Fernsehfriedhof

Der Fernsehfriedhof: Eine Sitcom auf dem Abstellgleis

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 153: Eine Comedyserie, die schon vor dem Start zum Scheitern verurteilt war.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir des wahrscheinlich größten Flops von Comedystar Diether Krebs.

«R.O.S.T. – Die Diether Krebs Show» wurde am 13. September 1993 bei RTL geboren und galt anfangs als hoffnungsvolles Projekt. Immerhin war es dem Kanal dafür gelungen, den Schauspieler Diether Krebs vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen abzuwerben, der dort vor allem durch seine Auftritte in «Ein Herz und eine Seele» und «Sketchup» ungeheuer bekannt wurde. Die Erwartungen an das neue Projekt waren derart hoch, dass der Sender vorab den Großauftrag von 52 Folgen für geschätzte 20 Millionen D-Mark erteilte.

Rückenwind bekam Krebs dabei von seiner erfolgreichen Karriere als Musikinterpret, denn mit seiner Figur des alternativen Martin und dessen Song „Ich bin der Martin, ne“ gelang ihm zuvor ein Nummer 1-Hit. Was lag daher näher, als den populären Charakter auch in die Show zu integrieren? So wurde Martin Bestandteil der Familie Rost, deren fünf Mitglieder in einem alten, heruntergekommenen Bahnhof lebten und mehr oder weniger komische Alltagsgeschichten erlebten. Mal wurde der Bahnhof zu einem Manager-Boot-Camp umfunktioniert, mal zur Festung, weil der Rauswurf drohte und mal drehte sich die Geschichte um Adolf Hitlers altes Schließfach.

Dabei schlüpfte Krebs nicht nur in die Rolle des Martin, sondern besetzte mit dessen kindischem Bruder Heiner und dessen militantem Großvater noch zwei weitere Hauptrollen. Die Schauspielerinnen Franziska Troegner als gutmütige Hausdame und Susann Uplegger («SK Babies») als attraktive Schwester komplettierten das Ensemble.

Schnell wurde jedoch klar, dass die Grundidee des Formats bestenfalls für einen wiederkehrenden Sketch in einer Comedyreihe geeignet war, aber nicht eine eigene Serie tragen würde. Dazu wurden die absurden Geschichten platt und albern umgesetzt. An dieser inhaltlichen Schwäche vermochten auch die vielen Gastauftritte von Prominenten wie Hugo Egon Balder, Jochen Busse oder Rolf Zacher nichts ändern.

Ähnliche Vorbehalte schien auch der Sender während der Produktion entwickelt zu haben, denn das ursprüngliche Prestigeprojekt wurde überraschend am Montagabend um 23.15 Uhr – und damit im Anschluss an das zuschauerarme Kulturmagazin «10 vor 11» programmiert. Darüber war Krebs entsprechend verärgert und äußerte seinen Unmut auch öffentlich. Offiziell nannte RTL als Begründung allerdings nicht die mangelnde Qualität, sondern dass einige Witze zu intellektuell gewesen wären. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage wurde aber schon damals stark bezweifelt. Auch wenn die Sendung einige politische Seitenhiebe beinhaltete, waren diese nie derart radikal und dominant, dass sie eine Ausstrahlung im Hauptabendprogramm hätten verhindern können. Die Folge des unglücklichen Sendeplatzes und der fragwürdigen Umsetzung waren erwartungsgemäß äußerst schwache Einschaltquoten, die einen baldigen, vorzeitigen Produktionsstopp nach sich zogen.

«R.O.S.T. – Die Diether Krebs Show» wurde am 06. Dezember 1993 beerdigt und erreichte ein Alter von 13 Folgen. Die Serie hinterließ den Darsteller Diether Krebs, der durch sie ein kräftiges Karrieretief erlebte, aus dem er sich nie wieder richtig erholen konnte. Es folgten einige Fließband-Comedyshows (u.a. «Der Dicke und der Belgier»), mit denen er jedoch nicht an frühere Erfolge anknüpfen konnte.

Möge die Serie in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann dem Mystery-Hokus-Pokus von Jörg Draeger.

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