Der Fernsehfriedhof: «Samstag Nacht» für Arme

Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 125: Erinnerungen an eine dreiste Kopie der Kult-Comedyshow, an der die Macher selbst beteiligt waren.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir des misslungenen Versuchs eines der Kultformate der 90er zu kopieren.

«Happiness» wurde im Januar 1997 bei RTL geboren und entstand damit kurz nachdem die legendäre Comedyshow «RTL Samstag Nacht» ihren Zenit überschritten hatte. Dennoch holte das Format wöchentlich hervorragende Einschaltquoten. Was lag daher näher, als die Sendung einfach zu kopieren? Die «Samstag Nacht»-Produzenten Jacky Drechsler und Hugo Egon Balder höchstpersönlich wurden mit der Schaffung eines Klons beauftragt. Wie schon bei der Vorlage beschlossen sie, das Ensemble mit bisher unbekannten Gesichtern zu besetzen. Unter den Neuentdeckungen waren letztendlich Ralf Betz, Witta Krüger, Toks Körner, Thomas Nicolai und ein gewisser Markus Maria Profitlich, der bei der Show erstmals in Erscheinung trat. Zusätzlich wurde Dorkas Kiefer ins Cast aufgenommen, die zuvor bei «Unter Uns» eine Serienrolle spielte und mit ihrer Gruppe MeKaDo beim «Eurovision Song Contest 1994» in Dublin einen dritten Platz für Deutschland gewinnen konnte.

Auch inhaltlich unterschied sich die Sendung kaum von «Samstag Nacht». Jede Ausgabe bestand aus zahlreichen Sketchen, die mal im Studio, mal außerhalb aufgenommen wurden und bisweilen im Chaos endeten. Zusätzlich gab es einige wiederkehrende Reihen und Figuren wie «Der Bestimmer», «Familie Spülstein» und die Foto-Love-Story sowie Parodien bekannter Fernseh- und Radioformate. Die Show wurde dennoch nie so gut angenommen wie das Original. Zu billig wirkten die Kulissen und zu schwach waren die meisten Witze. Profitlich selbst hat dazu in einem Interview gesagt, dass eine Vielzahl der Sketche von den Autoren von «Samstag Nacht» stammten, diese aber für deren Show aussortiert wurden.

Ausgestrahlt wurde das 45-minütige Format am Freitagabend um 23.15 Uhr. Nach einer verhaltenen ersten Staffel, die aus zwölf Folgen bestand, ging die Show in eine knapp einjährige Pause und kehrte mit einer veränderten Besetzung zurück. Betz, Krüger und Nicolai verließen die Besetzung und wurden durch Thorsten Feller ersetzt. Doch auch dieser konnte die Sendung nicht retten, sodass RTL nach zwei weiteren Mini-Staffeln endgültig den Stecker zog. Im Jahr 2002 wiederholte SuperRTL noch einmal alle Ausgaben.

«Happiness» wurde am 31. Juli 1998 beerdigt und erreichte ein Alter von 25 Folgen. Die Show hinterließ den Comedian Markus Maria Profitlich, dessen Karriere nach kurzen Engagements bei den RTL-Sendungen «Fischers» und «Der Ferienmann» ab 1999 mit dem Einstieg bei der «Wochenshow» und den Nachfolgeformaten «Voll witzig!» und «Mensch Markus» erst richtig begann. Dorkas Kiefer trat anschließend in zahlreichen Fernsehserien (u.a. «Klinikum Berlin Mitte») und bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg auf, während Feller zunächst bei «Unter Uns» und dann in der zweiten Staffel von «Verliebt in Berlin» auftauchte. RTL versuchte im Jahr 2005 mit «RTL Comedy Nacht» das Konzept noch einmal neu zu beleben, scheiterte damit aber genauso wir kurz zuvor Sat.1 mit seiner Version namens «Happy Friday».

Möge die Show in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs widmet sich einer dicken Sitcom.

12.02.2011 09:00 Uhr  •  Christian Richter Kurz-URL: qmde.de/48981

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