Hingeschaut

«17 Meter»: Ganz schön raffiniert

von
Joko und Klaas kehren mit einer neuen Spielshow ins Fernsehen zurück. Neben allerhand aufwändiger Action hat «17 Meter» auch ein cleveres Quiz-Element zu bieten.

Die große Samstagabend-Show, in der Kandidaten in aufwendigen Spielen um das große Geld kämpfen - beinahe wäre sie zu einem Relikt der Fernsehgeschichte verkommen. Statt schweißtreibenden Wettkämpfen reiht sich heute eine Quizrunde an die nächste, der jüngste Versuch von RTL, mit der «100.000 Euro Show» das 90er-Feeling zurück zu bringen, ging schief und die großen Sat.1-Shows, in denen C-Promis sich in albernen Spielen messen, haben sich mittlerweile auch wieder stark ausgedünnt. Einzig «Schlag den Raab» und das schwer in Schlagseite geratene «Wetten, dass..?» halten die Fahne der Samstagabend-Events seit Jahren oben – mit einer handvoll Ausgaben im Jahr.

Mit «17 Meter» hat ProSieben nun einen neuen Anwärter um das Erbe der Gameshow-Generation auf das Experimentierfeld Sommersaison geschickt, auf dem in den letzten Jahren bereits Rohrkrepierer wie «WipeOut» oder «Solitary» gescheitert waren. Doch «17 Meter» könnte sich tatsächlich als der langersehnte Glücksgriff erweisen, denn das neue Format trägt den Flair der «100.000 Mark Show», die unter Gameshow-Jüngern nach wie vor als nostalgisches Non-Plus-Ultra gilt, und transportiert es ins neue Jahrtausend.

Das Spielkonzept ist simpel und bleibt über die gesamten zwei Stunden gleich. Die Kandidaten – zehn an der Zahl, eingeteilt in zwei Teams – bekommen bis zu acht Hinweise zu einem gesuchten Begriff. Sobald sie diesen zu wissen glauben, muss nur noch der Buzzer erreicht werden, der sich am Ende eines 17 Meter langen Parcours befindet, der von Runde zu Runde anders aufgebaut ist. Mal muss die Strecke in großen Ballons bewältigt werden, mal schwingen sich die Kandidaten an Seilen ins Ziel. Optimal ist es natürlich, wenn man sich endlich am Buzzer angelangt auch noch an die Antwort erinnert.

Dem Quiz-Trend konnte also auch «17 Meter» nicht komplett entrinnen, kommt dabei aber überaus frisch daher, denn die Hinweise sind oft „ganz schön raffiniert“ verpackt – so übrigens der erste Hinweis auf das Lösungswort „Zucker“. Um die Ecke denken ist angesagt: Mallorca „hat einen deutschen Monarchen“ und die Tomate „gibt es als Mark, aber nicht als Euro“. Das hebt die Fragen angenehm vom Allgemeinwissens-Einerlei á la Kerner ab und lädt zum Mitraten ein in einer Show, die eigentlich von Actionelementen beherrscht wird.

Denn wie lange die Kandidaten brauchen, um auf die Lösung zu kommen und sich vom Hinweispult auf das Spielfeld zu begeben, spielt meist keine große Rolle. Die Parcours sind oft so kraft- wie zeitraubend, dass kleine Zeitvorsprünge flugs egalisiert werden. Insgesamt zehn verschiedene Spiele hat die zweistündige Show zu bieten und die sind mit allerhand Rampen und Seilkonstruktionen oft erstaunlich aufwändig installiert. Hier werden Erinnerungen an die großen Spiele der «100.000 Mark Show» oder «American Gladiators» wach und das in einer Zeit, in der bei «Die perfekte Minute» oder «The Cube» eher Kindergeburtstagsspiele zum Selberbauen dominieren.

Auch optisch hat «17 Meter» ein klares Konzept in Rot, Schwarz und Weiß, das es vom Billiglook manch anderer Sommerunterhaltung abhebt. Man bekommt den Eindruck, dass die Macher ihr Format ernstnehmen und es eben nicht als „nur“ eine Spielshow sehen. Lediglich das Studio selbst könnte ab und an in einen weniger konfusen Mix aus regenbogenbunten Farbstrahlern getunkt sein.

Obwohl die Spiele im Vordergrund stehen, haben die ehemaligen MTV-Gesichter Joachim "Joko" Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf der Show deutlich ihren Stempel aufgedrückt. Mit ihrer offenen bis frechen Art und einer gewissen Rivalität untereinander beleben beide das Format. Die Kandidaten indessen, die sich wie einst im «Glücksrad» zu Beginn in ein oder zwei Sätzen selbst vorstellen, bleiben eher blass. Allerdings ist der Doppelmoderation wohl auch eine der größten Schwächen von «17 Meter» mit zu verdanken.

Wie zuvor schon bei «Solitary» oder «Die perfekte Minute» wurde auch bei «17 Meter» wieder ein importiertes einstündiges Format auf die doppelte Länge aufgeblasen. Dafür wird Joko und Klaas je ein fünfköpfiges Team zugewiesen und eine gewisse Wettkampfmentalität vorgegaukelt. Bloß: Bis zum Finalspiel dezimieren sich die Teams bloß selbst und spielen überhaupt nicht gegeneinander, erst recht niemals als Team. Im Grunde wurde hier das Konzept gestreckt, indem man einfach zwei Ausgaben gleichzeitig drehte und die Szenen miteinander mischte. Für zwei Stunden Sendezeit fehlt «17 Meter» bei aller Action und Kurzweiligkeit dann aber ein wenig die Substanz.

Dass «17 Meter» den Vergleich mit den großen Vorbildern der Gameshow-Geschichte wohl doch etwas scheut, merkt man am verhältnismäßig geringen Preisgeld von 25.000 Euro, vor allem verglichen mit ProSiebens etabliertem Samstagabend-Boliden «Schlag den Raab», wo pro Ausgabe das zwanzigfache ausgegeben wird.

Trotzdem ist «17 Meter» zuzutrauen, endlich wieder den Nerv der Gameshow-Gemeinde zu treffen mit einer gelungenen Mischung aus spannenden und aufwändigen Spielen, einer frischen Aufmachung, Mitmach-Anreizen und einem Moderatoren-Duo, dem der Sprung ins "große" Fernsehen mühelos gelungen ist.

Mehr zum Thema... 17 Meter Joko Klaas Heufer-Umlauf
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