Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 87: Die erste und zu recht einzige Real-Soap aus einem Frisörsalon.
Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir eines unglaublich dummen Format.
«Der Frisör» wurde am 07. Januar 2001 bei RTL geboren und entstand zur Zeit des Reality-Booms, den vor allem die ersten Staffeln von «Big Brother» ausgelöst hatten. Die Zuschauer schienen zu jener Zeit ein großes Interesse an den banalen Geschichten einfacher Menschen gehabt zu haben – so zumindest die Schlussfolgerung der Fernsehmacher. Was lag daher näher, als der Hochburg alltäglicher Privatplauderein eine eigene Sendung zu geben? Das Konzept hätte nicht simpler sein können. In einem echten Friseursalon wurden zahlreiche Kameras installiert, die die Friseure bei ihrer Arbeit und im Gespräch mit ihren Kunden filmten. Dafür konnte sich jeder Zuschauer einen Termin im Salon und damit in der Show reservieren.
Die acht Hairstylisten waren unterschiedliche Charaktere und sollten neben Identifikationsmöglichkeiten auch für Farbe im Format sorgen. Von schrill bis brav, von alt bis jung, von hetero bis schwul war unter ihnen alles vertreten. Neben den Arbeitsplätzen wurde der Pausenraum überwacht, so dass auch die Gespräche der Friseure untereinander gezeigt werden konnten.
Getratscht wurde über Promis, Krankheiten, persönliche Erlebnisse und natürlich Frisuren. Es hätte nicht banaler sein können. Das dachten sich wohl auch die meisten Zuschauer. Obwohl die Eröffnung des Salons ausführlich zu prominenter Sendezeit von Frauke Ludowig vorgenommen wurde, blieb das Interesse von Anfang an dürftig. Die halbstündigen Episoden wurden zunächst werktäglich um 17.00 Uhr ausgestrahlt, bevor sie nach rund anderthalb Monaten um eine Stunde vorverlegt wurden. Auch das half der Sendung nicht, sodass sie wenig später endgültig eingestellt wurde.
«Der Frisör» wurde am 30. März 2001 beerdigt und erreichte ein Alter von rund drei Monaten. Die Show hinterließ nichts außer ein paar Haaren auf dem Fußboden.
Möge die Show ewig in Frieden ruhen!
Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann Stefan Raabs Talentschmiede.