Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 165: Der inoffizielle Vorgänger von «Ladykracher».
Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir einer weiteren Variante der unvergänglichen Sketch-Comedys.
Die «April-Hailer-Show» wurde am 23. November 1997 im ZDF geboren und entstand zu einer Zeit als die Verbrauchercomedy «Wie bitte?!» noch immer recht erfolgreich war. Zu dessen beliebten Ensemble gehörte damals auch die Schauspielerin April Hailer, die vom ZDF auserkoren wurde, ein eigenes Format zu füllen und dafür aus der RTL-Sendung ausstieg. Um der Vielseitigkeit des „komödiantischen Multitalents“ begegnen zu können, wurde ein Konzept speziell für sie maßgeschneidert, in dessen Entstehungsprozess sie nach eigenen Angaben von Anfang an eingebunden war. Heraus kam letztlich eine Art Sketch-Comedy, in der Hailer in die Rolle von verschiedenen Frauen schlüpfte. Dazu gab es Musiknummern und Stand-Up-Elemente vor einem Livepublikum. Kurz, das 25minütige Programm beinhaltete bereits alle Elemente, die später Anke Engelkes Show «Ladykracher» ausmachte und darf deswegen als deren inoffizieller Vorgänger bezeichnet werden.
Was auf dem Papier nach einem frischen und innovativen Konzept klang, stellte sich aber als eher konventionelles Produkt heraus. Tatsächlich bewegte sich das Format nicht wie in einer Pressemitteilung angekündigt zwischen Loriot und Monty Python, sondern lieferte übliche und ausgelutschte Witze mit Pointen, die man gefühlt schon zigfach in anderen Shows wie
«Sketch-Up» gesehen hatte. Eine Ursache dafür mag in der Tatsache gelegen haben, dass man bei der Produktion nicht auf junge Talente, sondern stattdessen auf fünf „erfahrene Comedy-Autoren“ (Zitat von der Produktionsfirma) setzte. Entsprechend dürftig fielen dann auch die Kritiken zu den ersten Ausgaben aus. Bemängelt wurde zudem, dass Hailer auch die versprochene Vielseitigkeit nicht erfüllte, sondern schlicht in verschiedenen Kostümen auftrat, die allerdings oft recht aufwändig waren.
Obwohl die Presse eher verhalten auf die Sendung reagierte, schien die Branche ihr positiver gesonnen zu sein, denn das Format erhielt eine Nominierung für die Rose von Montreux. Auch das Publikum nahm die Produktion zunächst gut an, denn die erste Ausgabe am Sonntagabend erreichte gegen 22.00 Uhr überwältigende 7,02 Millionen Zuschauer. Die zweite Folge musste mit 6,68 Millionen Menschen kaum Zuseher abgeben. Das ZDF schien also einen echten Quotenknaller im Programm gehabt zu haben. Doch dann begannen die Quoten deutlich zu sinken, sodass fortan meist nur noch Werte knapp oberhalb der 4-Millionen-Marke gemessen wurden.
Dennoch entschied sich das ZDF für eine Verlängerung. Bis zur Fortsetzung sollte es allerdings fast anderthalb Jahre dauern. Zwar schalteten zum Auftakt der zweiten Runde am 02. März 1999 etwa 5,62 Millionen Zuseher ein, aber schon sieben Tage später schrumpfte der Wert auf 4,16 Millionen ab. Die neuen Folgen blieben damit insgesamt etwa auf dem Zuschauerniveau der letzten Ausgaben der Vorgängerstaffel und konnten den Auftakterfolg nicht wiederholen. Nach dem Ende der zweiten Staffel wurde die Reihe daher einer gründlichen Überholung unterzogen. Als Ergebnis sollten die neuen Episoden noch facettenreicher und schneller werden. Außerdem waren nun nur noch drei Autoren für die Drehbücher zuständig, die jedoch der Sendung keine wirklich neuen Impulse geben konnten. Am Ende halfen auch diese Justierungen nicht, denn die dritte Staffel, die am 30. April 2000 mit acht Folgen startete, sollte endgültig die letzte sein. Es folgten noch einige Best-Ofs, bevor die Sendung endgültig aus den Programmabläufen verschwand.
Die «April-Hailer-Show» wurde am 02. Juli 2000 beerdigt und erreichte ein Alter von 20 Ausgaben. Die Show hinterließ die Schauspielerin April Hailer, die anschließend in zahlreichen Nebenrollen in Fernsehproduktionen wie «Tatort», «Schmetterlinge im Bauch» und zuletzt «Notruf Hafenkante» zu sehen war. Parallel stand sie auf vielen Theater- und Varietebühnen, wo sie oft auch ihr Gesangstalent beweisen konnte.
Möge die Show in Frieden ruhen!
Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann dem schleichenden Ende einer Comedylegende.