frauen, Stripper, und eine Schlägerei in einem Restaurant bei rauskommen, ist dabei nur das Ergebnis des Überschreitens der Glaubwürdigkeit.

Vier Gründe, warum «House of Lies» in keinster Weise ernst genommen werden kann. Damit fällt es schon mal flach, dass die Zuschauer in irgend einer Art und Weise mit Marty als Hauptcharakter klarkommen können, da er einfach außerhalb der Glaubwürdigkeit handelt. Dass er als Charakter trotzdem noch zu retten ist, beweist seine persönliche Nummer Zwei, Jeannie Van Der Hooven – mit Charme von Kristen Bell verkörpert, die in der Pilotfolge allerdings genauso interessant ist wie ihre RomCom-Charaktere der letzten Jahre. Es fehlt einfach an Gründen zu glauben, dass die Geschichten der Krisenbewältiger in den Büros der Multimillionäre interessant genug ist, um eine langjährige Serie zu garantieren. Denn schon jetzt scheint es ziemlich klar zu sein, dass nicht jede Episode mit einer neuen Krise bestückt werden kann, die es zu bewältigen gilt. Besonders wenn die Autoren erreichen wollen, dass ihre Geschichten unverwechselbar und überraschend bleiben, und für die Weiterentwicklung der Handlung stehen. Schon im Verlaufe der ersten Staffel ist es wichtig, so viel Abstand wie möglich von den Krisenherden der Managements zu halten, damit die Charaktere überhaupt Platz finden. Allerdings droht «House of Lies» dann die Gefahr, von seinem ursprünglich interessanten Konzept wegzulaufen.

«House of Lies» fühlt sich definitiv nicht wie eine Showtime-Serie an. Wenn man die Vulgaritäten und nackten Brüste herausnimmt, und aus New York einen Ort des Sonnenscheins macht, könnte die Comedy genauso gut auf USA laufen. Das Alleinstellungsmerkmal fehlt, und damit das Besondere, was «House of Lies» zu einer sehenswerten Serie macht. Die sexgeladene Chemie zwischen Marty und seiner Kollegin Jeannie ist einfach nicht gut genug, um die komplette halbe Stunde zu retten, wenn es drumherum eine episodenzentrische Story gibt, die fast gar nichts zu den Charakteren beisteuert. Vielleicht ist «House of Lies» eine Serie mit Charakteren, die der Zuschauer gar nicht erst leiden soll – Antihelden in einer Welt von finanziellen Problemen und „Ich bin die 1%“-Zitaten von Occupy-Fürwörtern. Die Charaktere stehen jedoch immer noch im Zentrum des Geschehens, weshalb genügend Tiefe eingebaut werden muss, um ein Gefühl der Verbindung aufzubauen. Doch wenn genau diese Tiefe aus klischeevollen Twists, Geheimnissen und Lügen besteht, dann wird auch der Rest von «House of Lies» genauso uninteressant und leer wirken wie die Pilotfolge. Da kann auch nicht einmal der gutaussehende Cast etwas daran ändern, wenn vor allem Don Cheadle aussieht, als wüsste er nicht, was er vor der Kamera tun soll.

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