„Wir wollen anders sein und eine Alternative bieten“

VOX-Chefredakteur Kai Sturm spricht im Interview mit Quotenmeter.de über den Erfolg der Samstags-Dokumentationen, den schwächelnden Nachmittag und die Leuchtturm-Formate im Programm.

Herr Sturm, erklären Sie doch bitte einmal das Phänomen „Daniela Katzenberger“.
Kai Sturm:
Daniela ist authentisch. Sie hat eine besondere Gabe, das was sie sieht oder erlebt in ihrer Sprache auf den Punkt zu bringen. Sie sagt das, was andere denken, aber immer sehr charmant und mit einem Augenzwinkern. Die Zuschauer und vor allem die Zuschauerinnen können sich mit ihr identifizieren und schauen Daniela gerne bei ihrer ungewöhnlichen Karriere zu.

Sind denn schon neue Formate mit Daniela Katzenberger geplant?
Ja, wir planen weitere Sendungen mit Daniela Katzenberger, diese werden aber nicht vor 2012 laufen. Es ist also noch nichts spruchreif.

«Die Geissens» wurden, ähnlich wie Daniela Katzenberger, bei «Goodbye Deutschland» bekannt. Jetzt haben diese bei RTL II eine eigene Sendung und fahren dort sehr gute Quoten ein. Ärgert Sie das?
Natürlich ärgert es mich, dass RTL II mit den «Geissens» gute Quoten einfährt (lacht). Aber ich sage es mal so: Zu Daniela Katzenberger haben wir ein freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis. Bei den Geissens war das anders.

Kommen wir zu «X Factor». Was sind Ihre Erwartungen an die neue Staffel?
Wir wollen besser werden als in der ersten Staffel. Wir haben viel gelernt und haben das Glück, dass viele Talente zu uns gekommen sind, die uns überrascht haben. Ich denke, dass wir in jeder Kategorie Kandidaten gefunden haben, bei denen es ganz schwer werden wird, sich zu entscheiden. In die Jury-Häuser gehen wir mit acht Acts und kommen mit vier wieder raus, das ist eine harte Auswahl. Aber die zwölf Kandidaten die dann in den Live-Shows gegeneinander antreten, werden zwölf ganz große Charaktere sein und eine tolle Stimme haben.

Wegen des Erfolgs der ersten Staffel machen Sie «X Factor» nun größer. Am Sonntag laufen nun auch Castingausgaben. Kann man sich damit neben US-Spielfilmen bei RTL und ProSieben sowie dem «Tatort» im Ersten etablieren?
Wir wollen den Zuschauern neben der «Kocharena» und dem «Promi-Dinner» eine weitere Alternative bieten. Wir haben uns auch dafür entschieden, weil unsere Musiktalentshow «X Factor» einfach toll ist und sehr unterhaltsam obendrein. Es gibt sehr viele gute Kandidaten und wir glauben, dass die Zuschauer das gut finden und auch einschalten werden.

Ihre Dokumentationen am Samstag sind inzwischen ebenfalls in aller Munde. Bei den Zuschauern kommen sie erstaunlich oft gut an, bei den Kritikern sowieso. Wie kommt das?
In vielerlei Hinsicht ist diese Dokumentations-Strecke eine tolle Geschichte. Einerseits weil wir da ganz großartige Themen behandeln können, die uns am Herzen liegen. Und andererseits weil wir mit einer Tiefe in ein Thema hineingehen können, die man normalerweise in diesem schnelllebigen Medium gar nicht kennt. Spannend ist es auch, wenn man auf Messen oder Kongressen ist. Dann kommen die Kollegen von den Öffentlich-Rechtlichen und sagen, dass sie das auch gerne mal machen würden.

Die machen es aber nicht, Sie haben eine Lücke gefüllt.
Wir haben die Gunst der Stunde genutzt. Wir haben mit dctp und SpiegelTV kompetente Partner, die die Möglichkeit haben, so etwas zu produzieren. Nehmen Sie zum Beispiel unseren ersten 12-Stünder im April über den Tag, an dem Adolf Hitler Selbstmord beging. Das war ein außergewöhnliches Fernsehexperiment, das nicht jeder umsetzen kann. Wir befruchten uns da gegenseitig. Inzwischen ist es so, dass viele freie Produzenten zu uns kommen und uns ein interessantes Thema anbieten. Die Dokumentation über das höchste Gebäude der Welt, den Burj Khalifa, ist auch durch eine freie Produktion entstanden – und auch hier waren die Quoten richtig gut.

Der Samstagabend ist aber oft hart umkämpft.
Wir glauben, dass wir auch in Zukunft mit der dctp und SpiegelTV als Hauptpartner und den freien Produzenten viele gute Alternativen zum Gegenprogramm bieten können. Ich kann verstehen, dass einige Zuschauer eher «Schlag den Raab», «Deutschland sucht den Superstar» oder «Das Supertalent» einschalten und unterhalten werden wollen. Wir wollen in diesem Fall aber einfach anders sein und eine Alternative bieten.

Kommen wir zum Nachmittag. Dort sind die Serien «Chaosfamilie» und «Law & Order» gescheitert. Jetzt setzen Sie wieder durchgängig auf Doku-Soaps - wie kommt’s?
Die Kollegen von allen anderen Sendern werden Ihnen das bestätigen: ProSieben, RTL II, kabel eins – alle haben das Problem, dass es keine international lang laufende Serie mehr gibt.

Dann muss anderer Stoff her. Scripted Reality ist der neue Trend. Heißt das Vorbild am Nachmittag also ganz unweigerlich RTL?
Wir müssen unseren eigenen Weg gehen und Lösungen finden, die zu uns passen. Natürlich gibt es auch bei uns Nacherzähltes, zum Beispiel bei «mieten, kaufen, wohnen». Wir haben bestimmte Bereiche, in denen wir nacherzählen bzw. "scripten" müssen, weil man sonst die Geschichten nicht zeigen könnte. Wir schließen das also nicht grundsätzlich aus. Auch bei den «Einrichtern» gibt es diese Elemente, aber wir machen das etwas anders.

Wie zufrieden sind Sie mit den Quoten am Vorabend? Insbesondere beim «Perfekten Dinner»?
Die zwei Stunden am Vorabend von 18 bis 20 Uhr setzen sich nach wie vor gut gegen die immer größer werdende Konkurrenz durch. In absoluten Zahlen bei allen Zuschauern ab drei Jahren sind wir in diesem Timeslot deutlich vor vielen Mitbewerbern wie beispielsweise ProSieben. Diese Zeitzone ist nach wie vor ein wichtiges Lead-in für die Primetime.

Zuletzt gab es immer mal wieder Sonderausgaben des «Perfekten Dinners» zu sehen. Wird es damit weitergehen?
Ja, weitere Ausgaben vom «Perfekten Dinner im Schlafrock» sind in Planung.

Herr Sturm, danke für das Gespräch.

17.07.2011 10:05 Uhr  •  Timo Niemeier Kurz-URL: qmde.de/50819

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