Quotenmeter.de-Redakteur Christian Richter kommentiert die derzeitige Allgegenwärtigkeit des neuen US-Präsdidenten.
«Welcome President Obama», «Ein Fest für Obama», «Obama schwört den Eid» und ähnlich hießen die Kampagnen unter denen die Amtseinführung des 44. US-Präsidenten Barack Obama von den Nachrichtensendern, ARD, ZDF sowie RTL übertragen wurden. Da fragt man sich als Fernsehzuschauer, ob die Fernsehmacher dieses Landes es nicht wieder einmal übertrieben haben?
Der gegenwärtige Kult um die Präsidentschaft der USA und die Person Barack Obama nimmt langsam absurde Züge an. So übertrug Euronews sogar den letzten Handschlag zwischen George W. Bush und Obama und kommentierte ihn bedeutungsschwanger.
Selbst wenn man argumentiert, dass es sich um den wichtigsten Mann der Welt handeln würde, scheint diese derzeitige Überpräsenz unverhältnismäßig zu sein. Nimmt man als Beispiel unsere Bundeskanzlerin dagegen als Vergleich: Sie ist zwar nicht der mächtigste Mann der Welt aber laut Medienmeinung immerhin die mächtigste Frau der Welt. Bei ihrer Amtseinführung gab es keine Sondersendungen, Live-Übertragungen auf allen wichtigen Sendern, noch Nachrichtensprecher vor Ort. Dabei sollte das eigene Staatsoberhaupt doch mehr Beachtung finden als der Präsident eines fernen Landes, so wichtig er für die Welt sein mag. Nun könnte man entgegnen, dass es sich bei Obama schließlich um den ersten schwarzen Präsidenten handeln würde und dies historisch sei. Frau Merkel ist aber immerhin die erste Frau, die den Regierungsvorsitz Deutschlands hat. Dieser Fakt ist mindestens genauso wichtig.
Jener Trend zeigte sich schon bei Obamas Wahl. Auch hier übertrugen die vier wichtigsten Sender plus sämtliche Nachrichtenkanäle stundenlang die Auszählungen der einzelnen Bundesstaaten. Gab es zur letzten Bundestagswahl Übertragungen, die ähnliche lange Sendezeiten hatten? Zumindest nicht bei RTL oder Sat.1. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die amerikanische Zählweise etwas spannender sein mag als die deutsche, so blieben die wenigstens Sender bei der vergangenen Bundestagswahl wenigstens bis zum vorläufigen, amtlichen Endergebnis live auf Sendung.
Als Obama am 24. Juli 2008 in Berlin seine große Rede über die zu bauenden Brücken hielt, übertrugen die großen Sendeanstalten das Schauspiel wieder live. Wann wurde die letzte Rede unsere Bundeskanzlerin vollständig live im Abendprogramm übertragen?
Natürlich soll und muss über die Entwicklungen in den USA berichtet werden, auch weil sie für Europa entscheidende Auswirkungen haben könnten. In Zukunft sollten die Fernsehschaffenden jedoch abwägen, ob wirklich jede Sondersendung über Obama angebracht ist oder ob man nicht wenigstens genauso viel Interesse auf unsere einheimische Politik richten sollte.
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