Die Kino-Kritiker

«The Ides of March – Tage des Verrats»

von
George Clooney und Ryan Gosling in einer mehrfach für den Golden Globe nominierten Politparabel über Missgunst und Verrat.

Gleich vierfach wurde «The Ides of March – Tage des Verrats» vergangene Woche für einen Golden Globe nominiert: Bestes Filmdrama, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Hauptdarsteller. Da kommt der späte deutsche Kinostart genau richtig, denn im Fahrwasser der Globes dürfte George Clooneys emotional distanziertes, sprachlich unaufgeregtes Politdrama gesteigertes Interesse genießen. Dieses ist für den Genuss von «The Ides of March – Tage des Verrats» auch durchaus vonnöten, denn durch die Prämisse und Clooneys zurückhaltenden Inszenierungsstil lässt diese Politparabel all jene links liegen, die sich nicht selbst voll einbringen.

Dies ist eine Parallele, die diese Produktion zu ihrer Geschichte von Korruption und Verrat aufweist. «The Ides of March – Tage des Verrats» spielt während der Vorwahlen zur US-Präsidentschaftswahl: Polit-Berater Stephen Meyers (Ryan Gosling) ist jung, engagiert und idealistisch. Er plant gemeinsam mit dem alten Hasen Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) die Kampagne für Mike Morris (George Clooney), einem jovialen Demokraten, dem beste Aussichten auf den Einzug ins Weiße Haus eingeräumt werden. Doch zuvor muss Morris in Ohio seinen Mitstreiter aus der eigenen Partei ausstechen, den weniger standfesten Tom Pullman (Michael Mantell). Mit Ehrgeiz und Charisma gelingt es Stephen, der Kampagne des gegnerischen Paul Duffys (Paul Giamatti) ein Schnippchen zu schlagen und keck mit der Journalistin Ida Horwicz (Marisa Tomei) jene Infos auszutauschen, die Morris im Wahlkampf vorwärts bringen. Selbst ein Flirt mit der Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood) kann Stephens Ambitionen nicht stoppen. Aber gerade diese Verbissenheit lässt ihn in eine Falle der Konkurrenz tappen...

Diese Geschichte von zerstörten Idealen fängt Regisseur George Clooney in starren, langen Kameraaufnahmen und gleichermaßen präzisen wie steifen Winkeln ein. Zusammen mit der minimalen Schnittarbeit baut Clooneys Inszenierung eine große emotionale Distanz zu den Figuren und der Geschichte auf, so dass jeder nicht von Beginn an vollauf interessierte Zuschauer vom redseligen ersten Filmdrittel verjagt wird. Subtilität bei der Inszenierung ist nun einmal eine Kunst, die es zu beherrschen gilt. Anderweitig wirkt ein Film mechanisch und unnötig unterkühlt. Im Falle von «The Ides of March – Tage des Verrats» bedeutet dies zudem, dass allein ein politisch gebildetes Publikum zum Kern der Handlung sowie der filmischen Aussage vordringen wird. Diesem Restpublikum wird zwar ein gut ausgeklügeltes Machtspiel geboten, dennoch sei die Anmerkung gestattet, wie redundant es ist, allein diesen Zuschauern von Korruption und Verrat in der Politik zu erzählen. Neues bezüglich dieser Thematik bietet «The Ides of March – Tage des Verrats» seinem selektiertem Publikum wahrlich nicht.

Dessen ungeachtet bietet das Politdrama, sobald die Exposition durchexerziert ist, seinem eng gesteckten Kernpublikum eine schauspielerisch und narrativ präzise, durchdachte und doppelschichtige Parabel über Vertrauen und Missgunst. Dass diese aufgeht, hat Regisseur und Co-Autor Clooney insbesondere seinem Hauptdarsteller Ryan Gosling zu verdanken. Der aufstrebende Darsteller arbeitet mit feinen, aber klaren Nuancen, um aufzuzeigen, wie seine Rolle von den Umständen korrumpiert wird. Selbstsicherheit und Arroganz, Zielstrebigkeit und Wahn, Idealismus und Zynismus – die Unterschiede in Goslings Darstellungsweise sind minimal. Was außerordentlich sinnig ist, denn das Aufrechterhalten seiner Maske ist es, wodurch Stephen Meyers auf seinen politischen Rachefeldzug gehen kann, ohne gleich zu Beginn zu Fall gebracht zu werden.

«The Ides of March – Tage des Verrats» weigert sich, Stellung zu nehmen. Sogar die Filmmusik des Komponisten Alexandre Desplat («The King's Speech») lässt sich in ihren finalen Momenten zweifach deuten. Ist der für Desplat ungewohnt reißerische Schluss ein Triumphzug oder ein epochaler Trauergesang? Unkommentiert bleibt auch der Hinweis eines Strippenziehers hinter dem Komplott, er setze vor allem auf Treue und Ehrlichkeit. Diese bemühte Objektivität lässt Clooneys Message-Film leer wirken, macht ihn jedoch zu einem sehr guten Diskussionsobjekt. Die Gespräche, die sich über «The Ides of March – Tage des Verrats» führen lassen, sind letztlich das wohl reichhaltigste an diesem Politdrama. Nachhall kann man Clooneys Oscar- und Globe-Hoffnung also nicht absprechen.

«The Ides of March – Tage des Verrats» ist ab dem 22. Dezember in einigen deutschen Kinos zu sehen.

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