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Geissens Ende und die dunkle Zukunft des Nachmittagsprogramms

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Zehn Jahre lang begrüßte der ewig grinsende Oliver Geissen die Gäste seiner Talkshow und war damit eine feste Größe im RTL-Programm. Nun muss er seinen Sendeplatz für weitere Fake-Dokus räumen.

Der letzte Produktionstag der Show war der 19. Mai 2009. Insgesamt wurden 1807 Ausgaben hergestellt. Leider erhält die Sendung keine würdige Abschiedsfolge, sondern endet mit dem banalen Thema „Altersunterschied – Mein Mann ist 40 Jahre älter!“

Produziert wurde die Talkshow anfangs von Hans Meisers Firma CreaTV, die mittlerweile insolvent gegangen ist. Seit 2004 übernahm diese Aufgabe Norddeich TV, an der Geissen zu 25 Prozent selbst beteiligt ist. Die Firma ist auch für die Makler-Doku «Unser neues Zuhause» mit Inka Bause, die «Guinness World Records»-Show und die Clipsendung «Sport ist Mord» verantwortlichen. Sie liefert außerdem einzelne Folgen für die RTL Real-Life-Doku «Mitten im Leben», die ab Montag den Sendeplatz der Talkshow übernehmen wird und löst sich damit konsequenterweise selbst ab.

Nun muss der vorletzte Dailytalk das Feld für Reality-Dokus räumen. Ein Trend, den Geissen in seiner Show selbst begünstigte. In den letzten Jahren der Show nahmen gestellte Einspielfilme immer mehr Platz ein und ließen damit weniger Raum für Gespräche, die eine Talkshow eigentlich ausmachen. Eine Veränderung, die «Britt» nicht mitmachte. Vielleicht liegt darin der Grund, warum ihre Show auch weiterhin erfolgreich ist.



Sogenannte Scripted Realities oder auch Pseudo-Dokus erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Sie bieten den Vorteil dem Zuschauer das wahre Leben zu zeigen und es dabei aber noch dramatischer gestalten zu können. So werden Geschichten erzählt, die das Leben nie schrieb. Dagegen wäre grundsätzlich nichts einzuwenden, denn fiktive Erzählungen gehören zur Natur des Menschen. Die Kritik gegen diese Formate richtet sich aber vor allem gegen deren schlechte Inszenierung. Aufgrund der täglichen Ausstrahlung und den damit verbundenen kurzen Drehzeiten sowie der Verwendung von preiswerten Laiendarstellern sind die meisten dieser Formate nur schwer erträglich. Dazu kommen oft übertriebene und unglaubwürdige Drehbücher mit haarsträubenden Handlungsverläufen.

Dies ist auch bei den neuen Sendungen «Verdachtsfälle» und «Familien im Brennpunkt» zu erwarten, die ab Montag das Nachmittagsprogramm von RTL ergänzen werden. Bereits im Frühling testete der Sender still und heimlich im Rahmen seiner Reihe «Mitten im Leben» gestellte Dokus und erreichte damit erstmals erfreuliche Quoten. Die gescriptete Reihe «Familien vor dem Aus», die stark an die neuen Sendungen erinnert, schaffte es damals sogar bis zu 20 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe gegen die erfolgreichen Richtershow von Sat.1 zu erobern. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis dieser Erfolg ausgeschlachtet werden würde. Und so wird ab Montag der Bedarf an Laiendarstellern wieder einmal deutlich ansteigen, da zwei weitere Stunden pro Tag gefüllt werden müssen.

Jüngst verlängerte RTL zudem die erfolgreich getestete Pseudo-Doku «Die Schulermittler», die das Fake-Line-Up dann aller Wahrscheinlichkeit ab 17 Uhr komplettieren wird. Bei einer derartigen Überdosis an gestellten Dokus, wird es sicher nicht lange dauern, bis sich der Zuschauer an die guten alten Zeiten erinnern wird, als ein Oliver Geissen seine Gäste mit einem freundlichen „Hallöchen“ begrüßte.

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