Die Kritiker

«Rosa Roth: Bin ich tot?»

von

Story


Als die 17-jährige Fiona Wilkens am frühen Abend ihr wohlbehütetes Berliner Elternhaus verlässt, um mit ihrem Freund Jason zu ihrer ersten gemeinsamen Reise nach Italien aufzubrechen, ahnt noch niemand das Verhängnis, das bald darauf seinen Anfang nehmen wird. Gleisarbeiter entdecken im Morgengrauen die Leiche einer jungen Frau, die sich vermutlich vor einen Zug geworfen hat.

Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Die Frau war keine Selbstmörderin, sondern sie wurde, bevor sie jemand auf die Schienen gelegt hat, mit zwei Kugeln, die sie in den Rücken trafen, erschossen. Unweit der Stelle, wo sie gefunden wurde, lag das Handy von Fiona.

Der naheliegende Verdacht, dass es sich bei der Leiche um Fiona handelt, bestätigt sich nicht.
Wo aber stecken Fiona und ihr Freund? In Italien sind sie nie angekommen. Fionas Eltern und ihre kleine Schwester Phoebe sind der Verzweiflung nahe. Dann wird Jasons Wagen verlassen auf einem Autobahnparkplatz entdeckt. Offenbar hatte das junge Paar schon kurz nach dem Start eine Reifenpanne. Die Leiche von Fionas Freund Jason, wird, nur hastig unter Buschwerk versteckt, in einem nahegelegenen Waldstück gefunden.

Für Rosa Roth und Markus Körber stellen sich gleich mehrere Fragen: Wer ist die unbekannte Tote? Wie kam sie an Fionas Handy, von dem sie kurz vor ihrem Tod noch einen Notruf abzusetzen versuchte? Wer hat Jason und die Unbekannte erschossen? Und wo steckt Fiona? Ist sie überhaupt noch am Leben?

Es spricht einiges dafür, dass Fiona und Jason auf dem nächtlichen Autobahnparkplatz zufällige Zeugen eines Fluchtversuches der unbekannten jungen Frau geworden sein könnten. Die Spuren in der Nähe des Tatorts führen zunächst zu Arvid Bogner und dann weiter zu einem gewissen Fuhrmann. Vieles deutet darauf hin, dass diese beiden Teil eines international operierenden Mädchenhändlerringes sind, der junge Frauen aus Osteuropa nach Deutschland schleust, um sie dort als Prostituierte auszubeuten.

Eckert, ein Kollege der Sitte, den Körber noch von früher kennt, weiß einiges zu diesem Thema zu berichten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es neben der Toten noch eine weitere Frau auf dem Parkplatz gegeben hat. Und dass diese zusammen mit Fiona irgendwo in Berlin gefangen gehalten wird, bevor beide, unter Drogen gesetzt, irgendwo als Prostituierte eingesetzt werden sollen.
Ebenso aber steht zu befürchten, dass sie, je näher Rosa und Körber ihrem Versteck kommen, als missliebige Zeugen, genau wie Jason zuvor, ermordet werden.

Viel Zeit bleibt also nicht. Und Rosa und Körber wissen, dass die Mädchenhändler nicht nur gut organisiert, sondern auch völlig skrupellos sind. Fuhrmann hält sich zudem über jeden Verdacht erhaben. Und er kennt Mittel und Wege, die Polizei an der Nase herumzuführen.
Für Markus Körber wird dieser Fall auch noch eine ganz persönliche Wendung nehmen, denn im Zuge der Recherchen stößt er auf eine Spur, die ihm möglicherweise Aufschluss über seine seit Jahren verschwundene Tochter geben könnte.

Darsteller
Iris Berben («Niemand ist eine Insel») als Rosa Roth
Thomas Thieme («Das Leben der Anderen») als Markus Körber
Carmen Maja Antoni («Das weiße Band») als Karin von Lomanski
Gunter Schoß («Der Landarzt») als Günther Zorn
Benjamin Sadler («Last Impact») als Fuhrmann
Stephan Grossmann («Weissensee») als Kolja
Niels Bruno Schmidt («Der Landarzt») als Arvid Bogner

Kritik
Die letzte Folge von «Rosa Roth» zeichnete sich durch ein Thema mit hoher gesellschaftlicher Relevanz aus. In der neuen Ausgabe rückt wieder vermehrt der zu lösende Kriminalfall ins dramaturgische Zentrum, sowie Markus Körbers Backstory, der sich seit Jahren auf der verzweifelten Suche nach seiner verschwundenen Tochter befindet, die er in einem Zwangsprostitutionsring vermutet.

Im Großen und Ganzen ist das Drehbuch von Daniel Douglas Wissmann logisch aufgebaut und die Charaktere handeln meist nachvollziehbar. Dennoch haben sich einige Unglaubwürdigkeiten eingeschlichen, die hier und da zu Tage treten. Etwa, wenn sich Bogners Freundin der Polizei gegenüber sehr kooperativ verhält, nachdem ihr Lover gerade von den Einsatzkräften erschossen wurde, oder der Plot-Twist um die kleine Phoebe, die Schwester der entführten Fiona, deren Nebenhandlungsstrang im dritten Akt allzu forciert süßlich und melodramatisch ausfällt.

Am Schluss lässt man dann alles auf das bestmögliche Happy End zulaufen und nur das Verschwinden von Körbers Tochter bleibt letztlich ungeklärt. Den dramaturgisch mutigeren Weg, nicht alles gut ausgehen zu lassen und auf die endgültige Katharsis zu verzichten, geht man hier nicht, auch wenn er für das Gesamtkonstrukt am Ende treffender gepasst hätte und wohl auch glaubwürdiger gewesen wäre.

Gelungen ist dagegen, dass man auf eine effekthascherische Emotionalisierung verzichtet und all die tragischen Szenen weitgehend ohne Überzeichnung auskommen. So lassen sich die Kälte und der Schrecken deutlich besser transportieren – an einer Nachempfindung der Gedankenwelten der Protagonisten kommt der Zuschauer wegen der sensiblen, gleichzeitig aber größtenteils kompromisslosen Inszenierung von Regisseur Carlo Rola nicht vorbei.

Auch in der neunundzwanzigsten Ausgabe von «Rosa Roth» spielen Iris Berben und Thomas Thieme so überragend wie immer. Sie kommen ohne große Gesten aus und besonders Thieme kann damit die Erschütterung und Verzweiflung seiner Figur außerordentlich glaubwürdig und nahegehend inszenieren. Die neue Folge der ZDF-Reihe zeichnet sich dabei insgesamt eher durch eine große Feinfühligkeit als eine ausgeklügelte Narrative aus.

Das ZDF strahlt «Rosa Roth: Bin ich tot?» am Samstag, den 19. November 2011, um 20.15 Uhr aus.

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