Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 85: Was wurde aus den Moderatoren des legendären «Disney Clubs»?
Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir einer der populärsten Kindersendungen.
«Disney Club» wurde am 05. Januar 1991 im Ersten geboren und entstand in einer Zeit bevor es eigene Fernsehsender für Kinder gab. Die ARD sicherte sich damals die Lizenzen für die Ausstrahlung der Programme des Disney-Konzerns und zeigte dessen Serien im Rahmen einer 90minütigen Show. Der Aufbau der einzelnen Ausgaben blieb nahezu unverändert. Es gab stets einen sogenannten «Classic Cartoon», also einen kurzen Zeichentrickfilm aus den Anfangsjahren von Walt Disney, einige Filmbeiträge, einen Stargast und drei Serien zu sehen. Unter denen waren in der Regel zwei Zeichentrickserien und eine wechselnde, reale Fortsetzungsreihe, die am Ende gezeigt wurde. Als diese wurden unter anderem «Teen Angel» mit Jason Priestley und «Das Geheimnis von Lost Creek» mit Shannen Doherty gezeigt. Beide Hauptdarsteller spielten später das Zwillingspaar Brenda und Brandon Walsh in «Beverly Hills, 90210».
Am beliebtesten waren die 20minütigen Zeichentrickserien. Unter ihnen befanden sich bekannte Produktionen wie «DuckTales – Neues aus Entenhausen», «Die Gummibärenbande», «Chip und Chap – Die Ritter des Rechts», «Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew», das auf den Figuren des «Dschungelbuchs» basierte, sowie später «Darkwing Duck» und «Arielle, die Meerjungfrau».
Die wöchentlichen Ausgaben der Show wurden in der Regel am Samstagnachmittag gegen 16.00 Uhr ausgestrahlt und am folgenden Sonntag gegen 08.00 Uhr wiederholt. Das bunte Studio hatte als Hauptelement eine Monitorwand, die in ein großes Boot eingebaut war.
Durch die ersten Folgen führten Stefan Pinnow, Ralf Bauer und Antje Pieper. Pinnow wurde zuvor entdeckt, als er Kandidat bei «Geld oder Liebe» war. Bauer stieg ab 1993 aus und widmete sich seiner Schauspielkarriere, für die er später sehr bekannt werden sollte. Er war unter anderem in der Surfserie «Gegen den Wind» sowie in «5 Sterne» zu sehen. Außerdem spielte er in den Filmen «Workaholic», «Tristan und Isolde» und «666 – Traue keinem, mit dem Du schliefst» mit. Seinen Platz nahm kurzfristig Benedict Weber ein, der später für seine Moderationen von «Pumuckel TV» (Das Erste), «Art Attack» (Super RTL), «live@five» (Disney Channel) und «Dein Song» (Ki.Ka) bekannt wurde. Als Weber die Sendung verließ, moderierten Pinnow und Pieper allein weiter. Im Jahr 1995 stieg dann auch Antje Pieper aus und schlug eine journalistische Karriere ein. Mittlerweile leitet sie das ZDF-Studio in Rom und produziert zahlreiche Reportagen. Pinnow erhielt mit Judith Halverscheid eine neue Kollegin, mit der er durch die Sendung bis zu ihrem Ende führen sollte.
Nach genau vier Jahren verlor die ARD die Disney-Rechte an den Sender RTL, der die Serien wie «Aladdin» und «Timon und Pumba» fortan am Samstag- und Sonntagmorgen in den Shows «Team Disney» und «Disney & Co.» zeigte, die unter anderem vom späteren Talkshowmoderator Franklin präsentiert wurden. Zudem übernahm der Disney-Konzern die Teilhaberschaft am neuen Kanal SuperRTL, der damit die Serien, die bisher im «Disney Club» zu sehen waren, wiederholen durfte. Die ARD führte ihre Sendung daraufhin mit ähnlichem Konzept, jedoch nun mit den Figuren des Kinderbuchautors Janosch als «Tigerenten Club» fort.
«Disney Club» wurde am 30. Dezember 1995 beerdigt und erreichte ein Alter von 261 Folgen. Die Show hinterließ den Moderator Stefan Pinnow, der noch bis Ende 1997 mit Judith Halverscheid auch durch den Nachfolger und zwischenzeichtlich zudem durch das Kinder-Quiz
«Jagd um die Welt - Schnappt Carmen Sandiego!» führte. Ab 2001 wurde er das Gesicht des ProSieben-Magazins «taff» sowie ab 2006 der WDR-Sendung «daheim und unterwegs». Er ist mittlerweile mit seiner damaligen Co-Moderatorin Judith verheiratet.
Möge die Show in Frieden ruhen!
Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann einem «Wer wird Millionär?» für Arme.