Die Kritiker

«Die Blücherbande»

von

Story


Kaum aus dem Gefängnis entlassen, plant der glücklose Werner Blücher den nächsten großen Coup: Von seinem Zellengenossen hat er den Tipp bekommen, dass in einem Büro am Elbhafen ein Tresor mit einer beträchtlichen Menge Schwarzgeld zu finden sein soll. Noch in derselben Nacht will Blücher mit seinen Mitstreitern, dem Taxifahrer Andy Walz und dem mittellosen Ollie Ambusch, das Geld stehlen. Seine Freunde sind von dem Plan indes alles andere als begeistert, gehört das gut bewachte Gelände doch dem hinterlistigen und undurchsichtigen Geschäftsmann Leo Kaiser. Zu allem Überfluss wird das Trio auch noch von der hartnäckigen Hauptkommissarin Schmitz-Kesselhoff und ihrem törichten Assistent Müller Zwo beschattet.

Trotz aller Widrigkeiten schaffen es die drei Kleinganoven nach zahlreichen Hindernissen und Rückschlägen, in das Büro einzudringen und den Tresor zu knacken – und finden statt des erhofften Geldes nur einen Schlüssel zu einer Lagerhalle. Als Blücher schon entmutigt aufgeben will, entdecken sie in der Lagerhalle weit mehr als Schwarzgeld: Leo Kaiser lagert hier in Tabaksäcken 80 Tonnen gebrauchte Geldscheine, die eigentlich zur Vernichtung bestimmt sind. Es beginnt ein aberwitziger Wettlauf gegen die Zeit, die Polizei und nicht zuletzt Leo Kaiser, dessen russischer Geschäftspartner auf das aussortierte Geld wartet.

Darsteller


Armin Rohde («Kleine Haie», «Lola rennt») ist Werner Blücher
Jörg Schüttauf (Fritz Dellwo im HR-«Tatort») ist Andy Walz
Sebastian Bezzel (Kai Perlmann im SWR-«Tatort») ist Ollie Ambusch
Mona Seefried («Sturm der Liebe», «Marienhof») ist Hauptkommissarin Schmitz-Kesselhoff
Matthias Bundschuh («Unsere Farm in Irland») ist Müller Zwo
Horst Krause («Ein Mann, ein Fjord», «Wir können auch anders») ist Leo Kaiser

Kritik


Mit der Krimikomödie «Die Blücherbande» zeigt Das Erste am Donnerstag einen Film, der angenehm aus dem üblichen ARD-Programm heraussticht und statt gern thematisierter gesellschaftlicher Problematik vorwiegend auf charmanten Witz setzt: Mit hanebüchenen Strategien und spontan organisierten Transportmitteln der Stadtreinigung wird innerhalb einer Nacht eine ganze Lagerhalle voller Geld ausgeräumt wird, während der trottelige Kriminalbeamte auf eine falsche Fährte gelockt wurde. Neu ist diese Idee einer sympathisch gezeichneten und chaotischen Gaunertruppe freilich nicht. Konzept, Personenkonstellation und sprachliche Feinheiten erinnern auffallend an alte Folgen der «Olsenbande», jene dänischen Kriminalkomödien, die jahrelang vor allem in der ehemaligen DDR Erfolge feiern konnten.

Trotzdem kann der Film als eigenständiges Konzept durchaus überzeugen. In der prominenten Besetzung fallen vor allem Armin Rohde als forscher und einfallsreicher Werner Blücher, seines Zeichens selbsternannter Kopf des glücklosen Gaunertrios, Sebastian Bezzel als einfältiger und naiver Komplize Ollie Ambusch und Jörg Schüttauf als skeptischer Taxifahrer Andy Walz auf, deren gegensätzlichen Perspektiven für unterhaltsame Szenen sorgen. So sorgt sich Walz vor allem um seine anspruchsvolle Ehefrau, während Blücher gerne den charmanten und berechnenden Strategen spielt, der er eigentlich nicht ist. Spaßig sind zudem Mona Seefried und Mona Seefried in der Rolle des ungleichen Polizeiduos, das es nicht schafft, Blücher und seine Kumpanen zu observieren und stattdessen von den eigenen Kollegen verhaftet wird.

In solchen Details zeigt sich, dass der Film im Grunde auch eine Persiflage auf das gesamte Genre der Krimis ist. Problematisch wird das erst, als die Handlung zu erklären versucht, wie Leo Kaiser über einen hohen Beamten im Innenministerium an das zu vernichtende Geld gekommen ist, was im Gesamtkontext reichlich konstruiert wirkt und dem Film seinen leicht sarkastischen Unterton entzieht. Außerdem schafft es der Film nicht, eine lang anhaltende Spannung aufzubauen und eine bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen, so überzeichnet sind die Protagonisten und Gegenspieler in ihrem Verhalten. Damit verkommt vor allem die zweite Hälfte des Filmes zu einer teils faden Aneinanderreihung von Gags.

Im Endeffekt ist «Die Blücherbande» eine unaufgeregte, aber doch recht unterhaltsame Gaunerklamotte, die zwar keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, aber den Zweck einer netten Abendunterhaltung voll und ganz erfüllt.

Das Erste zeigt «Die Blücherbande» am 05. Februar 2009 um 20:15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/32951
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