Die Kritiker

«Hand in Hand»

von

Story


Mathilda Wahry ist ein international gefeierter Star an der Geige. Doch die Hand, die den Bogen so virtuos führt, ist unheilbar krank. Trotz der Operation bei der begnadeten Gefäßchirurgin Prof. Heike Laurens in Dresden geht ihre Karriere als Geigenvirtuosin zu Ende.

Heike macht ihr keine Illusionen, aber nimmt sich ihrer an und bietet ihr eine Heimstatt. Heike ist mit dem Archäologen Friedrich verheiratet. Während Istvan, Mathildas Mann, als Dirigent den Erfolg eines Mittelmäßigen lebt, zieht es Heikes Mann nach der Schließung seines archäologischen Instituts zu einer Geliebten nach Halle.

Istvan beendet die Zusammenarbeit mit seiner exzentrischen Frau, als ihr Stern sinkt. Ein spielunfähiger Star ist bald keiner mehr. Ein Onkologe und Freund hat inzwischen einen positiven Karzinombefund bei Heike konstatiert. Die Ärztin will für sich die Gnade der Hoffnung nicht in Anspruch nehmen. Sie lässt sich von der Uniklinik beurlauben.

Das Schicksal hat Professor Heike Laurens und den Star Mathilda Wahry zusammengeführt. Jetzt, am Ende ihres jeweiligen Lebensweges machen sie einen neuen Anfang. Die von zynischem Witz geprägte, krebskranke Ärztin packt sich die lebensuntaugliche Mathilda und die beiden Frauen beginnen ihre Freundschaft mit einer Reise nach Lettland, zu den Orten von Mathildas Kindheit.
Dort treffen sie auf Stockeby, den alten Arzt und früheren Geigenlehrer. Heike betreut die Alten und Kinder des Dorfes medizinisch, unterstützt von der dazustoßenden Bloody Mary, ihrer ehemaligen Oberschwester aus Dresden. Mathilda fängt wieder an, Violine zu spielen und den Nachwuchs zu unterrichten. Für Mathilda gibt es ein letztes Konzert. Und für Heike ein letztes Wiedersehen mit all ihren Weggefährten.

Dieser Aufenthalt setzt bei ihr noch einmal Kräfte frei, mit denen sie anderen Todgeweihten helfen kann. Diese Reise in die Vergangenheit ist schmerzvoll, aber auch voller Heiterkeit. Nach diesem Lebensausflug kann die Chirurgin leichter sterben und die Violinistin lernt ein Leben ohne ihre Geige.

Darsteller


Corinna Harfouch («Berlin Calling») ist Prof. Dr. Heike Laurens
Margarita Breitkreiz («Der Grenzer und das Mädchen») ist Mathilda Wahry
Christine Schorn («Novemberkind») ist Bloody Mary
Rolf Hoppe («Der Besuch der alten Dame») ist Prof. Stockeby
Jürgen Heinrich («Frühstück mit einer Unbekannten») ist Friedrich Laurens
Pierre Besson («Das Geheimnis im Wald») ist Prof. Meier

Kritik


Mit «Hand in Hand» ist es Drehbuchautor Justus Pfaue und Regisseur Thomas Berger gelungen, zusammen mit exzellenten Darstellern einen herausragenden Film zu drehen, der – aus welchen Gründen auch immer – bereits 2009 hergestellt wurde und erst jetzt in den letzten Wochen des Sommerlochs beim ZDF einen Sendeplatz gefunden hat.

Das Drehbuch verzichtet auf dämliche Romanzen und blödsinniges Comic Relief – stattdessen gibt es blanken Zynismus und, vor allem in der ersten Hälfte, sehr viel Authentizität. Die konfliktreichen Lebenssituationen der zwei (zunächst) völlig unterschiedlichen Hauptprotagonistinnen Heike Laurens und Mathilda Wahry werden äußerst nuanciert und mit sehr viel Feingefühl gezeichnet. Das Buch ist meist subtil, aber konfrontativ; immer klar verständlich, aber nie platt. Das ist ein Drahtseilakt, bei dem Pfaue jedoch nie abrutscht, nicht einmal ins Straucheln kommt.

Will man auf diesem hohen dramaturgischen Niveau noch ein wenig jammern, so ließe sich anführen, dass die erste Hälfte des Films etwas besser gelungen ist als die zweite. Denn sobald sich die Hauptfiguren auf ihre Reise nach Lettland machen, ändert sich der Ton und einige Glaubwürdigkeitsmängel (manche von ihnen durchaus schwerwiegend) sind bei einer solch rasch einsetzenden radikalen Änderung wohl unvermeidlich. Verzeihlich sind sie angesichts des weit überdurchschnittlichen Gesamtergebnisses jedoch allemal. Denn nicht nur strukturell kann das Drehbuch überzeugen, sondern auch die Dialoge sind durchwegs vortrefflich geschrieben. Insbesondere die Szene, in der Friedrich seine todkranke Gattin endlich konfrontiert, besticht durch eine ungeheuerliche Wortgewalt.

Es sind viele Fragen, die der Subtext des Films stellt. Am interessantesten ist vielleicht die, ob ein Künstler als selbstbestimmter Mensch leben kann, oder unweigerlich ein lustbetontes Produkt ist. Doch um dieses Thema wirklich sauber zu bearbeiten, hätte es der Dramaturgie vielleicht gut getan, die Figur Mathilda etwas weniger kindlich anzulegen. Und sieht man die ersten Szenen des Films, in denen ihre Darstellerin Margarita Breitkreiz auftritt, so ist man zunächst skeptisch, ob sie es schaffen wird, diese anspruchsvolle Rolle mit der notwendigen Nuanciertheit zu spielen. Doch diese Skepsis ist bereits nach wenigen Minuten vollends verflogen und Breitkreiz meistert ihre schwierige Aufgabe mit Bravour.

Die beste Leistung des ausnahmslos hoch kompetenten Ensembles liefert jedoch Corinna Harfouch, die ihre Figur sehr naturalistisch und somit ohne jegliche Art von Künsteleien anlegt. Das gibt diesem Film trotz seines unvermeidlich deprimierenden Sujets sehr viel Wärme.

Doch eine Frage bleibt zum Schluss; nämlich die, wieso dieser Film vom ZDF als „Komödie“ angepriesen wird, obwohl er diesem Genre offensichtlich nicht angehören kann. Dieser Etikettenfehler baut leider eine Erwartungshaltung auf, die «Hand in Hand» weder erreichen kann, noch muss, noch will. Lässt man die missglückte Genreangabe jedoch außen vor, so ist dieser Film sicherlich eines der TV-Highlights des Jahres.

Das ZDF strahlt «Hand in Hand» am Montag, den 15. August 2011, um 20.15 Uhr aus.

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Kurz-URL: qmde.de/51406
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