83rd OSCAR ®

Die 82. Academy Awards: Wenig Überraschungen, keine Show

von
Wenig Überraschungen, keine Show. Filmexperte Sidney Schering fasst seine Meinung über die 82. Verleihung der Academy Awards zusammen.

Vergangene Nacht war es so weit: Zum 82. Mal versammelte sich Hollywood, um sich durch die Verleihung der Academy Awards selbst zu feiern. Dieses Jahr gingen die so genannten Oscars mehrere Regeländerungen durch, unter anderem wurde das Feld der Nominierten in der Kategorie “Bester Film” verdoppelt und die Entscheidung über den Sieg in dieser Sparte wurde durch ein neues Abstimmungsverfahren gefällt. Am Auskommen änderte sich dadurch allerdings nicht: Den Sieg trug der beim Publikum eher unbekannte Topfavorit «Tödliches Kommando - The Hurt Locker» nach Hause, der so zum kommerziell unerfolgreichsten Gewinner des begehrten Preises wurde. Der neunfach nominierte Film gewann in sechs Kategorien (darunter “Beste Regie”, “Bestes Original-Drehbuch” und “Bester Schnitt”) und zog so souverän am Hauptkonkurrenten «Avatar - Aufbruch nach Pandora» vorbei, der für seine Kamera, das Szenenbild und die visuellen Effekte prämiert wurde. Damit sorgte James Camerons auch für zwei kleinere Überraschungen während der sonst so vorhersagbaren Oscar-Nacht: Noch nie zuvor wurde ein Film, bei dem dermaßen viel durch digitale Technik umgesetzt wurde, für seine Kameraarbeit oder das Szenenbild ausgezeichnet. Üblicherweise bevorzugen die Mitglieder der Academy handwerkliche Glanzleistungen in diesen Kategorien. Die einzige andere Überraschung des Abends dürfte besonders in Deutschland für erschrockenes Zucken gesorgt haben: «Das weiße Band», ausgezeichnet mit der Goldenen Palme und dem Golden Globe, wurde in der Kategorie für den besten fremdsprachigen Film vom argentinischen Beitrag, dem dramatischen Kriminalfilm «El Secreto De Sus Ojos», geschlagen.

Davon abgesehen gewann ein Favorit nach dem Anderen. Die daraus resultierende schlechte Nachricht: Als passionierter Glücksspieler dürfte man im Wettbüro kaum Geld gemacht haben. Die gute Nachricht: Wenigstens kam es zu keinen Ärgernissen bei der Oscar-Vergabe. Selbstverständlich hat jeder seine persönlichen Lieblinge, und das eine oder andere Mal hätte man selbst wohl anders entschieden, jedoch gewann niemand gänzlich unverdient den Academy Award. Und gerade bei den Schauspielkategorien wird sich der Widerspruch aus den Reihen der Filmliebhabern in Grenzen halten. Mit Sandra Bullock (Beste Hauptdarstellerin für «The Blind Side»), Jeff Bridges (Bester Hauptdarsteller, «Crazy Heart»), Mo’Nique (Beste Nebendarstellerin, «Precious») und Christoph Waltz (Bester Nebendarsteller, «Inglourious Basterds») ging der Goldjunge ganz unüberraschend an die vier unumstrittenen Darstellerlieblinge des Jahres.

Die Show an sich dagegen gestaltete sich überaus unerwartet. Denn wer nach der mit witzigen Showeinlagen und einem roten Faden sehr unterhaltsam gestalteten Verleihung 2009 mit etwas ähnlichem rechnete, fand sich erstaunt in einer “nackten” Preisverleihung wieder. Nachdem die von Hugh Jackman singend und tanzend moderierte Oscar-Vergabe im vergangenen Jahr für einen Anstieg der Zuschauerzahlen sorgte, ist der diesjährige Verzicht auf sämtliche kurzweiligen Elemente vollkommen unverständlich. Von den beiden schauspielerischen Hauptkategorien, wo Schauspielkollegen über jeden der Nominierten eine bewegende oder witzige Anekdote zum Besten gaben, und der Kategorie für das beste Make Up (präsentiert von Ben Stiller im «Avatar - Aufbruch nach Pandora»-Kostüm) abgesehen, hielten sich die Laudatoren äußerst knapp. Die Dankesreden wurden zeitlich harsch begrenzt. Die Moderatoren Alec Baldwin und Steve Martin sagten nach ihrem Eröffnungsmonolog (beziehungsweise -dialog) selten mehr als zwei Sätze und auf die Live-Darbietung der nominierten Lieder wurde völlig verzichtet. Das einzige Showelement neben dem durch einen singenden Neil Patrick Harris («How I Met Your Mother») angekündigten, recht flachen Stand Up der Moderatoren war eine ganz ansehnliche Tanzeinlage zu einem Medley aus Musikstücken der Nominierten in der Kategorie “Beste Filmmusik”. Durch diese Schnörkellosigkeit vermied es die straff gehaltene Veranstaltung, irgendwo einen dramaturgischen Hänger zu riskieren. Jedoch opferte man somit auch die Möglichkeit Spannung zu erzeugen oder den Zuschauer zu unterhalten.

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